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SATmEN UND PASQUILLE

isn'^

SATIREN UND PASQUILLE

AUS DER

REFORMATIONSZEIT

HERAUSGEGEBEN

VON

OSKAR SCHADE

ERSTER BAND

zwbitb: a.xjso-^bb:

HANNOVER

CARL RUMPLE R. 1863.

M^s ist el>eii so lehrreich und interessant wie durch TateTUküdiscIies Gefiihl gebotene Pflicht, die Anfänge des großen Cultarprocesses , in dem wir augenblicklich noch stehen, zu dessen Vollziehung, als zur endlichen nationalen Gestaltiing eines nach innen und außen freien Deutschlands, wir neuerdings wieder bedeutende Anstrengungen gemacht haben, es ist Pflicht, die großen Anfänge dieses Processes, die man mit dem Namen Reformation zu bezeichnen pflegt, nach allen Seiten ihrer Erscheinung zu betrachten und zu beleuchten. Die lange vorbereiteten und wo sie früher ein- zeln aufgetreten waren rasch durch die brutalste Gewalt unterdrückten Ideen brachen endlich gegen Ausgang des z^^nreiten Decenniums des sechszehnten Jahrhunderts mit sol- cher Entschiedenheit hervor, imter solch kolossaler Beteili- gung der 'Massen und so unerschrockenen großen Führern, daß ein halbes Menschenalter später ihr Sieg bereits ent- scliieden, wenn auch noch nicht allseitig gesichert war. Ge- rade diese energische Beteiligung der Massen war entschei- dend: ohne ihre Ausdauer wären die Führer erlegen, der Rachsncht ihrer Oegner zum Opfer gefallen und unsere Xation um die Glorie der schönsten That betrogen gewesen. Was nun die Massen damals alles bewegte, wie man sie für und wider anspornte, wie sie über das Ganze der Bewegung, über einzelne Erscheinungen, Ereignisse und Persönlichkeiten dachten, ihre religiösen, nationalen und socialen Wünsche in all ihrer Mannigfaltigkeit, darüber erhalten wir die beste Auskunft in den zahllosen Flugschriften, die damals wie eine Flui übers Land fuhren. Sie kennzeichnen sich fast alle (sofern sie nicht bloße Zeitungen sind) durch ein scharfes

VI

satiiusches Element, beispiellosen Freimut, mitunter durch große Derbheit und Leidenschafdiehkeit : denn wo eben die Massen frei eintreten und Massen in so sinnlicher Kraft wie unsere Vorfahren damaliger Zeit, da kann von einem Über- wiegen umsichtiger leidenschaftloser Ruhe keine Rede mehr sein. Diese Flugschriften behandeln die Zeit&agen in volks- tümlicher, allgemein verständlicher Sprache, mit derbem^ Witze, kurz und bündig auf wenigen Blättern, höchstens wenigen Bogen, in Prosa und in Versen, als Lieder, Sprüche, in dialogischer oder dramatisierender Form mit interessanten redenden oder handelnden Personen, bald roh, bald geschickt, je nach dem Bildungstande und der XJbung des Verfaßers, oft mit scharfem Blicke, gesundem Verstände und sittlichem Ernste, in siegesgewisser Gesinnung ; fast alle sind dazu mit Holzschnitten ausgeziert, die die redenden Personen dar- stellen oder den Inhalt der Schrift veri^innlichen oder kar- rikieren: musten sie nicht reißenden Absatz und Verbrei- tung finden, nicht von der aufgeregten Menge, die auf den unausbleiblichen Schlag immer begieriger wurde, mit Heiß- hunger verschlungen werden?*)

Es bilden also die Satiren und Schmähschriften die ganze Reformationszeit hindurch einen eigenen breiten Zweig der Literatur, der neben seiner praktischen, unmittelbar ins Leben eingreifenden Bedeutung auch in literarischer und sprachlicher Beziehung erkannt sein will«

Eine vollständige wolgeordnete Sammlung dieser Schrif- ten wäre eine der wichtigsten und dankenswertesten Unter- nehmungen, wenn sie überhaupt möglich wäre. Aber welcher Einzelner wäre im Stande diesen Ungeheuern Ap^farat zu- sammenzubringen, und hätte er ihn beisammen, zu bewältigen ! Es kostete mehr als ein Mensch an Zeit, Mühe und Aufwand

"*) Vgl. über Pafquille, Spottlieder und Schmähschriften aus der ersten Hiilfte des sechszehnten Jahrhunderts. Von Johannes Voigt« In Raumers historisch. Taschenbuche 9. Jahrg. 1838. S. 321—624. Die Fingschriftenliteratur ist auch behandelt in dem so lehrreichen Buche Dr. Karl Hagens Deutschlands literarische und religiöse Yorhältnisso im Reformationszeitalter. 2. Band S. 176—219,

VII

daran zu setzen vermag. Und wer wollte diese Bibliothek dann yerlegen, wer sie kaufen! Diese Flugschriften sind ja nirgend beisammen^ über ganz Deutschland sind sie ver- streut in privaten und öffentlichen Bibliotheken: in prote- stantKBcfaen finden sich nicht die katholischen^ in katholischen nicht die Schriften der protestantischen Gegner. Denn gleich beim Erscheinen ist alles Oegnerische vertilgt und verbrannt, wo es sich erhalten, später als gefährlich ausgemerzt worden. Doch die gröste Masse dieser Literatur findet sich nicht eiüinal mehr in Deutschland, sie ist von Engländern aufge- kauft und nach London ins britische Museum gewandert Wer könnte also eine vollständige Sammlung veranstalten!

Bei der Unmöglichkeit vollkommenes zu leisten muß man sich begnügen unvollkommenes möglichst vollkommen zu thun.

Ich habe es nun unternommen eine Sammlung der für Geschichte des Staates und der Kirche, für Literatur und Sprache interessantesten dieser Schriften herauszugeben aus den Quellen and Hilfsmitteln die mir die hiesige großherzog- liehe Bibliothek in Weimar und die benachbarten in Jena und Gotha boten. Hiermit übergebe ich den ersten Band, dem ein zweiter bald folgen wird. Die weitere Fortsetzung muß Ton der Teilnahme des Publikums abhängig bleiben, das einem so nützliehen Unternehmen seinen Beifall hoffentlich nicht versagen wird.

Was meinen Plan hinsichtlich der Anordnung der ein- seben Stücke anlangt, so schien mir eine streng chronolo- gische Folge nicht rätlich, also so daß ich etwa in den ersten Band die betreffenden Schriften aus den Jahren 1517 1520 gebracht hätte, in den zweiten die der nächsten Jahre u. s. f. Ich hatte mir dadurch die Hände gebunden, denn die wäh- rend der Arbeit zulaufenden Quellen, sofern sie eine frühere bereits behandelte Zeit angiengen, hätten müßen unberüok- üehtigt bleiben, wenn ich die einmal angenommene Ordnung nicht doch hätte stören wollen. Das angemeßenste und nütz- lichste schien mir, in dieser Hinsicht möglichst. frei zu ver- fahren, ohne gerade ganz fremdes wild durch einander zu werfen. Ich habe allgemeine Gruppeir gebildet, die bei ihrem j

I

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ersten Auftreten ihren Gegenstand nicht erschöpfen wollen, weil dieß ja unmöglich ist, zu denen Gruppen in späteren Bänden Ergänzungen bringen werden. So gehen in diesem vorliegenden ersten Bande die sieben ersten Stücke haupt- sächlich auf kirchliche Zustände allgemeiner ein, die sechs folgenden beziehen sich auf Herzog Heinrich von Braun- schweig und sein Treiben, das nächste behandelt einen noch späteren speciellen Vorfall aus Salzburg, das letzte endlich ganz allgemein die sittlichen und gesellschaftlichen Zustände um die Mitte des Jahrhunderts. So ist mehrfachem Interesse vorgesehen und man hat den Vorteil in einem Bande ohne Vereinzelung verschiedenes zu finden.

Was die Texte selber anlangt, so habe ich mich nicht entschließen können die alten Drucke mit Haut imd Haar kritiklos wieder zu geben. Die Schreibung muste geregelt, durch strenge Interpunction der Satzbau bloßgelegt und das Verständnis dadurch gefördert, es .muste in Sprache, Vers und Reim die Absicht des Verfaßers aus der Verwilderung heraus zur Geltung gebracht werden. -Wie schwierig das alles gerade bei kleineren, leicht tmd zufällig entstandenen Werken ist, wird jeder* wißen der darüber schon gedacht und gearbeitet hat. Bei jedem einzelnen war die Art und somit die Grundsätze der Herstellung eine andere. Man. durfte keinem unterschieben was ihm fremd, nicht beßem was von Haus aus schlecht war, nicht Consequenz einführen wollen wo Inconsequenz im Sinne und der Weise des Verfaßers herschte. Sehr selten bekezmen sich Stücke zu einem so fest ausgeprägten metrischen Grundsatze wie Nro. XIH., bei dem daher dip Unebenheiten im Versbau, wie sie der Druck gab, leicht und mit Sicherheit zu beßem waren. Ich bin in dieser Hinsicht der äußersten Vorsicht mir bewust.

Daß auch die Schreibung in versclüedenen Stücken mehrfach verschieden sein muste, liegt in der Natur der Sache, namentlich unterschieden sich hier streng die in Nie- derdeutsclJand entstandenen von den oberdeutschen, die beide ihre bestimnken Gesetze nicht verläugnon. In wie weit mund- artliche Formen ihr Standrecht behielten oder bloß von Setzern eingeschmuggelt waren, muste untersucht, konnte jedoch

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freiUch nicht immer aufs reine gebracht werden. Unorga- nische Häufung der Consonanten wurde beseitigt: die besten Drucke kennen sie kaum und nur in seltenen Fällen. Aus diesen muß überhaupt die Schreibung fUrs 16. Jahrhimdert gelernt werden. Hinsichtlich des VocaUsmus verdienen u und sein Umlaut u nähere Beachtung. In schweizerischen Texten könnte man sie getrost nach dem dort geltenden Idiom in no und üe auflösen, neben welchen Diphthongen sie auch als kürzere Zeichen vorkommen. Zweifelhaft bleibt diese ihre diphthongische Aussprache in Texten die aus anderen oberdeutschen Gegenden stammen, wo uo entweder zu ue oder schon zu ü geworden, ebenso üe zu ü: sie scheinen öfters nur verwendet, weil man diese Typen in den Drucke- reien aus früherer Zeit noch vorrätig hatte. Mit Ende * der dreißiger und in den vierziger Jahren verlieren sie sich all- malig. In niederdeutschen Drucken erscheinen sie nur ganz ausnahmsweise. Ich habe sie in oberdeutschen Texten stehen gelaßen zumal man gerade bei solchen unmittelbar aus dem Volke hervorgegangenen und aufs Volk wieder berechneten Stacken mehr mundartliche Formen finden kann als bei an- deren. Es steht dann beides frei & und u entweder als uo und üe oder ab ü und ü zu lesen. Häufig war auch wol die Aussprache sehr schwankend. Für die andern Umlaute brauchte man nur die Zeichen ä, ö und ü (in den alten Drucken gewöhnlich durch i, 6 und u gegeben) ohne Schei- dung organischer Länge und Kürze, die in dieser Zeit weder bezeichnet zu werden pflegte noch überhaupt in ihrer ur- sprunglichen Reinheit bestand. Rechten kann man darüber, ob nicht gewisse Vocalverdoppelxmgen anzuwenden gewesen wären, die sich fast durchgehends, obwol nicht in den aller- besten Drucken finden, ich meine ee für e in eer, eere (honor), leer, leere (doctrina), wo die niederdeutschen Drucke ehr, ehre und lehr, lehre geben. Wer jedoch in (eum) von in (in) scheiden kann, der wird auch er (honor) nicht mit er (is) Terwecbseln. 3Ian kann überhaupt gut und gern verlangen, isß einer im Lesen seine Gedanken beisammen hat. Die Lesarten die in den Anmerkungen gegeben sind und deren Auswahl durchaus nicht ohne Absicht ist, sollen teils ein Bild

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der Drucke, auch ihrer Verwilderung geben^ teils die Schrei- bung, indem sie auf Besonderheiten hinweisen, rechtfertigen.

Ich habe in den Anmerkungen zu jedem Stücke Erklä- rungen gegeben. Daß das überhaupt nötig war, unterliegt keinem Zweifel: nur das Wie kann in Frage kommen, ob man sie nemlich auf gelehrte oder ungelehrte Leser berechnet. Ich habe mich bei diesem Bande für das letztere entschieden und zwar deshalb. Das Buch wird (wie sein Inhalt erkennen läßt) von vielen benutzt werden, die nicht deutsche Philologen von Fach sind, also weder das nötige Zeug zum klaren sprachlichen Verständnis mitbringen, noch die Hilfsmittel besitzen oder ihre Behandlung kennen, tun dieses Verständnis sich leicht zu vermitteln. Es werden Geschichtsforscher und Freunde, es werden Theologen über das Buch kommen: warum diesen nicht förderlich sein, warum imsere Wißen- schaft wie eine Geheimlehre hüten? Deshalb habe ich einer möglichst populären Erklärung den Vorzug gegeben obwol wißend daß ich durch Aufstiefelung von Gelehrsamkeit (die mir nicht schwer gefallen wäre) mehr Ruhm erlangt hätte. Nun die Einführung auch der Laien in die oft recht schwie- rige Sprache dieser Zeit geschehen ist, kann ich in späteren Bänden den an der Gelehrsamkeit begangenen Fehler (wenn es einer ist) um so sicherer gut machen.

Es wäre vermeßen gerade bei Schriften der Art wie die vorliegenden, zu behaupten, alle und jede Schwierigkeit, sprachliche und sachliche, lösen zu können: manches muß imgelöst bleiben und wird erst später seine Erklärung finden. Leider habe ich auch manche weitere Excurse über verschie- dene in den Satiren berührte Gegenstände, zumal kulturhisto- risches Inhalts, die für die Anmerkungen bestimmt waren, einstweilen zurück legen müßen, damit der bestimmte Um- fang des Buches nicht zu sehr vergrößert würde : sie werden späteren Bänden an passender Stelle einverleibt werden. Auch weitere historische Bemerkungen, wie z. B. über den hart mitgenommenen Herzog Heinrich von Braunschweig, konnten hier keine Aufnahme finden. Überdies lag es auch nicht im Zwecke dieser Arbeit, die dargebotenen Schriften nach allen Seiten hin eingehend zu beleuchten, was für den Historiker

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^eser Zeit von Fach schon große Schwierigkeiten haben würde. Ich begnüge mich mit dem eigentlich philologischen und literarischen Anteile: das übrige möchte ich nur als Zu- wage betrachtet wißen.

Schließlich muß ich leider auf eine Reihe von Druck- fehlern aufmerksam machen, die ich vorm Gebrauche des Buches zu verbeßem bitte. Ich fiige zugleich mehrere kleine Änderungen hie und da für den Text bei.

Seite 8 ZeUe 33 lies als für all. Z. 63 pfar for pfat. S. 10 Z. 124 Hes hfir für h&t. S. 12 Z. 200 L armer für armen.

8. 15 Z. 76 1. keinem für keinen. Z. 79 wirt für würd. 8. 17 Z. 144 darin für darum. Z. 158 rüeft fiir rüefet.

Z. 173 lies in den kntten für in der k. 8.18 Z. 203 lies gSten nnd Z. 204 gftter für guten und guter. 8. 19 in der ersten Zeile des Textes lies Seiest für Seiet. Sw20 Z. 15 L Dann für Denn.

8.21 Z. 53 1. nüt für nit. 8. 22 Z. 100 fchftflin für schäf- lein. 8. 23 Z. 131 1. gangen für gegangen. 8. 29 Z. 97 1.

than für thfin. 8. 31 Z. 164 1. söl für soll. 8. 33 Z. 245 lies d&Q fi die k. Z. 251 1. gmeinen. 8. 39 Z. 36 Deutfchen. S. 40 Z. 56 daß wir erlangen ewigs leben. Z. 64 1. uf für an/. 8. 42 Z. 1451. manger fiir mancher. 8. 44 Z. 6 chriftn- heit. 8. 50 Z. 67 wortn. 8. 51 Z. 122 stets. 8.52 Z. 157 ghorfam. 8. 54 Z. 9 üb er haut. 8. 55 Z. 23 ist nach ver-

achten ein Komma zu setzen. Z. 28 ir. 8. 56 Z. 69 Er hat.

Z. 77 mityerwanten. 8. 57 Z. 106 fürft. S. 58 Z. 134

Pox. Z. 140 kriegesman. Z. 145 drumb. 8. 60 Z. 179

oder wer ich bin. Z, 194 nim. 8. 64 Z. 308 teufelswürm.

8. 65 Z. 333 solt. 8. 66 Z. 363 gleuben. 8. 70 Z. 49

ortrauwet. 8. 73 Z. 170 Darümb. Z. 172 vortranwen

8. 74 Z. 211 izunt. 8. 76 Z. 298 iderman. 8. 78 Z. 29

ime. S. 82 Z. 65 unfletign. Z. 82 gwachsen. Z. 86 one.

S. 84 Z. 170 Welchs. 8. 86 Z. 211 für aller. 8. 88 Z. 299 beBer außrichten. 8. 90. Z. 383 lies nie für nit. 8.93

Z. 502 fnrm. Z. 506 lieber sagn. 8.94 Z. 538. beßere wer in wern. 8. 95 Z. 586 schelmischn. 8. 96 Z. 620 Nach dem er eure. 8. 102 Z. 101 künstler. 8. 108 Z. 269 Yerzeuh.

Z. 286 Plutonl. 8. 109 Z. 292 zu fteter fart. 8. 113

Z, 77 tilge das Komma nach und. 8. 118 Z. 266 fetze nach hell

«n Komma. S. 119 Z. 301 Plutonis. 8. 120 Z. 343 lies in für ir. S. 121 Z. 365 ander. Z. 386 möcht. 8. 122 Z. 420 ist das ÜTooima nach Juliam vielleicht zu tilgen; f. dicAnm. 8. 123 Z. 448

xn

Phorbautis? S. 124 Z. 468 Amasis? S. 130 Z. 114 Bron^. Z. 115 drengen. S. 132 Z. 203 Ues herligkeit für her- tigkeit S. 133 Z. 219 glück. Z. 246 Aufs. S. 138 Z. 427 Ciniras. 8.142 Z. 585 sie. 8. 143 Z. 612 wol zeuht.

8. 155 Z. 26 auf genante zeit. 8. 156 Z. 48 lies frid für

frend. 8. 157 Z. 112 thcten mein fpotten. 8. 171 Z. 601

da man uns mit plagt. BeQere die Verszahlen 510 und 515 in

610 und 615.

Möge dieses Buch eine freundliche Aufnahme finden und zur Erkenntnis jener großen bewegten Zeit, die der Stolz unserer Nation ist, das seinige beitragen!

Weimar am 10. November 1855.

OSKAE SCHADE.

INHALT

Seite

I. Ein clag and bitt der dentfchen nation an den almech- tigen got nmb erlosnng anB dem gefenknis des Antichrist 1

II. Der cnrtisan und pfründenfre^er 7

III. Ich kan nit tu neues erdenken, ich mnß der katzen dfchellen anhenken 13

IV. Die götliche müle 19

Y. Ein fproch von dem bofen misbrauch in der heiligen

cbrUleuheit entftanden 27

VI. Von dem jabeljar. 38

Vn. Ein ie deam laudamos von baplt Paulo dem dritten ver- dentfcht durch bSpftlicher heiligkeit gfuten freund Eras-

mos Albems 44

Vni. Ein getichte darin angezeigt wird wie from lierzog Hein- rich von Braunfchweig und wie böfe die lutherifchcn

fern 48

DL l^n Inftag gefprftch der teufel und etlicher kriegsleute von der flucht des großen Scharrhanfen herzogen Hein- richs von Braunschweig 64

X. Bekentnis und clag herzog Heinrichs von Braunfchweig

des jungem 68

XI. Bruder Veits landsknechts im lager vor Wolfenbüttel treu- liche wamung 77

XII. Warhafdge. contrafactnr herzog Heinrichs des jungem

von Braunfchweig und feiner gefellfchaft 80

Xm. Drei neue und luftige gefpreche, wie der woIf, fo etwan doch nicht lang ein menfch Heinz Wolfenbüttel genant,

in abgmnd der hellen vordamt fei 99

XTV. Paaquillus vom lalzburgifchen baumgjait, gefchehen im

fiben und fünfzigsten jar umb Ruperti im herblt 145

XV. Ein gefprech des Herm mit S. Petro von der iotzigen

weit lauf und irem verkertem böfem wefen 154

Anmerkungen 177

EIN CLAG UND BITT DER DEUTSCHEN

NATION AN DEN ALMECHTIGEN

GOT UMB ERLOSUNG AUSZ

DEM GEFENKNIS DES

ANTICHRIST.

O ewiger vater durch dein gotlich almechikeit,

O gebenedeiter son des ewigen vaters Weisheit, O heiliger geist, des vaters und sons lieb und gutikcit.

Drei person ein gotlich wesen, hilf und beschirme

die Christenheit! O Jesu Christ, Bfarien der reinen junkfrauen son,

Erlös uns auß dem gefenknis des Antichrist zu Rom! Der deine scheflein nit weidet, sunder bestrickt,

Mit seinen gesetzen und tyrannei die unterdHickt. Dein gebot und schrift er ganz veracht

Und erhebet seine gesetze mit großer pracht. Daß wir nit dorfen glauben hoffen und lieben dich,

Dringet uns zu seinem gedichte unchristKch, Wil die heilige schrift ganz unterdrucken,

Deine scheflein also fhret zur hellischen brücken. O herre, mit unsem sunden haben wirs verschult

Daß du sulch bürde über uns so lange hast gedult. €(utiger herre, wach auf von deinem gotlichen zom!

Du bist ja umb unsemt willen mensch gebom. Wir wißen und gleuben daß du nach hast die gewalt Die uns von dem tyrannen kan erlosen halt. Verhenge nicht lenger daß der Antchrist

1

2

Mitdeinem heiligen namen sein geiz und bosheit außricht. Wil darzu ein herre der ganzen werlt sein: Das du verachtet hast und die junger dein. ft5 O ir Christen y weinet und vergießet blutige zem

Daß die heilige schrift ist undergedruckt mit gefem! Denn der Antichrist und großer anliank

Die heilige gschrift han gestoßen under die bank, Ire gesetze und heidenisch kunst hervor gezogen: so Da mit sie laut und leute haben betrogen,

Daß vil menschen durch ire werk selig hoffen zu werden, So doch aleine durch Christum mußen hie auf erden Mit heiligen glauben hofihung und rechter liebe

Seligkeit erlangen, aber komen zun hellischen diebcn. 95 Tumcrei sein etwan von Christen reichlich gestift

Daß man da selbst lernet das volk die heilige schrift, Auch daß die armen Christi versorget wurden und emert:

Nu wirt das von mußigen tumherm verzert Das der Antichrist also verordenet hat 40 Und dreet Christo mit seinen namen ein stroem bart. Oot hat eroffiiet durch Hieremiam am XXXVI capitel,

Wie er die prelaten wil strafen und außleschen ire titel Die do verschmeen und verachten das gotlich wort: Außgerott sollen sie werden, verfolget und ermort. 45 List man den propheten am selbigen capitel eigentlich, Wirt man erkennen den gotlichen zom ernstlich. Also ist es leider den prelaten in Grecia ergangen

Die do zu Eostnitz im concilio sich haben understanden, Mit andern vil das gotlich wort underdruckt han: 50 Dar umb got über sie gesant hat vil heidenische man Die Constantinopel und Greciam hau gewunnen, Da selbst die Christen erschlagen und verkauft, sein

gar wenig entrunnen. Des halben hat keiser Sigmond verloren den streit, Dar zu all sein volk, auch kaum selb vierde entreit 55 Es sein auch zwei keisertumb, vier konigreich von

Christen komen, XX lender, CC stete, unzelig volk von den Christen

genomen,

Als der redner der Venediger gar eben

Sixto dem vierdenzugeredtundza verstehen hat gegeben. Welche der Türke nach dem concilio zu Kostnitz hat

gewunnen* Nach wollen wir blint sein bei der hellen sunnen. Za der zeit ist nit vorhanden gewest die drackerei:

Daromb ist die schrift seltsam gewest^ als ich schrei. Den druck ans Deutschen got zugeschickt hat

Zu lernen die schrift und erkennen der Römer art Welche die heilige schrift wollen nnderdrucken. So wir nicht wem und flegeln ire rucken,

So wirt über uns komen der gotlich zom

Derganz Greciam umb sulch sache hat laßen werden ver- Am achtzigsten psalm lis den konig David, [lom.

Der saget de selbst die warheit gar ernstlich. Bepsdichen ablaB und stroem kolen *

Die darf vorwar niemants weit holen: Denn mnbs gelts willen ist er erftinden,

Za betriegen lant und leut in allen stunden. Der bapst vil heiligen mit prengen hat erhaben :

An Zweifel vil auß den seint in der helle begraben. Bapst und bischof suchen nichts denn reichtumb und gewalt,

Schinden und martern von Christen das gelt manichfalt Sie leben nicht nach der lere Pauli des zweifboten,

Predigen nit,fireßen und saufen, helfen niemant auß noten. Auf schöne frauen, golt und gelt sie achtung han,

Laßen die schaf Christi ane weide irre gan. Hit laden bannen blitzen und donnern si,

Martern und schinden auch die glidmaß crucifixi. Sie dringen den ab ir gelt und gut

Und gagen die seien zur hellen glut. 0 we wir armen christenleute !

Wie übel geht man mit uns umb heute! Vonrar die bischof in der heidenschaft

Beweisen den iren guts in aller craft. Unser bischof wollen mit vil pferden reiten.

Mit fur8ten und herren kriegen und streiten, Auf kosdichen bankpfoln trinken mancherlei wein,

1*

Aleine den namen han daß si chrifitlich bischof sein »5 Und BUsten vil erger sein denn die braminen Die zu Calikuck öffentlich dem teufel dienen. Si füren mit al ir tat ein heidenisch wesen.

Ser wollen sie gefurcht sein und in gewalt schweben, Nört wollen sie herschen und nicht predigen oder leren. 100 Die ermsten pfaffen mußen sie mit Steuer emeren. O herre Jesu, laß dich erbarmen

Daß sie sich beweisen so tyrannisch gen den armen ! Gestehe in nicht mer under deinen namen sulch geberde ! Thu dein gnade und straf sie hie auf erden 105 Daß sie wider komen in den rechten stant

Do zu sie sanct Pauel verbunden hat mit munt und hant ! Ein gemein gericht ist auf erden:

Der Antchrist und sein Anliftng aal vertilget werden Der under gedrucket hat die evangelisch warheit 110 Auf daß sein wille erfüllet wurde und geizigkeit. Als sich anfieng der glaub des beiden Machomet,

Hat sich der bapst in tyrannei gen Christen erhebt. Vorhin des bapst gebit über die Christen was unbekant. Der keiser Focas und Heraclius taten den tyrannen

beistant. 115 Mit listen liegen triegen und tyrannisch art

Ist komen der romisch bischof zu der großen hoflTart Und wil über alle bischof gebieten mit recht^ Mit eiden sie bestricken daß sie seint seine buttel und

knecht Und mußen von im die bischofinentel keufen: ISO Umb groß gelt er sie thut unchristlich schätzen« Und auf daß ja niemants vom bapste habe ein bösen wan,

So muß man in nennen den aller heiligsten man^ Der zu Rom sant Peters successor wirt genant, Wie wol sant Peter in der weise Rom ist unbekant: m Denn sie können nimmer mer in der schrift beweren j Daß sant Peter ie sei komen auf die römische erden. Die bischof aber des schaden sich an dem volk erholen, i

Es sei erschunden geraubt oder gestolen^ Daran ist in nicht groß gelegen: i

iv> Des reichs Christi han sie sich ganz erwegen, Alein daß sie leben in woUust nach irein gefallen,

Frunde reich machen, achten nit daß sie in die helle fallen. Horent nn und merken alle Christen man,

Wie ein schentlich unchristlich leben die bischof han! 13.V Die nnder den namen Christi heilig und wirdig wollen

sein genant, Ir leben und ihun ist erger denn der beiden schand. Sie bulen freßen saufen brachten und trinken wein, Qelt und golt einzunemen muß ire beste tat sein. Do mit sie vil geldis und gut uberkumen 149 Zu suchen gotis ere und unser Seligkeit, werden sie

zu stummen. Auß gotUcher vorsichtikeit es geschehen ist Im aufgank und nidergank zu dieser fnst, Im mittage an allen orten auch zu mittemacht.

Daß vor aller weit der bapst und bischof bosheit an

tag ist bracht. 143 Ist irgent ein reichs doster das apt oder eptin hat, Die achten nicht wie es mit gotis dienst zu gat. Yfie vil Personen sie haben in iren convent,

Ab ir schon nit vil ist, machen do von dein comment, Aleine daß sie vil gutis und geldis erubem mugent: 159 Das achten sie vor die groste und geistlichste tugent. Underdrucken und schinden ir arme leute,

Fragen nichts darnach, alein daß in werde außbeute Die helle, auch ewik smerzen tmd pein, Verzeigen sich gerne des himels schein. 1S5 Die selben Stiefeltern gen brudem und Schwestern erkant Achten nicht daß man von in saget alle schand. Wie sie die iren so hart halten in dem orden,

Mit beten fasten capiteln sotten sie sich ermorden. So füren sie ein herlichs weMichs leben: IM Des orden stant ist in ganz und gar nit eben, Nor da0 sie herschen und nemen ein das gut. Mach christlichem leben ist gar nicht ir mut. Des gleichen die orden des bettelstabs Heucheln schmeicheln imd liebereden dem bapst.

/

165 Daß sie durchs bapsts Privilegien bleiben frei imgestraft Und ja nicht erkant werden under iren decklach. Ja selten sie Christum nach eins nageln ans creuze.

So underdrucken sie die schrift und betriegen die leute : Das ist ir andacht und heiligkeit 170 Gotis er zu suchen und der menschen heil, das wer in leit. Also rieht sich iederman nach dem romischen Antichriat.

Bischof cardinal pfaff monich sein hofg^sinde ist. Die sich alle mit dem Antichrist vereinet han Daß sie betriegen und verfuren alle Christen man. 175 Der almechtig got wolle uns von dem erlösen. Daß wir gutis thun und vermeiden das bosel Darzu helf uns die evangelische warheit ! Es gebe uns sein gnade got vater undsonundheiliger geist !

n.

DER CÜKTISAN UND PFBÜNDENFRESZER.

Der eniÜBaii und pfirfladenfreOer wttrde Ich billich

Hi« Wirt mdne bileberei bekam genant.

Dem banren und gemeinem man.

Ich rfief und schrei on abelan

Zoom adel nnd aller obexkeit

Besieh mtehl du findest guoten beseheit

Nemt war, ir framen Christen g&t, ' ""^ßie Chri«tu8 Jesus mit seim felftt Am stam des creuz erlöset hot,

Durch sein leiden und bittem tot » Für unser sünd genftg gethan:

Des teufeis list solt ir verstau. Daß solche gfitthat würd vergeßen,

Vil menschen herzen hat er bseßen: E4e habent uns gelemet bauen

Auf uns und unsem werken vertrauen^ Dfe golden got|^h^^^^^^e^, ,

Ir träum und menschen oicht geschwäzt Von singen lesen und großem gschrei,

Von pfiEiffen und münchen mancherlei Durch die wir selten selig werden«

Oleich ob Christus Jesus nie auf erden Komen were und selbs geseit, \^ ^ ''J\^

Wie des menschen Seligkeit ^^^ Stund alein im glauben frei: < Darauß fließ brudfid^ph lieb und treu ^ Und andere gAte frücht des glauben:

, W ,1' Darumb sein erben nieman berauben

Muste und sein gflt in kirchen geben Damit er kern ins ewig leben, «5 Und wolle da mit got vemugen

Das er ^ewunnen mit liegen und betriegen Und almusen z& geben hat vergeßen \ D^lßv^ noch ist im leben gewesen

; Und Defeleh s^in sele münchen und pfaffen S^^ 30 ^ i)ie got ini geben und geschaffen. Es seint fiirwar>all große äffen: ^ , , . So wir doch haut nur einen got \^-i^. . Mct vFiiK dem all unser heil stot,

^'^i*^ ^ !\V7 ^ ^^®^ ^^ ^"^* sollen ganz ergeben: ,(i( .*u ** *. ctCiÄ^ Fürwar er ist das ewig leben. A-^ <t'' *Vt€t^j^ . Das vater unser leri\t uns wol Wie eins fiirs ander bitten sol )( Auß bruderlicher lieb und nit umbs gelt:

Das selb gebet got wol gefeit. <4o Auch th&t sant Paulus clärlich sagen

Wie einer des andern bürd sol tragen. Als dann erftillen wir das gesetz. l

Was dürfen wir der menschen geschwätz Die nutzes halben lang und vil .^^^^i^^ 45 Uns haben gelernt das widerspfl?

Solch 1er hatgenaert^der pfaffen znl . ^ ^.i ^ ^ , ^^

Die manfftlr heireql halten sal. f '^T ' -

Zftvor'äer pfründenfreßer scharf Die möcht kein man erzelen gar, ' ^" 50 Die stet und dörfer seint ir vol,

Alle lanty das sieht man leider wol. Vor der gewalt und buberei

Kein pfat oder Stiftung mag bleiben frei. Sie wellens mit^gewalt als han u,' i ' i5 ,Und treuen bei des bapstes ban f'^ '''r^ ^ »^ ^ ^^^ nieman leg darwider sich. .^^^r- *• **^ gQ haben sie gar listiglich) '. .j^n^

Fürsten und herren lang geplent/»/* ; Ir armen leut geschezt und geschent.

9

lx-£,^^«-Al

CO Der bäben seint vil übend

Den einzige p&ünden seint sa schmal^ Vil pfarren und vil timerei^

Probsteien pfründen auch da bei Hat mancher under seiner hant €> Dem die geschrift ist unbekant; j

Denkt nimer was im zAgehör, ^

Wie wol er went ein namen for "^f Sein weihe oder priesterlichen stat, j Doch niehts denkt mit hilf und rat !• Wie er verhüten müg sein hert:

Alein der milch und wollen begert Und schint die bauren ganz imd gar Daß in bleibt weder haut noch har, DaB sie ir leutbet möchten geben, 1 n Lm hals hörn ziehen auch dameben Hit fron und ander dienstbarkeit. So bringt si all in herzigs leit Der pfirtindenfreßer schinderei, Die si emeren und auch da bei M Ir stolzen hfiren und ire knecht. Diß 1»» ^^x f^f^riAt^n^f^t^T recht Die das laut vergiften mit bösen exemplen

Und nichts künden dann pfründen ^emplen ZA Rom und auch in teutschen landen. »5 Phei phei dich der großen schänden! Scoid

Sie achten gar nichts der seien heil, Diq^weil sie tragen offelichen feil Die pfirSnden und alle j^^fj^^ Vil und groß absen^ ^Iffemnon, »0 Darz& regress undTreservat.

Der teufel diß also erdacht hat, / , .

Der curtisaner heneen beseßen *

Daß sie ir seien heil vergeßen Und stellen tag und nacht nach gfit: ..^

>i Dimn nimer wirterßilt ir m&L

Oleich als wöltens ewig leben, ^^

Kan in niemants gnAg me geben. .^

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' " ^ ' .. Die zehenden kom und auch der wein

p \^cil^'t.*-ff Muß. alles zuvor ir sein,

100 Darz& die groBen item all: 7

Damach sftchens überal. -' * '; '' '^ ''^^ jj ^ Eim armen pfaffen der nit kan U)^^ jük^A^. vCi Oder ist ein solich man

u.Ä^.j.^j u>4m, Der fro ist daß er möge han yQf>^-i . -fr> CX-<uMiio6 Ein bleibens, darzfl sich emeren^ :. *ii »i'^ ^4v.c*uwa i-'i ' Des' hungers oder beteis erweren, ^M^ fi a'X , Dem künden sie dann sagen wol,

S-c fi'<.4.#-vv^- Wie er sich da emeren sol,

Von eim dorf ins ander laufen, 110 Das öl und sacrament verkaufen vi Und mit dem selbfich faren umbher:

_: ^vij^^® brinfft die bauren idl in Jc.ummer.

,. f 'f ' *. Hie sohezt man^am^die arinen ieu!, . ^ ^"

Nimts har hinweg und auch die betit^ ' "^' 115 Die armen pfaffen arbeit han, "^ •?

So pfründenfreßer müßig gan. / * 'ix\^ tx.^L>vo^ -.j Die geint iez(^rren in der welt/^ 44vi- A>«^. na,\K^ \w^^> Den amen wirt zugestelt, i.w<:>cwct : MÄßenTpItfeiii freßen und die lügen

La.*-, c''>v i'-^^^jjj^ Und darzft auch im stro ligen, ^^^t^"^*'^^ Hant kein kleider anzÄthon,

So pfiründenfreßer in steten gon

^^ ^^XM i vA.-H-^ Mit seiden schauben und wol bekleit ^c. ^CK^^^t.LQ^ j^ ^j^g j^^^j^ jj^^ ^.^.

If' M,*jLjUvV.^^vil^uP*^ ^^^ ^®^ *™^ "^^'^ *^8 bezalen. isLi f^^ f Wem solichs nun thfit wol gefallen,

' '^ . CDer mftß nit sein ein Christen man. "^ ll^^^^* ^^^ schreiben mer darvan, *- So sieht mans leider nur zfi vil. AW*ÄA\lS».3o Darumb alein ich manen wil ^^^^,^frv vurK ' '^ Geistlich und weltlich oberkeit Daß solcher Ungerechtigkeit Von in kein schütz schirm noch beistant geschech^ Auf daß da got nit ewig rech ISO Und seinen zom dann laße außgan

11 '

■,^ ,.-

Über weiber kint und auch die iiianixv\ Und strafe ako zorniklich

Uns alle sampt gemeinlich. ^äw^a f^<»-/w ^^ (' « . _

IPes spilj ist worden gar sA vil: ^^^ ,,,,. ^^^^.^XtZ^-^

140 Dammb die kugel eilt z8m ziL

Es seint zA vil ungelerter pfaffen, -^^^ - - '' * ^ nr-Aju [Der bauer wil sieb nimer laßen affen,J"J^ ^,^4^ oilcdL^^^ Das merkt, ir forsten herren und regenten! [__ Es seint furwar nit blaue enten,^ 145 Es ist der ernst und warheit gar. ^"-'V t"''' ^^^ «^ ^i

Oot wirts nit me dulden , sag ich furwar. ^^^' " So ir dann sitz^f an gotes stat^ ^ po^.^^ ^' -, ^^ -^ 1

Von im ir euem gewalt hat. * Weren «tcafeni das ist mein rat p^is-w^^^

IM Fürter lant kein.pfaffen zfl weihe gan, Er künde dann vorhin verstau Das alt und neuwe testament Das uns got hat von himel gesent^r^v^«.^ ^vm r- ini t r. Und den gebrauch der sacrament, - ^ ft%ju ^^^^ t -!(,< .^tv^i- xV. IM Darzft auch sei eins erbem leben *»^^^^ ^ , ^^ ^^ h^->^^^i dl. Daß er ein g&t exempel geben a-^ -^c^>»

Und künt das volk wol weisen und leren.

Hiemit werdt ir den glauben meren, ^'^

Wo ir verschafft, ein iede herd ^ .

IM Mit eim gAten hjrtgn^ versehen werd ^ '^ r i ^ -^ < '^ <\ * ' -^ '" ^ Der sie weid mit gAter 1er,

DarzA kein priester furter mer Sitz offlich in unelichem stat u.^<-< '^'^ "

Den got veimaleaeiet hat, icft Als uns die heilige schrift thAt deuten« Billich Bchampten sie sich vor leuten In solchem schentlichem stat zA sitzen.

Ein firumer möcht von engsten schwitzen Oder gedenkt die geschrift die sei nit recht, m Der weil so offlich dar w^dei^ focht Der pfaffen leben unj'ats ir thon.' Wie möcht es iedoch schantlicher ston! ^ ^' -

O ir ffirsten und herren, lonts euch zA herzen gon !

\2

i . ,'\\ Dann unrecht z& strafen hant ir geschworn,

175 Do ir z& heiTen seint erkom. Habt in gedechtnus euem eit! f w,.N<^-vc i.vviii^k.i^'c Thftnt ab Bolich Ungerechtigkeit

Deren ir gfit wißens han : q ^

/•♦vvNAt.<».tvT/^ So möcht ir dester baß^bestan y^t/

^* ^oi.4^'^1iM^4^^^^ Vor got an seinem strengen gericht. ^ ^ ^x^'^f ^ c^tcL -^ Wo aber solichs nit beschicht, ->

H4xy^«,u^ '^'^^erdt ir zfi ewiW verOampnisganr /^^^

Darumb so greifens dapfer an! ^^

.i( t^i-^\vct<> (j , > LAuf euch die sach ä^achs^n ist f^ c^ />irx. jg^ Darumb schont niemants z& diser frist!

,(a c^ J»*<t''ilAA.^i ^^''*'^* ®^°^ ^* irren der pfaffen sperren t^ttA^i'^^ A I^^6 recht z& thon sich wollen weren ,

pvU^<^. ^Üft^u^ Und hie wider wöUen fechten

dt>:} U> c^.H,cryu^ ^* pcivüegien gewanheit und Jkapsts /echten! cU-txH^ a#>v*^<> L^nt euch nit blenden eure freunt^

^Brfider Schwester, w^die seint!

geinemSn^'fUtmeh wassen!

CA.p> ^ iLants ''nit An fireinemlln^^me]

, i . , i Auf daß von inen nit werd vergoßen

,,c/ - topsjx^^oL*'*^*"^ unschuldig chnsten blöt cv>vt^; LtÄvw.'C-^»i^">^ Th&nt darzfl (es deucht mich gftt) ^\ ^LV-vv^Yv/e^'*'* ' Und gestaten fUrhin nit c / ^<>'** ^ Daß Wfit und schweiß der armen lüt

\ V- * r'^ ** gQ üppiglichen werd veraert

Und so. yil laster damit emert! 800 Erbarmen euch der armen leut! Fürwar es ist iezt an der zeit Secht an euere underthanenl

Die seint von verflachten curtisanen Von mark biß auf das bein genagt S05 ^Greifens an! sieint unverzagt! ti .,^^, J^^®^ ^^ ^^ ®^^^ 8^^ sicher geben Kxol " ] Hie glück und hei^j^ dgrt ewigs leben. V Dißbitten gemeinlich, weib und man!

Also wil ich beschießen han. ijT»^ (^Kert euch zu got, ir curtisan!^.

^*k:« cxi-*^>vv.V

III.

ICH KAN NIT VIL NEUES ERDENKEN

ICH >rUSZ DER KATZEN DSCHELLEN ANHENKEN.

Die weit wirt gar ser betrogen.

wölt goty es war als erlogen

das hernach gesehriben stat

und uns iez zu banden gat. s ach got! wie sol wir es greifen an

daß da nit so manig man

yerfiiert werd durch des teufeis list

und auch des bösen Endechrist

der iez regiert in diser weit: 10 hat uns betrogen umb das gelt,

er hat uns großen ablaß geben

und zugesagt das ewig leben.

daran ein großer zweifei is

daß wir unsem herm Jesum Christ IS und sein reich lunb gelt soln kaufen

und von einer kirch zfi der andren laufen,

so Christus seinen jungem hat befolcht

das auß zA teilen umb keinen solt.

nnn merken iez zA diser zeit, so wie uns das hemblein so nach anleit!

das gelt wöl wir wider han

und wagen leib und sei daran.

ist nit ein feiner list erdacht?

das gelt hat man uns wider bracht. n das hat gethan des babsts legat

mit des teufeis und menschen rat.

14

das gelt hat er uns wider geben, darumb abkauft sei er leib und leben, hat das ie kein mensch gehört?

30 also seint wir Christen iez verkört. was werden wir von dem gelt genießen dann ein großes bl&tvergießen : das sag ich euch on allen spot. fürwar es schreit räch zfi got.

95 laßt uns got biten früe und spat daß er uns gebe seinen rat, daß wir uns selbs mügent erkennen und uns nit von einander zertrennen als er uns zAsamen gefüeget hat.

40 nun merkt wo mit die weit umb gat. die weit ist also ganz verkert daß einer von dem andern lert das uns got selber verboten hat: das treiben wir iez früe und spat.

45 das wil ich got von himel klagen, ich m&ß den butzen außher sagen daß sich der gwalt mit gelt laßt zwingen und von dem rechten also tringen. das hat gethan ein welscher man,

50 der hat ein braune kappen an, wolt inen sagen wer si sint: do schwelgten si gleich als ein kint das an das bet geschißen hat sag an, ist das ein weiser rat?

55 ich sagen dir, du frumer man, nimb dich diser sach gar nichts an! man möcht wol bei der sach versten, es würd ein andren auch angen. ich dar den selben nit nennen:

60 die Teutschen Franzosen th&nt in kennen, darauf haut sie die sach gespilt, obs schon dem gemeinen man nit gefeit aber man solt die gemeind auch fragen, ob si die bürde möchten ertragen:

15

ts es würd villeicht ein bößers geraten und nicht gefolgt den bdsen thaten, wann got auch sein hilf darzu thät, 80 in niemants daromb bat und daß wir ließen von der sünd.

als dann Jonas hat verkünt der großen etat Niniphe genant, da hant si ire sünd bekant, die in vierzig tagen solt ondergan, hant si von stund an b&ß gethan,

76 thet inen got barmherzigkeit ^

die er keinen menschen nie verseit. wami wir uns aber nit thfin bekeren und nicht förchten got den herren^ so würd uns got nichts übersehen,

so gleich als den fünf steten ist beschehen« da fant got nur einen man der im da wäre underthan: da ließ er die stat verderben und in den Sünden ako sterben.

wil uns die forcht xdt darzfi zwingen und die liebe gotes nit tringen^ so bit ich dich, gedenk daran, was Christus fiir uns hab gethan, daß er zft uns herab ist kumen,

90 hat die menschheit an sich genumen, hat uns erlöst mit seinem blfit und nit erkauft umb zeitlich gfit, ist got dem vater gehorsam gsein, hat geliten vil schmach und pein.

05 das wil man iezunt nit betrachten, man thfit sein leiden gar verachten, man schwort bei seinem creuz und wunden: wo hat man das ie mer erfunden daß ein volk hab seinen got 100 also gar fttr einen spot!

was Üifint unser obren und herren daß si es so gar nicht weren?

\

1(1

fürwar f^war es ist nit gfit

und wirt genomen freud und mAt, 105 wann uns got strafet zfi der zeit^

so er das letste urteil geit

darumb so laßt uns das nit verachten

und das leiden Christi betrachten

damit er uns erlöset hat 110 und daran unser säligkeit stat!

laßt uns hie büeßen unser sünd!

wie Johannes hat verkünty

da er, in die wüestin saß

und kein menschliche speise aß. 115 was hat der heilig Johannes gethan?

o du gewalt, gedenk daran!

er hat Herodi die warheit verktint

und in gestrafet um die sünd

daß er seim brAder sein weib het genomen, 120 das zimet warlich keinem fromen:

des hat er im sein leben genomen.

es ist warlich iezunt darzA komen,

welicher iez die warheit thAt sagen,

den thAt man iez so hoch verklagen. 185 man spricht, er wöll die weit verfUeren,

so er die schäflein gern wölt nören.

man spricht darbei, er sei ein ketzer:

das thAnt nur die üppigen schwetzer

in denen kein rechte erkantnus ist ISO nun bit ich dich, herr Jesu Christ,

daß du uns die sünd^wöUest verzeihen

und wollest uns dein gnad verleihen,

wie du sant Paulum hast bekert

und in die rechten warheit gelert 135 und so mengen" sünder groß :

die liebe auß der goiheit floß.

ach got, das thA zA diser zeit,

wann uns iez notturft anleit!

o herr, das thAn ich dir erklagen. uo ich mÄß auch etwas von heiligen sagen.

n

mancher thftt zA den heiligen laufen und wil da großen ablaß kaufen: 80 red ich, daß zfi dieer firist darum ein großer irtum ist.

lAh wer die heiligen thAt eren

und nit anbetet got den herren,

der thut wider das erst gebot

'du Bolt anbeten und eren einen got.'

wer in die heiligen sezt sein yertrauen,

IM verlaßt den alten got und sficht ein neuen, wer zfi den heiligen reit oder gat, der selb kein rechten glauben hat: er meint, der heilig sol im helfen auß not^ ab ob unser rechter got sei tot.

1&6 wer die heiligen th&t rüefen an, der wil got nit für ein vater han, so man doch in der natur fint, den vater rtiefet doch an das kint, wie Christus im pater noster lert.

ICO also seint wir Christen iez verkert. es spricht iez vil menger man ^ich mftß wol ein fursprechen han." der redt wider gots barmherzigkeit, so Christus selber hat geseit

165 <koment zfl mir all die betrüebt sint' gleich wie ein vater seinem kint. in den sollen wir vertrauen: furwar es wirt uns nit gerauen. nun hörent hie zfi, jung und alt!

170 daß sein got von himel walt! merkent auch hie, man und weih! das ist iez der pfaffen keib und auch der münchen in der kutten: baut uns gelert und auch geboten

175 das inen am meisten anleit, ir eigen nutz und auch ir geit, künnent ir wort gar wol blüemen. ein ietlicher thfit sein heiligen rüemen.

2

18

haut auch vil brfiderschaft gemacht: 180 ist als umb den geit erdacht.

haben uns die warheit verschwigen

und manche Zauberei getriben,

went das evangeli nit erkennen

und thänt des Luthers büecher verbrennen. 185 das seint die beschomen knaben,

weiten ein eignen heiligen haben.

z& Bern hant si in außerweit:

ist inen tief ins kot gefeit.

im rauch seint sie z& himel gfaren. 190 die warheit sagen eim die narren.

und die noch seint in irem leben

was wöUent si z& antwort geben?

si künnen nit sagen, es sei erlogen:

der teufe) hat si daran betrogen. 195 man reit inen iez in das spil

und truckt man auch der büecher vil

die sagent nicht in iren sack.

das bedunkt si gar ungeschmack:

inen get an dem opfer ab, soo hant si gar für ein großen schad.

es möcht wol menger han gedacht

^hat mich der teufel ins kloster bracht.'

ich wil in geben ein guten rat,

guter werkman kam nie z& spat. 805 die jungen sollen die kutten abziehen

und weit von dem kloster fliehen,

soUent sich neren mit ir band arbeit,

wie got der vater hat geseit.

die alten sol man laßen bleiben, 210 in gotes dienst ir zeit vertreiben

biß daß sich endet ir leben,

ir gfit den armen leuten geben:

das war den armen leuten fäg.

es wären dannocht pfaffen gn&g. 215 darmit hat diser sprach ein end.

daß uns got allen kummer wend! amen.

IV. DIE GÖTLICHE MÜLE.

Dm hont xwen Schweizer bauren fremacht Pürwar s! hont ©ii wol bptracht.

1521.

Der erst baur.

Seiet gegrüeßet aller tiefgnmdister und hoehgelertster

rauller! dein müli aoß den vier evangelisten mit sampt dem

aoBerwelten vaß Paulo zfi malen ist angelaßen, auf welcher

male daa allerzartest heilsam imd honigsußest m^l der göt-

iichen warheit zfl einem trost christenliehem volk teglichen

malt, darauß das best brot gebaehen, iedoch yerdampter

gei% durch einblasung Satane sölich mel nit für honigsüß,

sonder als bitter galten erkent wirt in hofihung unser

Schöpfer werde mit seinen götliehen gnaden gedachtem müller

(welchen ich acht filr den andren Dänielem als ein waren

Propheten, auß dem ungezweiflet der heilig geist redt) bei-

stant ^thftDL^amit das suß mel in scherpfe seiner vemimft

gehinue^^BüTch die unverstendigen blinden tollen verstopften

geitig^n und hochfertigeny'so sich achten gelert sein, in iren

verkerten blintheiten verharren£jnit gehindert, sunder uns

armen sfinder sölich außerweit gebachen brot, das Christus

selb ist, zfi erfolgung ewiger säligkeit gedienen möge. amen.

Der ander baur. Einher got, in ewigkeit ^

Job er und dank sei dir geseit

2*

o 1

V l' a'

'1 X

Der liebe so du z& uns hast, ., uns in der wüste nit verlast. ' 5 Also angesehen daß wir

darin so lang sint gangen irr, Da durch kumen in große not,

gibst du uns iez das himelbrot. Auch als deinem volk Jsrael 10 z& aufenthaltung unser sei Sendest du uns iez dein gnad, , da durch dein müli aber gat Die so lang ist gestanden lär

als ob der müUer gstorben war. ^i ^^^ ^ ir» Denn das (waßerj3er waren 1er, \ was von dem rechten weg fast ferr Gerannen also lang biß daß die evangelisch warheit was '* An vil orten verschwigen gar. xo got, des hastu genomen war, Den großen mangel gsehen an,

so dein volk lang zeit hat getban Jn disem laut vil jar imd tag, nach Amos des propheten sag, / y^ ^

25 Als er an dem achtenden spricht ^

^großer hunger wirt z&gericht, Der wirt weren ein lange zeit

auf allem ertrich nach und weit.' Doch wirt es nit ein hunger sein 30 daß mangel werd an brot und wein. Sunder meint er am selben ort

alein den mangel des gots wort Das man understat zft weren, lang nieman hat laßen leren: s& Da durch dann iez also blint

in rechtem glauben worden sint Wir all, daß kaum ist zjk bescheiden,

ob wir Christen oder beiden Seint doch hat got die verstentnus viler menschen erleucht in uns.

21

DaB si in klarlicher sehen

dann vor hat mögen besehehen, Da der geiz die münch und pfaffeu im eignen nutz gelert hat schaffen, «s Die sich rumen solcher eren

daß si zA dem reich des herren Habent den schlüßel und den gwalt, I hat aber um si also ein gstalt:' Si hant nit wollen hinein gan, öo ander nit wellen darein lan. Aber man sieht iez offenbar in dem evangelio ^förwar, Daß anders gar nit fst dann die f^ - ^

kraft gotes die uns armen hie .%5 Elin heilsamkeit eim ieden ist.

welcher wil sein ein warer clirist, Sol in dem evangeli lernen:

da findet man den rechten kernen, Oot lieb zfi haben /f&rEair)mer. «• dann wir finden InTeiher 1er, Wie gnädiklich er uns hat bedacht,

die offnen Sünder nit verschmachte Wie oft ist er bei inen gseßen, mit inen gtrunken und auch geßen, •3 Ir silnd miltiklich nachgelan, also daß wir lernen verstau X>ie vili der genaden sein.

diß ist sein ganze meinung gsem, Mit seiner gÄte uns zft im . 70 zA ziehen: des v^rnör sein stimm, Da er spricht ^wem vil nach wirt glan,

derselb wirt auch vil lieb han.^ 8o aber rauber worden sint, die mit listen so gar geschwind zb Beraubent unser sei und leib, es sei jung alt man oder weiK .pie^Jreie kinder sein sollen Christi des herren, die wollen

0 9^;.U'-j

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^t .x,>. .1 -■.'

22

8i machen inen eigen kneeht »0 mit ganzem gwalt on alles recht,

Wie Pharo in Egypten thet, ^

der das volk hart betrucket bet Mit strengen werken schwer und groß, unzalberlich über die moß. ^^^-^ . .<.v . p l »5 Also man auch iez mfiß klagen die schw&re burdi so wir tragen. Die si nit wellen anr&ren

mit einem finfi^er, sunder f&ren Mit großem böch uns armen leut, i)o Sagent gebeut wider gebeut^ Wart hicy wart dort, wart widerumby

ein wenig hie, Trenig dort umb:

Da durch si sich selbs girret hant

darum ist dem propheteii' ant,

9b Die milch der armen schafen freßen,

das feist getödt und auch geeßen.

Das mit der wollen wart verweist,

das schäflein gots wart nit gespeist Inen solt wol sein bekant 100 daß wir doch schäflein seint genant, Nit ochsen^ und da bei leren

daß si uns nit selten beschwären Mit keinem joch^ sunder lan

bleibenfwie Christus hat gethan] <

105 Daß aber nit ist beschehen, diß eilend hat angesehen Got der herr und zfl uns gesant

in die wilsti, das ist Teutschlant, (Das die Römer nit me betrachten, 110 schnöder dann ein wüesti achten) Ein scheiterpuschen angezünt:

das ist, so uns nun wirt verkünt Das evangeli grechtiklichen durch den übertreffenlichen 115 Weit berumpten hochgelerten man Erasmus von Rotterdam;

23

Hat uns den wefip recht a«%fit^fti^,

daß wir sicherlich mögen'gan

Z5 der waren heiligen gschrifi ^^l-^

die alle ding^ weit übertnffi, V'^^^^M * ' /- "

Nach 1er und frümkeit der alten ^u*-* '

disen rposchl brinnend behalten,

DcM^h nit verzert z& keiner firist: \^*-^'A- c

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das ander nit bedeuten ist/ 125 Dann daß die<j^tt%en und die

ungerechten understant ie In z& loschen, mags doch nit sein,

dann er von got hat seinen scheih. Diß hat der hochgiert getreu man ISO Martin Luther gesehen an /^a^l^u

Und ist näher gegangen hin z&^ "

dann kein toller ^an{ast mog thä, ^ , , , . . JQia^es nach menschlichem verstant hM^>

alles samen ermeßen haut. 135 Noch seint andQJt.me die leren:

der stimm mir leie^ geren hören, Dann sie reden die gotes stimm. ,.

das hören seine sch^ von im ,v < ^ <

Fast gern und kennen in wol, 140 wie ein christ seinen hirten sol Erkennen^ daß er warlich ist

unser getreur hirt Jesus Christ ^Ich bekenn auch si (er selber spricht)

meine schaf und verschmäheü^ nicht.' 145 Das hat Erasmus betrachte . /< ^

sich eilents z& der müli gmacl^t^ Daß er zeitlich dar ist komen^

hat sich des malens angenomen ) , .

Der heiligen gschrift müUerknecht| . ^

160 so uns das mel lert beutlen_recht^ _ I ^ '^*'f^ Mit seinen gschriften manigfalt,

daß es sein s&ßen gschmack behalt, - ^

Daß warer glaub ist gotes er. ' .w ^

doctor Luther der waren Icr

24

ihi Ein herolt in disen sachen

hat sich angenoroen z& bachen. Das waßer zA dem mel gethan,

den teig wol in griffen gehan, k Da mit das war mel werd z& brot. u^> *AJi>^ ^160' nja durch er komen ist in not: Die ^hilistine« woltent in

geren töten, das hant si im sin: Die brunnen si verworfen haben ^7 SO Abrahams knecht hant graben.

165 Das ist der bninn daranß uns kunt ^ ^.• des eVangeliums rechter grünt, Auß Velchem doctor Luther nam

das waßer so z& seinem mel kam. Aber si werden schaffen neut: y 170 ^jea seint noch vil erTber bider leut, 4«« Wol me^dann siben tausent man

''",*,u>, die ir knie hit gebogen han Ui^'uu . Vor Bai dem abgot der beiden, < c^l^ hant sich von Christo nie gescheiden, 175 Die auch iren munt aufwjthan hant ^^ "^^ zfi ring^umb in dem teutschen lant, ^"^ Daß der nebel wie vor und e

wirt sauren ie lenger und me, Also das brot gebachen werd 180 z& nutz <uns armen hie auf erd. C^Das also wart brot, ist das wort, da Christus spricht an einem ort 'Der mensch lebt nit alein im brot, sunder das wort gots ist im not.' ^^"185 Das sich auß gnaden meret faßt

si hant gehept kein rn noch rast Biß si den schaz funden haben ' ' ^ den weder rost noch die schaben

Verzeren mögen hie in zeit, -^ nro den acker gsehen da er leit. O himlischer beck und unser got, \ wie weit hat uns dise rott

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25

Verföeret von deiner götÜchen mtilen! o heiTy mir wellen kein andern erwölen I9& Wenn den man^oß^ deiner warheit thAt ächten '^ nnd kein marter straf thftt dammb schieben ^ Da hin in die hant vergraben ^

die in vor gestolen haben. Genant beck wirt nit nach lan, so« wie es im iemer sol ei^an,

Pen schaz wirt er herauß bringen, daß die warheit für mög tringen, Seite er schon dammb geben

was er hat, sein leib und leben : jt < . y ^ ^

w.Dann so si den leib nemen hin, . > . /

^^^ÄiogÄra der sei nit schädlich sin.

Er wurd es alles wagen dran ,^^ ^ - >

in hoffiimig, got werds mit im han. Karsthans seinen flegel noch hat: K H

«0 der die heilig gschrift iez auch verstat. Welt man in betriegen wie vor,

so ist er so ein grober tor, . ^ '

Er schlüge mit dem flegel drein,, > ^ solt joch sein studens^ einer sein, y «15 Giltet gleich ob im der^^grint blut. ? auch die unnützen roten hut>^ Geisig münch und reibig pfaffon "- 4c ^u . ^

wurdent all nicht vor im schaffen f ^8 die wölf wurd ers verjagen. , _^

**o doch sollen wir nit verzagen,^^ Den almechtigen got rufen an, ein g&te hoffiiung zfi im han, In dammb bitten allermeist,

daß er uns send den heiigen geist^ ti5 Den er Petro gegeben hat da er in seiner gnaden bat Umb daß er hat verleugnet seiD. 7

also thA uns sein hilfe schein,'

So wir in auch verleugnet hant,

SM seiW worden sent unbekant,

rr > * / C-

26

Daß er uns mit barmherzigkeit

ansehe, da durch wir bereit Seient nach ze TQJgfi&de im

als unsers rechten hirten)Btimmy 235 Daß wir erkennen disen tag

der uns zfi heil gedienen mag, Umb daß sein müli durch gezwang

nit widerumb so mußig gang. Sunder daß diß hunksuß mel werd 240 zfi broty da durch wir hie auf erd Werden bereit zu seinem reich

das er verheißet ewikleich Abraham und seinem samen.

das yerleich er uns allen! amen.

V.

EIN SPRUCH

VON DEM BÖSEN MISBRAUCH

IN DER HEILIGEN CHRISTENHEIT ENTSTANDEN.

Hört zii^ ir herren, meiner sag!

Die weit f&rt iez ein große klag^ Wie auf wöl Btan yil ketzerei,

Irtiunb im glauben auch d^bei. 5 So man doch ChriBti 1er fürhelt,

Werden vil from fär ketzer zeit. Merkt wie es gangen ist bißher

Hit merlin gaukelprediger Die sich ein fimd habent erdacht, 10 Zeichen der heiligen aufgebracht, GroB walfart ailenthalb verkünt.

Wie gescheut sei worden ein blint, Toub gehörent, stum redent, lamer gerad,

Habent gemacht ein seltsam wildbad 15 Und ander wunder auch on zal:

Des ist vol worden borg und tal. Daß man die heiligen r&fet an.

Laßt leider gotes hilf stil stan, ,

So si mich doch in nöten ließen, SV Wenn ich seinr g&theit nit sölt genießen Die er gethan hat hie auf erden

Daß ich der möcht teilhaftig werden. Fürbit der heiligen ist iez für nicht,

28_

Sie hettens dann bei leben außgerieht. 85 Auch gibt uns Christus zfl verston. Was wir sein vater in himels thron Recht bittent in seim namen zwar,

Das werd er uns geweren gar. Also was unsers herren 1er: so So dürfen wir keins andern mer, Als auch die rechten prediger verkünden

Die sich beim ewangeli lant finden, Geschweigent ander faselteding und lupperei Und sagent was die warheit sei. 85 Das wil die gmein nit haben für gfit:

Auf merlin und zeichen sezt si im mfit, Darmit die einfeltigen in große irrung

Gebracht seint worden und verfürung. Das macht alein des pfennings lieb, 40 Hat auß uns gmacht rauber und dieb. Der geiz und unser eigner nutz

Macht manigen seltsam fasnachtbutz : Har wachs imd kleider, ketten groß Henken wir far der heiligen gnoß, 45 Als ob sie kramer imd kaufleut seien Und uns von aller krankheit freien. Darumb schenken wir in silber und golt

Und seint in doch nit änderst holt Dann daß si uns ir hilf beweisen 50 Und thfint groß zeichen, sunst lant wir reisen Unser andacht und nit darnach stellen

Daß wir wurden der heiligen gesellen Dort ewiklich in jenem leben. Die er alein dem Schöpfer geben 55 Der alle wunder einig thftt.

Und er selbs ist das öberst gAt. Es hat geredt sein götlich munt

'Wenn nun wirt komen dise stund Daß falsch prediger werden aufstan 60 Die dich heißen z&n hülen gan, Da gschehen große wunder zeichen:

29

Volg in nitl dann du wirdst geleichen/ Nun sieht die weit iezunder wol Daß alle lant seint wal£art vol. «s Darbei wir vil geprechen hont

Und got unser danunb nit schont. Maniger sagt, er hab hilf erworben. Ach goij wer er darfär gestorben, Dann daß er die heiligen an liegen thnt 7o Und verfurt maniges fromen mfit! So man dann solichs weren wil^ So komen der romanisten vil Mit irer straf und feurem vulcan, WöUent verprennen iederman 76 Daß keiner die warheit sol sagen

Und thfint si auß der kirchen jagen. Daß weißt iez maniger biderman

Der anders wenig lesen kan. Noch ist ein anders auch vor banden. M Die Römer habens nit für schänden Daßs geistlich gaben bieten feil

Und hat daran kein armer teil. Wer aber pringt ein seckel hert Mit gelt, der ist in benevenert, SS flndt gnig zA tauschen und zfi kaufen.

Heimlich th&nt si sich selbs drumb raufen. Kein firomer glerter darf hinzfi.

Ist einer ungeschickter dann ein kA, Es hat kein not, gibt er nur vil, 90 Man leicht im was er haben wil Und laßt den armen hinder der tür

Stil stan und nimer mer herfiir. Wirt enn ein predicatur beschert, So mAß er heinen ir gefert Und ligen auf Sophisterei

Von opfern anders auch darbei, Und wie die heiligen thfin groß zeichen,

Dardurch si gelt und git erreichen. Das hat den glauben ser vergift

30

100 Und aUoB das sei und leib antrifft. Noch eins het ich vergeBen schier,

Das wil ich heimlich sagen mir In still und in geheim alein: Es hörts iez niemant, als ich mein. 105 VU prediger seint iez in der welt^

Geben beßer landsknecht in das feit Dann prediger gottes kunst und wort Das si doch selbs nie haut gehört Si selten ander leut weisen und leren, 110 So sagent si von seltsamen meren. An der kanzel die leut auBrichten:

Darauf thfint si studieren und dichten. Machent zank und hader in der gmein: Es gefeit in nur ir ding alein. IIb Ein gftt spil habent si darmit

Daß man in darein darf reden nit Wie möcht nun baß gesein eim gauch

Dann so man im erlaubet auch Daß er ander zfi fantasten dürft machen! ISO Des würd er hinderm wein oft lachen. Ein prediger sol füren ein schlechtes leben.

Dem volk ein g&t exempel geben. Es seint aber iez etlich keiben

Die nichts dann gaukelwerk thunt treiben. 185 Ich darf es warlich nit laut sagen:

Wie die ros ziehent, also gat der wagen. Es geschehen große wanderzeichen:

Darmit th&t man die leut oft leichen. Laufent all lant tmd winkel auß, 130 Bauent all tag ein neu gotshaus, Laßent die alten fallen damider,

Tragent knobloch auß und zwifel herwider. Der Mumer hat solich narren erzelt, In seiner narrenbeschwerung gemelt. ^3^ Sebastian Brant ist auch im spil: Der hat anzeigt der narren yil Die niemant sunst ie het crkent

31 _

DaB sie auch narren weren genent. So si antragen seide wat, IM Man Bolt nit merken ir nerrbche that, Vermeinen si in irem sin:

Noch dennocht wirt man sein wol in. Schied nit yU daB einer ein narr wer. Wenn er nur im selbs behielt sein 1er 145 Und ließ sein predigen nnder wegen^ Thet sich seiner torheit alein pflegen, Tret nit daher als künt er wol,

Verfart nit mit im ein stat vol. Wie wol ich aach bin ein ordenman, 150 So hab ich mußen sagen darvon

Daß man solt predigen den rechten grünt.

Alles das geredt hat Christus munt Und predigen auch wie Paidus thet Der iederman filr Schwester und bruder het. is» Die leut hat er nit also gescholten, Seiner 1er hat niemant entgolten, Als iez bei unsem predigem geschieht.

Haniger ein fSasnaohtspil anrieht, Daß man vergeßen sol dameben i«o Wie er fürt so ein schentlich leben, Kan nichts dann große switracht machen

Und seines nechsten Unglück lachen. Hat er nit Juden teufel und hell, Weißt er nit was er predigen soll, les Darumb kompt oft die reu hernach Die geraten hat ein solcher gach. Fürwar es gehört keim prediger zu Daß er im volk mach solch unrA^ Sonder sol machen firid und san: 170 Das stat eim fromen prediger wol an. Aber diß seint die selben knaben

Von denen Christus selbs thftt sagen 'Si leren aber nit auß mir. flin beispil wil ich sagen dir 106 (Spricht Christus in seiner waren 1er):

32

Sie gant gleich wie die schaf daher Und seint doch reißend wölfe innen.'

Stellent nur nach zeitlichem gwinnen Und achten nit der Bcheflein heil, 180 Laufent mit andern am narren seil Und dörften selber baß der straf

Dann alle ire arme schaf. Noch ist ein seltsams mer vorhanden.

Ein große schatzxmg in allen landen. 18& £6 seint auch iez gar vil betler,

Machen kist käst und seckel 1er. Sie reiten im lant her und hin,

Erdenken manigen clAgen sin. Wider si darf keiner ichts sagen: 190 Furcht ieder in wurden die heiligen plagen. So wil ich dennocht nit gar schweigen,

Ich furcht mir nit am köpf der geigen. Von betlem so wil ich nit laßen

Die tag und nacht schlemmen und prassen. 19.5 Alm&sen ist ein g&te ihat,

Welcher es recht außgeben hat. Die beüer reiten hohe pfert daher:

Also kompt der heilig Antonier, Der selbig samlet vil der schwein, 200 Damach so kompt sant Bemhardcin Und sagent uns vil merlein dar,

Man kan si nit erfüllen gar. Denn kompt sant Valtin von Rufach:

Der selb sagt auch von seiner sach 205 Und samlet da der pfenning vil.

Sitzent zfim prass und zfi dem spil. Zu teutsch heißen sie stationierer.

Si seint ein teil groß verfurer: Gensbein för heiltumb forens um, 210 Bestreichen darmit die Völker frum, Oewinnent darmit hab imd g&t

Und ftirent ein herlichen mAt Darein sol man in gar nichts sprechen,

33

Solist werden es die heiligen rechen.' 115 Die heiligen seint im himelreich: Wölt got, wir weren in geleich! Sie haben solichs getriben nit.

Dann si hetten vil gewunnen mit. Aber wer got treulich röfet an tt9 Der heiligen verdienst zfi genießen lan, So darf er kein gelt darumb geben^

Er genenßt der lieben heiligen leben. Damach so kompt der barfußer, Der ist ein rechter erzbeüer, ^s Sagt von drei reglen sant Francisc: Das warlich alles erlogen ist. Sant Francisc was ein fromer man, Er knnt mit solchem nit umbgan: Aber sein nachkomen habens erdacht, S30 Zfi Rom die freiheit zfl wegen bracht. Das wil ich also laßen sein.

Nun trit unser frauen brfider herein: Wie im der nam sei geben worden, * Ich hör vom Carmeliten orden. tu Augustiner bleiben daheimen nit, Si siunlen und betlen auch mit. Prediger wer wol ein rechter orden

Dem betlen zA eim erb ist worden, Im und auch allen sein nachkomen, t4o Dann si seint die rechten und fromen. Man heißt sie meister der ketzerei.

Merkt y wie ich es auch mein darbei! NH daß si ketzer sollen sein, Also ist nit die meinung mein: t*s Sunder daß si ketzer kennen wol, Wie man si all verpreimen sol. Doch wie irs merkt, schlag ich in die «chanz.

Sie haben gemacht den rosenkranz, Darzfi den psalter hochgelobt: SS« Darmit si haben zAgeschopt

Dem firoroen gemeinen volk die oren

3

34

Und 81 gemacht zu großen toren. Der beüer sack wirt nimer vol:

Wie man in ftilt, so bleibt er hol. 855 Der geiz ist apt in iedem orden.

Des seint die lant der münch vol worden, Nit darumb daß si geistlich seien^

Nur daß si sich vor armfit freien, Darumb werden si closterleut. 200 Verzweiflen an dem der in die narung goit, Das ist die ursach daß si werden

Geistlich personen hie auf erden. Sölten si groß armfit erleiden,

Sie würden geistlich orden meiden. idh Wer wolt werden ein ordens man,

Der vil abbrach im selbs solt than. Sölt er auch schneiden hacken reuten,

So blib er bei den andern leuten Und wirket als sein eitern theten. 270 Lernet wie Christus junger beten! Gar wenig wort seient es zwar

Und seint uns gnfig, sag ich förwar. Ein ieder wil sich mit betlen neren.

Des künden wir uns vor in nit erwercn : 275 Doch laßen wir die armen Christen stan.

Wie uns got hat leren gethan <Was ir den armen th&nt in meim namen/

Meint er die armen blinden krumen laraen. Groß prelaten seint betler worden. 280 All heiligen im himel müßen in den orden, Christus, Maria müßen auch daran,

Sant Peter Rom fürt selb den fan. Laßent die kranken vor der kirchen sterben,

Die hausarmen auch gar verderben SA» Und helfent Rom zu irem geiz.

Secht aufl trifft man die geiß so leits. Hiemit wil ich es laßen sein

Von betlem allen in gemein Die uns das ganz jar also beschetzen

-35

290 Hit irem klaffen und geschwefzsen. Den wir nichts schuldig weren von recht. Der priester ist gots und unser knecht. Forwar sant Peter kein münch was Noch Pauls das außerwelet vaß. <»^ Christus hat si über uns gesezt; Si hant uns nit also geschezt Umb unser gät und unser gelt:

Si weren sunst nit heiligen gezelt. Wa man in geben wolt gelt und lant, »•»o Flühen si all hinweg zA hant. Ahn&sen sol man denen geben

Die gar nichts übemächtigs heben. Die pfarrer sölent haben rent Und nit der betler convent, 36S Die sacrament umb sunst auBteilen, Die armen Christen darmit heilen. Also hat Christus selbs gelert:

Man hats im aber iez verkert. £r sprach 4r habt nichts darumb geben 310 Zft besitzen das ewig leben« Auch sölt ir andern also thon:

So habt ir mit in ewigen Ion.' Zfi Rom hat man noch eins erdacht, Vil ablaß in teutsch lant gebracht, 315 Die leut darmit ser übemomen.

O we! wa seint iez die armen fromen Lerer der ersten christenlichen kirchen?

O we daß wir die hell nit fürchten! Das machen alles die ablaBbrief, SSO Daß etlich faren also tief Daß in nit mer geholfen wirt.

Zfi Rom da sizt der Christen hirt: Von Schafen ist er gewichen zu weit^

Hat schier verschom schaf woU und heut : 3ts Nun gat es inen an die bein.

Er laßt die schaf all stan alein Und achtet nit daß er hat knecht,

3*

30

ReiUent wöIf über menschlich geschlecht. Das gelt nimpt er parteisch ein, 330 Auß Schafen laßt er werden schwein. So man die warheit schweigen sol^ So ist die kirch iez schaben vol: Es schindt und schabt ein ieder dahin Alein daß er hab eignen gwin, 335 Hat gar kein acht sunst auf das sehaf, Ob es schon zfi der hell ablaf. Ablaß der sünd wirf ich nit zi. ruck,

Sonder ist im glauben ein michel stuck. Ich sag von Rom und seim ablaß 340 Und walfart ligen auf der straß. Kein ablaß mag man so groß begeren, Man findt^ ein glos kan si geweren Und sagent in vor bloße wort Von wunderzeichen hie und dort, 315 Das ist etwan kaum halben war.

Noch nimpt der bapst die gülden bar, Bestetiget sdles was si sagen.

O we ! wem sollen wir das klagen ? Was Christus ie verboten hat, 350 Das wirt umb gelt ein rechte that. 'Zeichen seint nit allweg gerecht,

Du verflfichts ebrecherisch geschlecht!' Also sagt Christus mimt zu dir.

'Ich thet dann zeichen, nit glaubtest mir.' 355 Zeichen gehören nit eim ieden zfi.

Daß er glaub das ein heiig zeichen thfi Mit einem sünder hie. auf erden:

Er mfiß vor durch gnad rechtvertig werden, Durch beicht b&ß reuw und alles das 360 So reinigen mag ein sündig vaß Und anders das gehört darzA.

Daß got mit eim ein zeichen thfi Und nit ein alt geschnitzeltes holz Oder ein gemaltes bild so stolz, 365 Daß es thu zeichen zfi einicher stunt,

37

So es hat weder geist noch munt: Das laß ich iez in r&wen stan.

Das einfeltig volk wil zeichen han: Des genießen die prelaten wol :^7o Und wirt ir seckel geltes vol.

Wie mocht man ein bequemere Schätzung machen

Dann mit solichen gaukelsachen !

Ich mfiß der abenteur selbs schier lachen. Der bapst ist daran schuldig zwar 97» Mit seinem gnadenreichen jar, Und kein concilium haben wil,

Laßt es hin schleifen in der still. So darf es sunst anregen kein man,

Er würd for ein ketzer griffen an. ^40 Solicher ndsbrauch ist on zal,

Hat überhant gewonnen überal. Ich hoff, Karl der durchleuchtig held

Werd es z& herzen nemenselb Und laßen berufen ein gmein concilium: M5 So findt man an der sach das recht trum. So wöl wir bitten got aller ding

Daß dem frumen fUrsten wol geling Und im got geb sein herz gerecht:

So werden vil krumer sachen schlecht.

VI. VON DEM JUBELJAR.

Ditt bKecIilein sagt gar offeabar

von Bwtfeltlgem Jabe^ar. Da« ein des harren Jesu Christ,

das ander des bapsts Jarmarkt ist. Welcher dlQ bttechlein recht besieht,

der lauft gen Rom umb ablaO nicht.

Rom wirt ein haubt der weit genant : daramb kein geist Ist da bekant

Wann nuor der bös und ffint der vrolt : daher Rom liebt für got das gelt. 1585.

Ein ieder christ ist des verpflichte

wann er sein brftder irren sieht; Daß er in weis und zeig im an

den rechten weg den er sol gan. 5 Nfin hab ich kurz bi nacht gedocht,

weil ich etwan nit schlafen mocht, Daß man das fünf und zwenzig jar

iezt zelen wurd. da dacht ich zwar, Das ist das jar da von man seit , 10 was großer gnad und heiligkeit ZA Rom gefunden werd mit schal :

welcher die kirchen suche all, Der werd ledig von Sünden gar,

und heißt man es das jubeljar. 15 Da fiel mir zd , wie wir bißher

39

verfurt sint mit der falschen 1er Daß wir des wegs gefeit han ganz,

biß daß uns got der gnaden glänz lez scheinen lat so kreftiglich. ::« da dacht ich mein zeit hinder sich, Was ich vom jubeljar hab ghört

damit wir lang zeit sint betört Durch den Entchrist den bapst z& Koni,

was er hat gmacht für ablaßkrom. 25 Die weil man aber noch vil findt

die des falschs nit berichtet sint, Die merken uf diß kurz gedieht,

so werden si gar wol bericht Wo si recht gnad und ablaß finden rv<» und bleiben dannocht bei im kinden. NAn hört ! der jubeljar sint zwei :

das ein hat gar ein groß geschrei Und hat doch wollen wie ein schwein ;

das ander dunkt mich beßer sein. S5 Das ein das hat der bapst erdicht,

der deutschen gelt darmit gericht: Das ander zeigt uns Jesus Christ

der aller gnad ein geber ist. Das ein ist falsch und eitel trug, 4o das ander warhaft und kein lug. Im jubeljar des bapsts man seit

daß durch die weite Christenheit Der ablaß werd ganz ufgehaben:

wer ablaß well^ gen Rom mfiß traben, 4o In Jesu Christi jubeljar

dem Sünder wirt verzigen gar, Er sei gleich wo er sei uf erden,

darf nit zfi Rom ein pilger werden. Im jubeljar des bapsts man fort ho duTchgangen ist die gülden port Daß man der sünd möcht ledig sein.

so spricht Christus ^wer nit gat ein Durch mich in stal , der ist ein dieb.'

40

der bapst on gelt hat nienian lieb: 55 So hat uns ChristuB umb sunst geben das i^ir verlangen ^ ewigs leben. Das jubeljar des bapsts fürwar

kumpt erst in fünf und zwenzig jar. Das jubeljar des herren Christ 60 all jar all tag all stunden ist: Zfi welcher zeit man gnad begert, so wirt man der von got gewert. Im jubeljar des bapsts man halt gar vil auf seine gnad und gwalt 65 Und wirt da Christus gar veracht der uns die gnad alein hat bracht. Im jubeljar des bapsts (nfin hört!)

wirt mancher uf der straß gemört: Im jubeljar Christi wirt geben 70 den toten daß sie ewig leben. Im jubeljar des bapsts man irt

und mangem ist die straß verwirt; Aber in Christi jubeljar

mag nieman irren umb ein har, 75 Wann er das leben ist und weg, die warheit und der rechte steg Durch den man kumt ins vaterlant.

im jubeljar des bapsts ze haut Zeigt man vil toten bein ze Bom: 80 da mit treiben sie iren krom. Im jubeljar Christi wirt zeigt

in des namen sich alzeit neigt Ein iedes knie im himelrieich, uf erden , hellen algeleich. 85 Im jubeljar des bapsts ist vast demutigkeit ein frembder gast, Aber hoflfart und bracht ist groß:

das treibt der bapst on underloß. Das geben im die teutschen narren, 90 die dort im wagen \ hie im karren SUits ziehen mußen ewiklich,

_41

so ferr sie nit lant wenden sich. Dar gegen Jesus Christus kam,

die gstalt eins knechts er an sich nani, »5 Hat nit da er sein haubt hin legt,

wart aber herlich uferwegt. Also wirt er was nidrig ist

erhöhen euch z& seiner frist. Im jubeljar des bapsts ist gar 100 liegen und triegen offenbar; Im jubeljar des herren Christ

ja ja f nein nein die rede ist. Ze Rom wirt mangem vil gestolen,

80 «er vermeint ablaß ze holen: 105 Im jubeljar Christi (ich sag)

kein dieb den schaz nit stelen mag. Im jubeljar des bapsts gemein

machen die pilger müde bein, Wann sie gen Rom umb ablaß loufen, 11« den sie umb gelt doch mußen koufen. Christus in seinem jubeljar

Gibts als imib sunst und spricht ^kumpt liar! Welcher glich mud von arbeit ist,

ich wil in Sterken z& der frist.' 115 Im jubeljar des bapsts ze haut

verlaßt manger sin vaterlant, Ouch weib und kint und zeucht gen Rom

und bringt ein brieflin für ein krom: Das sol die gstalt sein Jesu Christ, iio doch schwerzer dann der teufel ist. Damit hat Rom die weit betrogen.

ich gloub genzUch, es sei erlogen Was man von Fronica ußspreit,

die weil die gschrift darvan nüt seit. 125 An Christi jubeljar man gat

da man das recht vaterlant hat. Da wirt kein christ wider umbkeren

der hant anlegt an pfläg zfi eren, Wann Christus Jesus im nit leugt,

42.

130 noch in mit falscher gstalt betreugt. Im jubeljar des bapsts hie bei

wer eigen ist, der wirt nit frei, Wie bei den alten ist gewesen, als man Levitici mag lesen. 135 Auch ist kein geistlich freiheit da: wer die begert, sich anderswa, Wann das hat sich genzlich beftmdcn, wie hart man uns hat angebunden. Die speis, die e und die vastag, HO die iederman frei bruchen mag, Darzft die beicht und sacrament

hat man uns in ein gsatz gewent. Im jubeljar Christi wirt geben

die recht freiheit des geists (merkt eben) 145 Und nit des fleischs die mancher sftcht des sin nach got gar wenig rieht Im jubeljar des bapsts mfiß man Rom die tempel s&chen gan In allen gaßenJiin und her, 150 gleichsam ob got verloren wer Oder spilet der blindermaus

daß man in sfich von haus z& haus : Und uns die gschrift doch clarlich seit 'ir sint der tempel gots bereit 155 Und got wont in keim tempel nicht durch menschen hende ufgericht.' Im jubeljar des bapsts verAcht

das reich gots wirt zu Rom gesucht: Und Christus spricht mit Worten dar 100 <das reich gots ist in üch förwar.* Und wir wollen gen Rom drum loufen,

die gnaden gots um gelt erkoufen, Gleich wie Simon der Zauberer an Petrum thet der gleich begemV i<i5 Ze Rom großer heißer not

gar mancher ißt und trinkt den tot. Im jubeljar Christi (merkt eben !)

43

neußt man und trinkt das ewig leben. Das jubeljar des bapsts on gschrift 170 nfir dem geiz ist ufgestift: Das jnbeljar Christi on zal

mit gschrift bewart ist liberal. Daher in des bapsts jubeljar

der gnad gefalt wirt ganz und gar : 175 So Christas mit sim eignen blut

der gnaden gots uns werschaft thät. Was sol ich lang darvon vil sagen?

von Rom wirt kein gAt gwißen tragen. Danunb rat ich eim ieden christ, i^ die weil es nüt dann falscheit ist, Daß er sich hut vor diser fart

and bei sim haus der gnaden wart. Langent den ablaß den ir hant

von Jesu Christo üch benant: u5 Den armen speist und gebt im trank,

wirt er eilend oder ist er krank! Ist er nackend y in gfengnis gleit,

gant z& im , thftnt im dienstbarkeit! O got y so wir das grifen an, 190 ließ got uns nimmer leit zfi stan: Er würd uns geben durch sein namen

recht ewig gnad. das gschech uns ! amen.

vn.

EIN TE DEUM LAUDAMUS VON BAPST PAULO DEM DRITTEN

VERDEUTSCHT

DURCH BÄPSTLICHER HEILIGKKIT

GUTEN FREUND

ERASMUM ALBERUM.

Pasquillus Dein heiligkeit verfluchet ist,

MarsoriuB Du mensch der stind und Widerchrist.

Pasquillus Dem satan deim heubt hengstu an

Marsorius Der nichts denn liegn und würgen kan.

Pasquillus 5 All dein Schmeichler imd hofgesind

Marsorius Der Christenheit ergst verreter sind.

Pasquillus Die ganze rott der bschomen schar

Marsorius Rumen von dir mit großem schal

Pasquillus *Du allerheiligster !

Marsorius 10 O allerheiligster!

46

Pasquillus Vil heiiger bist denn der gecreuzigt Christ.'

MarsoriuB Doch sagen wir daß himl und erd

Pasquillus Vom gstank deins greuls betrübet werd.

Marsorius Von dir helt nur der heuehler schar : Pasquillus IS Was die sagen das ist nicht war. Marsorius Buben und knabnschender on zai

Pasquillus Mit einem mund dich loben all.

Marsorius Dagegn die ganz Christenheit werd

Pasquillus Helt dich jf&m ergst böswicht auf erd, Marsorius to Denn eitel lugen ist dein 1er Pasquillus Die von dem teufel komet her.

Marsorius Dein son im hurenbett gebom

Pasquillus Ist ein Sodomit wie du verlorn.

Marsorius Solch greulich sünd treibt ir vil i^ Pasquillus »5 Denn daß ir zulaßt priestere. Marsorius Du lestermaul und teufeis kind

Pasquillus Mit alle deinem hofgesind, Marsorius Du hast einr nonn leib nicht verschmecht

Pasquillus Zu meren das verdampt geschlecht.

46

Marsorius 30 Das himelreich zugschloßen hast,

Pasquillus Beschwert die leut mit ewiger last.

Marsorius Derhalbn bistu, gröster böswicht,

Pasquillus Zur ewign verdamnis hingericht.

Marsorius Hilf nu deim volk und mach sie reich !

Pasquillus 35 Cain dehn vater bistu gleich.

Marsorius Mit dir in der hell han sie teil.

Pasquillus Dein ablaß wird nu nimer feil.

Marsorius Dein rott lert , daß die ablaßkist

Pasquillus Die sünd vergeh gwisser denn Christ.

Marsorius 40 Deins götzndiensts und abgötterei

Pasquillus Sind wir , got lob ! nu forthin frei.

Marsorius Teglich , bapstesel , wir fluchn dir

Pasquillus Und Christus namen preisen wir.

Marsorius Weil der auf unser Seiten steht,

Pasquillus 45 Das bapstumb gwis zu trümmem geht.

Marsorius Got wolt ja gnedig dafür sein

Pasquillus Daß uns nicht eff der heuchler schein.

Marsorius Der liebe got wol uns erhörn

47_

Pasquillus Und das verflucht bapstomb zcrstörn. Marsorius so Oot zeig uns sein barmherzigkeit. Pasquillus £>er bapst ligt , das ist uns nicht leit.

Marsorius Die auls bapsts gnad und lere trauen

Pasquillus Werden gottes reich nimer schauen Amen.

Versiculus Danket got daß der mensch der sünden ofFcnbarct ist! Wir danken got durch unsem herm Jesum Christ.

VIII.

EIN QETICHTE

DARIN ANGEZEIGT WIRD

WIE FROM HERZOG HEINRICH VON BRAUNSCHWEIG

UND WIE BÖSE DIE LUTHERISCHEN SEIN.

HERZOG HEINRICH VON BRAUNSCHWKIG

Neue mttnsc schlag ich, Die kMten vol hab ich,

AU elgcnwillisch wider mich, Henog Heinrich bleib ich.

CONTRARIITM

Neue tflcke braaeh ich, NichU erlichs handel ich,

Drnmb all evangelisch wider mich, Ein tchelm und bttswicht bleib ich.

Cunz Braun ist der frome man

Der wider er und eid thun kan. Ein gesprech hat er drücken laßen

On titel und namen der maßen, Daß er die weit damit wil blenden

Und frome leut on schult sehenden, Wie auch fleißig haben gethan

Im kamergericht sein compan, Daß sie habn gethan in die acht

49

to Anß lauter mutwil wol bedacht Zu Goslar die erliehen leut

Die noch unschuldig sind heut Und nie wider das reich haben gethan Und auch izt in gehorsam stan. IS Das hat herzog Heinrieh gemacht Der allezeit nach unfrid tracht. Er wolt gern die stat verderben Und brengen unter sein erben. Er wolt sich an inen rechen. ^0 Ir lantwer thet er einbrechen, Mit feur er sie verbrent gar

Und erstach ir bürger vorwar. Dnunb han sie mit gutem gwißen In kriegs nöten eingerißen tb Ein kloster vor ir stat gelegen,

Dafür sie sich nicht künden regen. Er war mit sein reutem schon bereit, (Wie man das weiß guten bescheit) Er wolt sich izt darein legen so Und daratiß die stat befehden. Das stunt Goslar nicht zu leiden. Derhalben solchs zu vermeiden Theten sies kloster auß seim gsicht, Wie denn von steten oft geschieht s5 Und im gleichm fal on hinderlist Jdermann mit recht erleubt ist. Noch müßen sie sein in der acht Für der weit mit großer pracht, Alein daß Heinz der bösewicht 40 Sein lügn hat bracht fiir ir gericht. Wer hat größer imrecht ie gehört Und die weit ie so hoch betört? Laße dirs doch erbermlich sein, O goty lieber herre mein! 4s Gedenke doch, herr got, daran.

Wie böslich und unrecht hat gethan Das keiserlich kamergericht

4

50

Daß es sein eid und pflichte bricht^ Dazu er und tugent vergißt 50 Auß lauter bosheit und arglist^ Daß sie den von Goslar helfen nicht

Wider Heinz den erzbösewicht, Der solche verreterliche that Wider die arme stat gethan hat 65 Des gleichen nie gehöret ist

So lang die weit gestanden ist, Die im auch mit freflicher that

Gefangen imd ermordet hat. Ins keisers gleit sie griffen an, Go Da sie soltn billich sicher stan. Und als sie in sein hend sint komen,

Hat er in mit gewalt genomen Ir hab und das keiserlich gleit Das zu irem schütz war bereit G5 An zweifei und zu großer ere

Der keiserlichen macht und höhe, Davon er mit werten so vil helt

Daß er im selbst niemant gleich zeit. Solcher bubenstücke vil mer 70 Wider got recht und alle er Hat der leichtfertig verlogn man Andern leuten wol mer gethan, Wie sein böse gerüchte laut. Auch von der begrabene braut 75 (Die heut zu tag noch leben sal Und sich emert in seinem stall) Der Goslar citation melt

Und der ganzen weit furhelt, Auch sein verreterliche that 80 Die er am pfafih begangen hat, Den er vest hat eingeschloßen

Und mit blei das schloß begoßen, Da er hat müßen verterben, Des hungers jemerlich sterben. 85 Solchs gerücht muß er behalten

51

Und bei aller weit laßn walten Biß er klerlich purgiere sich

Fht gerieht: solches helt den stioh. £r muß schweren den eid gar rein '^ Selb sibn die im ebnbürtig sein. Wo das nicht bald aufm fuß geschieht,

So muß er bleibn ein bösewicht. Das wirt im nicht abwaschn der Rein,

Vil weniger das pochen sein, »s Es ist der feign und verzagtn art

Daß sie scharren und pochen hart, Da doch gar nichtes hinder ist

Denn daß sie zu haus auf irm mist Wie die verzagten hunde beUen IM Die an helsen tragen schellen. Wider disen untreuen man

Qoslar kein recht erlangen kan Aufl keiner andern Sachen nit

Denn daß si sint lutherisch mit: ifts Denn die lutherischen knaben

Mußen alzeit unrecht haben. Wenn sie auch gleich gehorsam sein

Gh>t dem herm und irm keiser fein. Alle zeit müßen haben recht 11» Bapst mönch pfaffen und ire kneoht, Wenn sie gleich wider got leben,

Auch Widers keisers gsetz streben, So ists in alles vergeben,

Wenn sie nur den bapst erheben, n:> Wider den Luther heftig reden,

Über got und sein wort schweben. Und das ist kein wunder nicht

Daß solchs zu diser zeit geschieht, Dweil ins keisers kamergeiicht »» (Wie alle weit ist wol bericht) Eitel pfaffen knechte sitzen

Die wider uns etsts erhitzen Konig und fursten hocfagebom.

52

Den fromen keiser außerkom Hb Zu zom und grim bewegen

Daß er sich wider uns sol legen, (Wie Ciinz Brauns gesprech anzeigt

Und mit großem vleiß anregt) Zu vergießen unschuldig blut, ISO Daß wir komen umb leib und gut. So hau sie sich im gesprech erzeigt.

Wie sie zum Md sein geneigt Got, laß dichs ewig erbarmen! Hilf uns elenden und armen I 135 Laß widerfaren kein leit Deiner götlichen warheit! Erhalt und schütz in diser not

Dein götlich und heiliges wort! Du wolst tilgen und außrotten 140 Alles was menschen han geboten, All lügen ketzrei und irrtumb In einem itslichen bistumb! Auß mutwil woln sie uns zwingen Und mit gewalt dahin dringen i4fi Daß wir der jüden äffen

Die opfer und messpfaffen Wider einsetzen sollen

Und sie widerumb laßen brüllen In unser kirchen uberal IM Des bapst messen mit großem schal Und im sonst gehorsam leisten

In seinen gsetzen am meisten. Das können und woln wir nicht thun, Wenn man uns gleich geh ein caphuu 1&5 Das feister und herlicher wer

Denn der ganzen weit macht und er. Christo wollen wir gehorsam sein, Sein wort und befel halten rein: Da wollen wir fest bei bleiben, uo Wenn sie uns gleich selten aufreiben. Es dürft vorwar nicht vil tobens,

5n

Denn all artikel des glaubens Oleuben predigen und bekennen wir:

Das bezeugen wir, got, für dir. I«» Sollen wir denn dammb sterben

Und an leib und gut verterben, So ^esche dein götlicher will

Heimlich verborgen in der still, Wie dein gewonheit alzeit ist: 170 I>aztt du ein rechter meister bist Das uroln wir dir befolen han:

Du bist der herr ders wol machen han.

IX.

EIN LUSTIG GESPRÄCH

DER TEUFEL UND ETLICHER KRIEGSLEUTE

VON DER FLUCHT DES GROSZEN SCHARRHANSEN

HERZOGEN HEINRICHS VON BRAUNSCHWEIG

anno MDXLIl.

Lucipers des hellischen erzteufels rede zu seinen bellgenoßen Ei lieben heim, ich hör jemerlich klagen

Und erschreckliche neue zeitunge sagen, Daß herzog Heinrich von Braunschweig der jünger mein

Sol von seinem laut entronnen und verjagt sein. Wie hats denn versehen der küne helt?

Ich meint, er solt haben den beren gefeit Der so grausamlich bremmet in der weit

So hilft weder practicieren verreterei noch gelt, Der lutherische häufe nimpt über haut,

Das evangelium breitet sich in alle lant. Jderman wil dem selbigen anhangen,

Manch mensch tregt darnach groß verlangen: Die setzen alle wider unser hellische list

Mit irem herm und könig dem gecreuzigten Christ. Der hat uns einmal ins maul gegriffen.

Für seiner gewalt uns noch die äugen triefen. Unser reich wil schier gar untergehen,

55

Es wil weder bapst noch Bein gescfawürm bestehen. Wir haben all mit vleiß zusammen gethan, to In der weit alles Unglück zu richten an:

Eis wil aber gar nicht nach unserm willen gau. Was wir mit unsem anschlegen thun tichten und trachten Das begint die christliche verstentnis gar zu verachten Lagt uns im weg an allem ort i2 Daß imsere Sachen nirgent gehen fort. Das TerdreuBt ims ser on alle maßen: Doch können wir unsem jungem von Braunschweig

nicht trostlos laßen. Darumby Pluto und Belial, ihr getreuen freimd, (Wir wißen nicht beßer botschaft die man zu im send ^u Denn euch) nu schnell auf die fart! Tractiert in erlich nach seiner art! Saget im unser huld und hellischen grüß!

Belial, kanstu nu vil liegen und triegen, lieber^ thues ! Und bringet im von uns diso mere, rv-. Daß uns sein ungefel gehet zu herzen sere. Wollen uns auch sein mit ernst nemen an. Alle unser hellische macht setzen daran. Wir haben noch vil getreuer reicher genoßeji, Wollen all unser gift zusamen stoßen i<* Mit verreterei practicieren und vinanzen :

Können im noch wol hülf und rat zuschanzen. Er Tcrlaß sich nur darauf und backe nicht. Vertrauet er uns, so wirts wol außgericht. Wir haben wol eher einem also gethan, 4 * Können unsem jungem auch in hindern Spiegel sehen lan, Da6 im geholfen wiri in unser hellen reich:

Dahin gehört er und sein gleich Und sint alle unser wilkomen gest Sehet, helft ime darzu treulich und thut das beKt!

Pluto und Belial antworten ^' Großmecbtiger fürst des hellischen grünt,

Zu diser botschaft sint wir der rechte außbunt. Daß man auch dison löblichen man,

56

Der alle wege hat nach eurm willen gethan, Trostlos solt laßen und im helfen nicht, 55 Da er doch alle sachen nach teuflischer bosheit außgerich t, Das were die gröste Undankbarkeit

Und seiner vil großen potentaten leit: Denn diser man hat ein gut gehör Bei euer majestet vicario dem bapst und ander mer, (*>o Cardinalen bischoven und großen pfaffen^ Bei den selbigen unsem teufeis äffen. Dazu bei großen königen fürsten und weltherrn,

Die alle zu euerm reich gehöm. Folgen im gerne und gaffen auf in, *(5 Auf im stehet al ir trost und sin:

Denn er kan das glöcklein nach irem klang gießen* Sie haben in auch weidlich mit der silbern büchsen

mußen schießen. £i lieber eins umbs ander, keins umb sust, Es hat sein stal gar wol da mit gebust. 70 Er meinet, hets im ser gut gemacht.

Pochte heftig auf die vermeint kammergerichtacht. Die zwo erlich stet Braunschweig und Goslar

Selten für im stehen große gefar. Die wolt er der maßen treiben und zwingen, 75 Daß sie im müsten seins gefallens ein liedlin singen. Es würde im niemant dürfen weren,

Er wolt sich auch an ir mit verwanten nicht keren: Denn sein anschleg und praktik wer also verwart, Wolt sich wol zu rechter zeit machen auf die fai^t Ro Und den vortanz aller erst haben angefangen.

Wenn er alle euer hellische reichgenoßen het an siel)

gehangen. Also wolt ers greifen weislich an.

Ich het selbs nicht gemeint daß im die schanz solt

gefeiet han. Er hoffet, es solt sein praktik erst bestehen. ^5 Wer kans aber alles zu bolzlin drehen? Es habens ander leut am lernen verstau Daß die vorsitzer im flößen ein vorteil han

Und daB aufsehen sei im spil das best.

Ist niclit gut daß man einem zu vil vorteil leßt. 9o Danunb hat sich die verstentnis kurz besimnen,

Sint dem firomen man zu frü auf die kerwei kiunen^ Haben im also ein rang abgelaufen.

Furcht warlichy sie werden im ein kappen kaufen. Man hat sie so tief laßen einreißen, 1*3 Es wil kunst sein^sol man sie nu außbeißen.

Wir wollen uns aber in eile zu unserm herzog machen.

Man muß mit ernst thun zu disen Sachen. Wir wollen kein vleiß noch müe sparen, Wollen mit im in der weit umbher faren, KM Hilf und rat suchen bei den die wir wol kennen: Ist on not daß wir sie alle nennen. Man muß nicht offenbaren alle sachen.

Wenn man wil heimliche praktiken machen, Denn wir habens zwar bereit dahin bracht fi Daß unser sonst nirgent wirt wol gedacht. Aber großmechtiger Fürst und herr mein,

Ir müßet selber mit meister sein IGt eingeben zuschüren und aufblasen.

Daß wir die leut mögen füren bei der nasen II« Und daß unter einem erbam heiligen schein Die grösten erzbubenstück verborgen sein. Sich etlich stellen als fechte sie es nicht an,

Sprechen *ach wie erleb ich die zeit, ich arm alter man', Thun doch alle practiken helfen machen, 113 Kernen sich denn gar nichts an der Sachen, Laßen einen andern das redlein treiben.

Dürfen dennoch guts glucks, sols verschwigen bleiben. Darumb gebt uns mit der teufel genug

Daß wir haben die wir mögen schicken wider zu ruck i;« Und entbieten euch alle Sachen.

Nu wir wollen uns auf die fart machen.

Ein ander klein teuflin. Gluck zu! sagt Hewenstreit.

Nu laßt sehen, wer den andern geheit!

58

Pluto Belial, die abgefertigte botschaft und ire zugegebene rotte sint nu auf.

Pluto Wo wollen wir hinauß? wo treffen wir denn an 125 Herzog Heinrich den guten erlichen man? Ich acht; wir ziehen zum nehesten hinauß

Nach Wolfenbüttel zu seinem ser festen haus. Auf dem wege wollen wir wol erfaren neu Zeiten. Können darnach zu im die post reiten. 130 Sehet zu! dort kompt ein landsknecht her. Der wirt uns sagen neue mer Wie es umb des herzogen Sachen stehet Und wie es in seinem lande zugehet

Der landsknecht wider sich selber Poz Veiten! was kömpt dort für ein schwarzes her, 135 Obs wol der freidige herzog von Braunschweig wer! Es ist ein seltsame gesante hab:

Ich mein daß der teufel mit seiner muter her drab. Sie dringen daher: ich muß stil stan. Ich sehe, sie wollen mich sprechen an.

Beizebub der reuter marschalk 140 Wazm her, kriegsmann, wann her?

Was sagestu vom kriege für gute mer? Ist Wolfenbeutel hart bedrengt?

Haben sie schier die rüben umbher versengt? Ich mein, sie sollen anlaufen 115 Und sich noch wol ein weil darumb raufen.

Kriegsman

Potz macht! ich bin von Wolfenbeutel kaum entrannen.

Sic schießen hinein wie sant Veltens wunnen. Wir meinten, der böse herzog solt uns haben rettun«^

gethan.

Er bleibt auß. daß in muß sant Küris rauch be^^Uin!

59

Ich mein, man hat im sein wolfesnest zugericht, Wer es noch eina so fest, so hilfts alles nicht. £a hat sich warlich der herzog wol bedacht

Daß er sich hat von dannen gemacht. Het er noch so ein kirnen mut, 1^ So weiß er daß weit davon ist für den schuß gut.

Marschalk Höre weiter, lieber kriegsman mein! Sagt man nicht, wo sol der herzog sein ?

Kriegsman Ich weiß es sälver, poz Veiten! nicht. Der povel yon im seltsame rede ticht i«o Man wil sagen, er sei zu frau Marien gen Burgund ge- zogen. Man weiß nicht wo er hin ist gestoben oder geflogen. £r hat uns recht in der suppen laßen stan.

Ich diene im nicht mer^ solt ich umb brot gan. Es mag im der teufel helfen! Zu Wolfenbentel zeuget er schwerlich mer junge

Gwelfen.

Marschalk ob du an im verzagest, lieber man,

Man wirt im dennoch wol helfen und beistan. Hau imer hin, lieber gesell!

Ich sehe, du scheuest dich auch fiu* der hell. 170 Der laur hat uns lang gehalten auf:

Wir müßen flugs wider stechen drauf, Wollen rucken den berg hinan.

Sihe dort sehen wir ein heuflein reiten oder gan.

Ein gemein teufelchin Herr Marschalk, die dort von femis ziehen her, 17& Das sint zehen oder zwelf reuter.

Ich sehe daß sie gleich her auf uns draben : Da wollen wir aber weiter fragen.

Marschalk Schort, euer vier rucken balt hinauß zu in!

Sagt in aber nicht^ wer wir sein oder wo ich bin! 180 Nemet von inen bescheit und saget wir sint freund!

Daß wir ungern wolten frid machen, darzu sint wir

gesent. Sagt in, wir wollen sie gütlich sprechen an. Sie sollen kein scheu für unserm häufen han.

Herr Hans ungenant ritter zu seinen knechten Ir gesellen, dort ziehen vil reuter im grünt, ibö Qehören sie nicht zu unserm frides bunt. So werden sie uns weidelich sprechen an Und ein reuterspil mit uns wollen han.

Reuter Hensel Herr, sehet dort! sie schicken von sich. Deuchts euch gut, so wollen Wolf Strauch und ich 190 Auch zu inen reiten und guten bescheit geben, Gefeit es uns andern und ist uns eben.

Herr Hans ungenant ritter Ja rucket hinzu, ir lieben knecht.

Und haltet euch in der sachen nach reutors recht!

Reuter Hensel Hau drauf, gesell, nimm meiner war! 105 Ich weiß wol, das du thust, das ich thun thar.

Wolf Strauch Thu gemach! sie eilen auch ser her. Sihe, es sint fürwar seltsame reuter.

Schort der teufel vomemster vordraber Wer sint die reuter ? wo denkt ir hinauß ?

61

Beuter Hensel Ki lieber stalbruder y wo gehört ir zu haus '?

Schort s«o Unsere herm und reuter das sint iegaten Und eins großmechtigen herm amasaten. Sie haben uns yorauß zu euch gesant,

Zu fragen ob ir kernet auß dem Brunsehwiger laut Und wie da selbs stehen die Sachen, t«s Denn sie wollen ungern fride machen.

Wolf Strauch O lieben gesellen , die motten ist schon gesongen^

Wolfbeutel und das ganze laut ist schon gewonnen. Ir hett ehe müßen thun zu den sachen. Wenn man hett wollen fride machen. 210 Wolfenbeutel hat gehalten ein strauß:

Die gest sint drin y der wirt ist herauß. Das wolt ir eturen herren sagen.

Der von Braunschweig hett die leut nicht so solt plagen. Auf anderer herm schaden nicht haben practiciert, S15 Auch so vil leut auf sich gefurt

Und gedreuet haben den backenstreiche ;

Oedacht, sihe daß num dir nicht widemmb einreiche: So were er bei laut und leute bliben. Es het in auch niemant so halt vertriben. tf Da er aber so yil reitens hat wollen haben,

Hat man im das röslein dazu müßen beschlagen,

Schort

Nn unsere herm komen heran:

Sie werden ein ander selbs sprechen an.

Pluto

Lieber herr oder was ir seit, n& Habt nicht verdrieß daß ich zu euch reit! Ich wolt euch anreden in freuntschaft * Und bitten gute kuntschaft.

62

Reitet ir auß dem lager her? Bit , saget mir doch on alles gefer, 230 Wie es alda zugehet

Und wie es umbs lant zu Brunschwig stehet, Wo doch der herzog Heinrich mag sein,

Denn wir denken auch zu im hinein. Welten uns schlagen in die Sachen, 235 Ob wir künden ein löcherigen friden machen.

Herr Hans ungenant ritter Herr , ir wolt mir nicht für übel han

Daß ich euem rechten titel nicht geben kan, Denn furwar, herr, ich kenn euer nicht. Ich wil euch aber sagen on alles geticht: 240 Das lant zu BrUnschwig mit alle festen ist gewonnen, Der herzog ist davon entronnen, Er hat schendlich verlaßen sein lant und leut:

Wil gern sehen wo er sich erhole einer solchen beut. Er hat sich von seinem weißen röslein selber gehörzt. 245 Got hat sein ubermut imd hoffart zu bodem gestörzt. Daß er nu ist ein herzog on lant,

Sein tyrannei und tück iderman gemacht bekant. Gottes heilwertiges wort hette er gern auß der weit getriben, Auß hofertigem stolz sich an iderman geriben, 250 Notfeur gesucht an allen orten,

Umb sich geschmeißt mit weibischen schmeeworten. Hat den erlichen rautenkranz hart gegrifen an,

Gemeint , wer im niemant zu gut dem künen man : Hat aber nicht türren erwarten der roten schwort, 255 Furcht man möcht im gestrigelt han sein weißes pfert. Der Stern hat im auch so ser in die äugen geschinen.

Hat gedacht <wol auf ! nur weit von hinnen ! Hie helfen weder wolfes löcher noch steinbrucken. Ich hab zu hoch gefaren , ich muß mich nu tucken.' 2C0 Ei ja , lieber herr , so gehet es den die got verachten, Andern leuten nach im eren und gelimpf trachten. Wollen nirgent an und oben rauß: Ehe man sich umbsihet , so ists mit inen auß :

G3

Es helfen weder starke Heuser noch festen. '<3 AOes dinges ein maß , das ist am besten. Menschlichier trotz muß untergan:

Alein gotes wort bleibt ewig bestan. Denn wenn von anbegin diser armen weit wesen Alle historien und geschieht worden durchauß gelesen , t:) So findt man ^ was sich hat wider got gesetzt.

Das hat dennoch alles müßen untergehen zuletzt. Widerumb wer auf got hofft und dem vertrauet,

Der hat im ein starke festen gebauet, £r wirt auch verlaßen nimer mer: :t:^ Got hat in schütz sein leib sei gut und er. Das solt der stolze herzog auch haben bedacht. So het er sein sach gar vil beßer gemacht.

Pluto antwort zomiglich £i mein lieber guter freund und berr, Ir gebt ein ser guten prediger. :">•» Memt ir , der herzog sei nu ganz und gar verlaßen? Nein es stehen cUe Sachen der maßen, Der bapst cardinal bischof und der teufel in der hellen

äint all in disen Sachen sein mitgesellen. So ist al sein thun imd leben auf unrue gericht, 2^ Dammb er vil wunderlicher und seltsamer anschlege

erticht : Hat sich nacht und tag damit getragen.

Er meint aber nicht sich selbs zu verjagen. Aber daß imer iemant darin solt erm. So schlehet untreu iren eigen herm. öo Er wirt dennoch genzlich nicht ablan, Wirt sehen und richten ein neues an. So lauem izxmt auch sonst sein bunds verwanten,

Denn daß man in so überraschet hat , sant Anten ! Het gemeint , ea solt aber uberredens gelten ^'' Und man würde noch lenger schreiben und sich mit

im schelten. So wandelt man die feder in büchsen und lange spielt, Fragt nichts darnach , wem das verdrieß,

l>4

Ob papisten tcufel und all sein bundsherren Heftig darumb toben Avüten und zörnen. 300 Aber man wirts nicht unter wegen laßen:

Können wol wider ein stein zusamcn blasen Der die evangelische verstentnis stoß für die stirii

Und selten wir auch den Türken zu hilfe fttrn. Und ich selber wil einer sein, S05 Mein samen auch weidlich mengen drein.

Herr Hans imgenant ritter Es ist ein geschieft man , muß fort wogen :

Der es in seiner hant hat, sitzt im himel droben: Den müßen die teufelwtirm auch drümb fragen.

Wir wollen für dem geschmeiß nicht so hart zagen. 310 Der got der lebet und alles erhelt,

Hat den selbigen teufelsköpfen alle bereit ein urteil gefeit Die wider got sein heiliges wort und alle erbarkeit stre- ben wollen, Daß sie gehören in den abgrunt der hellen. Denn das wüste auch herzog Heinrich der fromc man 315 Daß im der seine bosheit steuren kan.

Darumb da herzog Georg von Sachsen verscliideii was,

Auß großem mitleiden und betrübnis sprach er das *Nu wolt ich daß got im himel wer gestorben!* Ei lieber ja , so weren seiner erlichen anschlege nicht

so vil verdorben, 320 Sint sie im aber all zurück sint gangen

Und alles was er mit seiner teufeis rotten hat angefangen Ist zuschmulzen wie der sehne,

So thut es nu dem firomen herm we Daß er gar damider gestürzet ist. 325 Da für loben wir den herm Jesum Christ:

Der wirt sein wort und die dem anhangen wol erhalten.

Den selbigen starken got wollen wii-s laßen walten. Ziehet hin , lieber herr oder was ir seit! Ich wil auch sehen wo ich hin reit.

Pluto ist zornig ^ Reit hin in meinem namen wer du bist!

Was Bchmetterstu von deinem Jesu Christ? Ir lutherische müßt uns noch har lan. Und sölt euch alles Unglück bestan.

Herr Hans wirft sein hengst rumb Behalt dirs , lieber gesel ! ich reit davon.

Reuter Hensel 53.-. War für halt ir , gestrenger herr , dise reuterei ?

Ich mein daß er der wütige teufel auß der hellen sei. Ich kan mich in ire rüstung gar nicht schicken.

Sie haben sich wunderlich müßen zusamen flicken. Je lenger ich sie hab gesehen an, Je mer kam mich ein grausen an, Auch was ganz wunderlich ir herr.

Da ir von gotes gewalt redet y wart er gar irr, Kunde euch gar nicht zuhören mer, Es roch im säur in die nase die evangelische ler. 2«^ Er wirt freilich zum herzogen von Braunscliweig draben : Der muß nu solche tröster haben, Die helfen aufwickeln und redlin treiben,

Denn es wil kein redlich man sonst bei im bleiben. Man hat in lernen kennen zu wol: ^4 Seins guten gerüchts ist die ganze weit vol.

Herr Hans Ich wüst auch nicht wie ich mit im dran was.

Bei meinen eren rede ich das. Ich were lieber gewesen weit davon. Denn daß ich im solt lange reden außston. ^ Sie mügen imer hin weit von uns draben,

Die drüs und beul mit dem herzogen haben!

m

Pluto redet da Bie von ander koinen Diser ritter ist filrwar ein trotziger man,

Daß er so tapfer von Sachen reden kan. Dies thiin wil ich noch weiter strecken 3ßo Und unsers herzogen anschifter ser erschrecken. Wenn sie es wollen angreifen mit solcher tapferkeit.

So wirt manchem sein practicieren noch werden leit. Wer hets können glauben noch außsinnen Daß man die große festen so halt solt gewinnen? 30r> Hat man den reien so risch getanzet auß,

So verlaß sich nur keiner auf sein festes haus. Belial und ir andern gesellen,

Wir müßen schließen was wir thun wollen. Weil wir des herzogen wesen nicht können erfaren, 370 So wollen wir unsere müe und vergebens reisen auch

sparen. Zu disen Sachen gehöret aller papisten und teufel list und

kunst. Ich fiirchty was wir izt fÜmemen, das ist umb sunst. Wir müßen bedechtig und ernste ratschleg darüber han. Ich acht, wir reisen zu rück und zeigens unserm herm

Luciper an 375 Und berichten im alle Sachen:

Der wirts wol wißen, wie ers wil weiter machen Daß er bleib in der hellischen pein

Und helfe allen unsem unruigen papisten auch hinein.

Das klein teufelchin wirft sich rumb Wend dich, röslin ! wir haben ein vergebene reise gethan. 380 Ich furcht, es werden uns noch wol mer anschlege zu

liicke gan.

Beschluß des dialogi iiot hat aber eins beweiset seine macht

Und den papisten ein denkzedel bracht. Darinnen sie mügen lesen und sehen

67

Daß ir practik und anschlege gar nicht woHen bestehen : »^ Denn wie hoch sie scharren trotzen und pochen, So wirt dennoch in die schanz gebrochen. Wenn sie haben zum höchsten auf irs anhanges macht

vertrauet, Der groBe festen auß dreck und stein gebauet, Und wollen pochen die ganze weit, s:^ So hat sie got gai* balt herunter gefeit Und müßens laßen nach seinem li^öllen gan:

Denn sein wort bleibt furhin ewig stan. Es sint sonst so gar vergenglich alle ding Die auf diser armen elenden weit sint. in Wir werden auch nicht ewig leben,

Hüßen zu letzt ein schwere rechenschaft geben Daß wir also gotlos leben wüten und toben:

Es wirt alles zu letzt ein ende haben. Und wer hie nach gotes willen nicht hat gethan, 4"« Wirt dort ewig den spot ziun schaden han.

Der liebe got wol seins worts Verfolger auch bekcren

Und iren bösen giftigen anschlegen ftirder weren. Daß sie mügen zu erkentnis der warheit komen, Ire grausame sünden durch gotes barmherzigkeit werden

entnomen Daß sie auch bracht werden zu der Seligkeit: Dazu helf uns allen got in ewigkeit! Amen.

X.

BEKENTNIS UND OLAG

HERZOG HEINRICHS VON BRAUNSCHWEIQ

DES lÜNGERN.

Injuste efrl «t Iniqnltati^in foci.

DEM LESER

Es kan sich ein ieder erinnern wol

Daß man einen vogel bei den federn kennen roI.

Was ich nun für ein man geacht,

Das hab ich in dise schrift gemacht,

Und hab es danunb gethan,

Damit man es solt wi^en han,

Wie ich gehandelt bei meinem leben,

Was ich gethan und getriben eben.

Dises sol anch mein epitaphiam sein

Daranf ich znbring das leben mein.

Vor Zeiten war darnach ein groß gedrang

Daß ein ieder nach lob und ere rang,

Damach thet man sich bewerben

Solches alles mit vleiß zu ererben.

Aber des selben hab ich mich nicht beflißen,

Darfs wol sagen bei meinem gewißen.

Sondern neue tück hab ich gebraucht vil.

Armer leut gemachet one zil

Mit meinem öffentlichen mortbrant,

Der ist in ganzer weit bekant.

69^

«

Dammb die christliche vorstentnus wider mich :

Von inen bin vorjaget worden ich,

(Das hab ich immer und ewig schand)

Muß meiden mein leut und lant 15 Aber darnach ich selbe hab gerungen,

Also ist es mir auch gelungen.

Und damit man mich mag kennen,

So wil ich meinen namen nennen:

Heinrich herzog von Braunschweig genant »» Der jünger, in aller weit wol bekant,

Ein oberheubtman meiner genoßen:

Von denselben haben sie mich vorstoßen.

In bösen sachen hab ich das best gethon

Und zulezt bekomen den Ion Nach dem gemeinen Sprichwort recht

Wie der henker lonet seinem knecht.

Dann als ich gedienet dem Lucifero,

So wirt mir gelonet wie dem Pharao

Der die kinder von Israel vortreiben wolt so All evangelisch ich auch vortilgen solt

Iklit meiner mortbrenner schar,

Vil gelt darzu gegeben war:

Hab ser darnach gerungen

Und ist mir auf die lezt mislungen, 35 Da ich mein gwalt verloren hab,

Vor got und der weit ganz schabab.

Muß mich nun weiter thun bewerben.

Besehen ob ich könt Beelzebub erben.

Seine macht und das ganz hellisch reich : 40 Ich were in vast auch nicht ungleich.

Dann ich schreib mich den geringsten im spil,

Hab aber gleichwol gedan so vil

Als andre meins gleichen mügen sein

Zuge&llen den herren mein. 4s Und er ich mich zu in verpflicht,

So bedenke ich mir noch eins gebricht.

Es ist war, ich bin ein först wolbokant

In deutscher nation mein vaterlant.

70

Wichtige Sachen wurden vertrauwet mir,

r>o Bei meinem bunt war ich der vornemste schier. Die hendel hab ich mir obligen laßen Mit hogem vleiß in aller maßen, Wie ich von denselben bevel hat, Unangesehen wem es auch schat,

üb Und ließ mich gebrauchen in Sachen zwar Die mir niemals bevolen war, Alein damit mocht angerichtet werden Mort büberei und anders auf' erden, Darf wol sagen krieg und des gleichen.

G«j Het vorhoflft, es must mir ein ider weichen. Das reidlein hab ich weidlich getriben: Es ist aber leider das best vorbliben. Doch darf man mir die schult nicht geben, Dann ich het darbei gewagt leib und leben.

i;5 An mir war gar kein mangel gespürt, Ich wolt auch die Sachen habn außgefürt: Der anschlag war darauf gar gericht. Obs erlich gewesen, mich nicht anficht: Dann es darumb nicht angefangen war

70 (Wann man die warheit sagen thar) Daß wir ursach gehabt haben selten. Wann es nur gangen wer wie ynr wolten, Der Sachen wer wol rat gefunden. Erst wolten wir uns weiter haben vorbunden

75 Andere stück zu richten an

Die izunt niemant außsinnen kan. Aber das spil thet sich also wenden Unversehens under unsem henden. Daß ich lieber hett gewolt,

80 Der got im himel sterben solt Dann ein einig mensch auf erden Dardurch es must underlaßen werden. Noch an einem es auch mangeln thet : Bei etlichen potentaten ich kein volge het,

^n Die wolten den fuchs nicht beißen.

Vor bosheit het ich mich mügen zureißen.

_ 71

Nun ist es verbliben biß auf disen tag,

Qanz uud gar vordorben dlser anschlag.

Darf wol sagen, ich wolt darumb geben,

£wig vorlom haben mein leib und leben,

Daß mir alcin were geraten

Und angegangen die selben thatini.

Aber eins hab ich nicht bedacht dai*bei,

Daß es wider des höchsten willen »(n

Zu vortilgen sein götlichs wort

Durch krieg blut brant oder mort.

Das selbig hab ich also nicht geacht.

Zwar meine gesellen habens auch nicht bedacht

(Dann wie sich das spil gewendet hat,

Das were ich inne alzuspat),

Haben mich gefiirt also in das spil

Daß ich schiddig bin weiß nicht wie vil,

Vorlom hab all redlicheit treu und er,

Glauben gut und was es mer^

Der ich doch vil gehabt haben sol.

Man darfs nicht sagen, weiß vorhin wol.

Wie es izt ergangen ist vor wenig zeit,

Do mir al mein macht damider leit.

Wolfenbüttel mein haus fester dann fest

Haben mir dfurein gesetzt solche gest,

Wider die ich mich lang het vormeßeu

Bei inen die früsuppen zu eßen :

Die haben mirs wüst zugericht.

Aber das mich am sersten anficht:

All mein hendel und practicieren

Muß ich auch darüber verlieren.

Dann die selben Sachen vorwar

Hab ich aldo ligen laßen gar,

Do ich mich von meinen ai'men leuten droben

Über geschwomen eid flüchtig erhoben,

In der nacht macht ein einigen brief

Der mir den tag vor die haut lief,

Do mir von einem abgesaget war:

Ein erlicher man ich in nicht nennen thar.

72

i»b Das spil dorft ich nich erwarten:

Gedacht, sie möchten also mit der kai*teuy Wie sie weiten . wer billich frei, Hets wol verdient, sags gleich darbei. In denselben hendeln begriffen ist

isu AU mein büberei und falsche list,

Was ich vom anfang biß zum end getriben Und wie es entlich ist vorbliben: Der selben sein nicht wenig, ab man meint. Dann ich bedacht hab michs gar voreint,

135 Mir solt kein schalkheit groß noch klein Die selbig außzurichen zu vil sein. Wie ich auch getriben mein hurerei Mit der toten junkfrau, steht auch darbei, All mein prakticiem und falscher bericht

uo Der keiser könig und dem reich beschicht,

Wie ich auch doctor Delinghausen den fromen man Ermordet und in den wall hab graben lan: Das ist man auch ganz gewis. Umb des wegen ich mein sei vorlies.

u5 Dann mich etlich berichtet haben, Der churfärst hab in laßen aufgraben. Nun hab ich etlich mal dafür geschworen, Er sei meinethalben unvorlorpn. Wie ich auch mein zeuberei getriben

150 Durch Schwarz Albrechten, bleibt nicht vorschwigen, Der mich gefiiret durch schwarze kunst XJber stock und stein: ist alles umb sunst Auch wie ich mein sigel und brief gebrochen Und meinen Übermut weidlich gerochen

155 An den beiden steten im reich Goslar und Braimschweig zugleich, Die selben auf das hertst bedrengt. Aber das mich am sersten krenkt: Ich hab sie nicht können zwingen wie ich gewolt,

iGo Wie säur ich mich dagegen gestalt. Auch wie ich mit den mandaten gethan Die keiser und könig her gesendet han,

73

Auch etliche vor mich laßen machen

Und darauf geschriben die besten sachen: i«5 Das alles weiß man ganz imd gar.

In warheit ichs auch nicht leugnen thar.

Doch das alles mich wenig anficht,

Ist bei mir noch ein leicht gewicht.

Alein eins leit mir in dem kröpf, 170 Darumb ich mich krau hinder dem köpf.

Ich darf es schier nicht sagen wol :

Weiß gleichwol nicht, wem ichs vertrauwen sol.

Dann etliche meine ret und getreuwen vorwar

Sein vom teufel komen gar, . 175 Als Stechau mein großvogt alein,

Darzu den canzler ich mein.

Die solden wol wißen dammb tragen.

Muß sie gleich wol darumb laßen fragen,

Dann mir leit gar vil daran : im> Derhalben muß ichs nicht ligen lan.

£ine große summa gelt (ist offenbar)

Hab ich empfangen zur mortbrenner schar,

Darvon ich sie besoldet frei.

Sein nun verfloßen zwei jar herbei, itö Do ich das selbig genomen an.

Nun weiß ich nicht wo ichs gelaßen han

Die selben hendel und alle außgab

Wohin und auf wen ichs gewendet hab.

Ich habs bevolen, sol es nicht zureißen: IM Sonst würde mich warlich der teufel bescheißen.

Hat man es denn do laßen ligen.

So bleibt es so vil weniger vorschwigen.

Wolt vil lieber wünschen zurißen sein.

Und were es noch der schade mein. 196 Ich muß dannoch darvor gar eben.

Wohin es kome, rechnung geben.

Were es nun sach daß es verloren

Oder von den feinden gefunden worden,

So werde ich vor got und der weit zu schant: t*9 Das bezeuget mich mein eigen haut.

74

Bei meinem häufen werde ich vorhaßt gemacht.

Zwar mich iezunt niemant mec acht,

Daß ich ire Sachen nicht beßer vorholen

Dann wie sie mirs in geheim bevolen. 2»:. Sol ich nun irer gnaden leben.

So darf ich nur frei denken eben.

Man glaubt und traut mir nur so weit

Als wie ein han mit einem fuß schreitt.

Zuvor bin ich ir trost und held, :eiu Ir heubtman und ir got gezelt.

Zwar iezunt denken sie 'du bist nicht wert

Daß dich vor uns treget die erd.'

Was ich aber vor stücklein mer gedan,

Das ich izt nicht außsinnen kan : 2i:> Dann meine ret und getreuen dahindeu bliben.

Die haben es vleißig aufgeschriben.

Den ich aber gerne sehen wolt,

Der es in seiner memoria alles behalden soll.

Darf wol sagen, man wirt keinen finden SSO Vor einen meisjter der mich solt überwinden:

Ich wolt wol behalden den plan

Und mich er darüber reufen lan.

Nun weiß ich nicht, wie ich thu der that:

Ich darft wol einer klugen frauen rat. 2^5 Es muß ein anders angefangen sein,

Wann es schon kost das leben mein.

Dann daran ist nicht vil verloren:

Ich bin bereit dem Pluto außerkoren.

Ich steck in solcher not zu diser frist S30 Als ie ein mensch gewesen ist.

Het mich nicht vorsehen zu den vorwanten mein

Daß ich also solt vorlaßen sein.

Weil aber meine thaten so offenbar,

So ist keiner der mir beistehen thar. 2»» Dann ich sie darumb nicht vordenken thue.

Wollen sie anders bei dem iren haben rue.

Was darf man auch von mir singen oder sagen,

Moins unfais halben schreien oder klagen?

An einem wolf man kein wiltban bricht.

ii(t Mir nicht mer dann noch zu wenig geschieht. Wie wol ich vor ir capital geseßen^ So hab ich doch er und eid weit vorgeBen. Was nun von solchem wer mein Ion, Darumb darf man nicht fragen don.

2»45 Dann wie etliche gelarte leut vorwar, Zwelf henker, wenn mans sagen thar, Etlich urteil und sentenz haben geschloßcn, Welchs alle auß meiner büberei entsproßen: Do kont man mir balt ein urteil feilen

2&0 Und naich darauf vor gericht stellen.

Darumb ich das selbig auch nicht wagen thar, Möcht sonst komen in größere far. Doch kan ich bei mir nicht ersinnen, Daß in ganzer weit weren zu erfinden

25S Solche büberei und große schand Die ich geübt hab mit meiner hant. Sol ich mich nu weiter umb dienst bewerben, So furcht ich die untreu möcht auf mich erben. Aber nach dem Sprichwort war,

riw Was schats, wann mans vorsuchen thar? Meine botschaft hab ich auß gesant Mich zu wenden in seltsame laut, Zu begeben in den gewaltigen häufen Do die engel mit brenden laufen.

«65 Dann gleicher gestalt geachtet die herrn mein, Also wirt auch ir diener sein. Do wil ich mich erst gebrauchen lau Nach allem vorteil wie ichs gelemet hau, Ewig und alzeit ein merer im reich,

»70 (Dem Pluto dar niden ich mich vorgleich) lUch setzen zu seiner rechten hant Ein gubemator im selben laut. Ein furstentumb wil er mir geben ein : Das sol ich besitzen vor das mem.

t7u Meine Sachen wil ich dahin richten Und al mein thun darauf schlichten

76

Daß mein reime bleibt war Welchen ich gefuret manche jar. All meine tage in unrue 280 Breng ich hie dises leben zu.

Nach dem selben ist mir vorheischen worden, Darzu auch meinem ganzen orden, Auch ein leben in ewigkeit Von aller angst und not bereit.

Beschluß 285 Auß disem allen hat ein ieder vomomen

Daß ich auß keinem stein gesprungen,

Sondern daß ich ein man von tugent reich

Also daß man nicht findt meins gleich.

Es ist aber nicht gut daß ich mich selbs lob, 290 Sondern habs wol gehört darob.

Wie meine Sachen gelegen sein,

Das habt ir alles vomomen fein.

Weil mir aber die nachbam übel geraten.

So muß ich selbs loben meine thaten. 2»5 Aber nach dem gemeinen Sprichwort war

Das werk den meister loben thar.

Also vorhoffe ich wol zu bestan

Vor meinen herren vor iederman.

Wil nun besehen wer mich wil feilen, 300 Weil ich gezogen bin in die heUen

Und da warten der gesellen mein:

Vorhoff, sie sollen auch nicht lang außen sein.

XL

BRUDER VEITS

LANDSKNECHTS IM LAGER VOR

WOLFENBÜTTEL

TREULICHE WARNUNG.

1542.

Der got der himel und erden mechtig ist

Hat Bern macht beweiset diser frist.

Dem sei alein lob und preis in ewigkeit!

Der ie den seinen zn helfen alweg bereit, j Hat iez den löblichen fursten von Sachsen und Hessen

zAgleich,

Die von forstlichen tugent hoch begabt und tugentreich,

Wolfenbüttel, des untreuen von Braunschweig festung

und macht,

In ir hend und gewalt ganz und gar gebracht.

Und ist geschehen den zwelften Augusti zu mittag, 10 Da alles in Wolfenbüttel verzagt damider lag:

Dann die nachtigaln falken und schlangen

Hetten etliche tage darför also angefangen

Zfi singen mit erschrecklichen donnerlichen ton,

Daß ein icder in Wolfenbüttel gewünscht er were darvon , Und weil sie sich dann keiner hilf zfi vertrösten gewüst

Und darzfi verfloßen war die zeit und firist

Darin ir herr vertröst inen zu hilf zA kumen,

Welchs im aber got hat untemumen

Und also wie er gotlose pflegt in die flucht geschlagen, -' Daß er .sich mit briefen auß dem land hat laßen verjagen

78

Welche aber niemant wunder nemen boI,

Dann der von Braunschweig ist alles falsch und untreu vol:

Hat das an den christenlichen verwanten redlich beweist

Und ganz teutsch nation mit seiner listigen praktikcn

umbkreißt. 25 Dardurch er der armen stete Goslar und Braunschweig

Vermeint mechtig und ir herr zA sein zu gleich.

Darin im aber got von wegen seiner bösen übelthat

Nit hat räum geben wollen noch stat:

Dann es ist im durch sein verhenknus abo ein kappen

geschniten 30 Die er nimmer mer mit seinem pochen wirt vermiten

Und muß abo in zeit seins lebens irre gon,

Wie dann solchs der gotlosen verdienter Ion.

Es ist aber solichs olles gotes werk,

Der die löblichen chür und forsten weiter sterk! 35 Daß auch dem von Braunschweig solt unrecht geschehen,

Wirt kein erliebender der do lebt küimen verjehen:

Dann er ie alle böswicht stück hat getriben,

Welchs im auch vor dem reich unverschwigen bliben,

Und dem trotzer pocher und scharrer oberzelt ^^ Von nu an biß ans end wirt nachgesagt in aller weit.

Ime geschieht auch kaum recht daran:

Dann solche salsen von rautenkraut gehört auf den un- treuen man

Der mit seinem weißen schelm das aufzufreßen gedacht :

Aber wie bitter das were, aber das ende nit betracht. 45 Vil weniger hat er gedacht an die katzenelnbogische katzen

Die warlich, wann sie bew^egt, auch kan kratzen:

Wie man warUch das iezo vor Wolfenbüttel gesehen hat.

Die katz hat sich redlich geregt den morgen fru und spat.

Laßt nu sehen, wer dem von Braunschweig wil beifal geben : 50 Den wil ich der leichtfertigkeit und untugent eben

Vergleichen, wie herzog Heinrichen den untreuen man:

Das sage ich brfider Veit an allen wan.

Und mag ein ieder in diser zeit wol aufsehen

Und sich so leicht in far nicht begeben, b:* Dann der löbliche churfiirst mit dem schwert

_ 79

Ist sächsischer art, steif fest und hert Und sein brflder lantgraf Philips aller müe unverdroßen. Sie selten wbl noch reißen ein solchen bossen. Wo in ursach von iemants darzft wirt geben, Do sie doch sunst lieber nach fride und rue streben. So ist brflder Veit und sein gesinde Auch abenteurlich seltsam und geschwinde Und zu solchen hendeln zfl vermögen gar leicht. Was aber letzUch darauß erfolget tmd erreicht, Das nem ein ieder von dem Braunschweig ein ebenbild Und laß got den herm sein den besten schilt, Der zfivor auch mechtiger könige hat gestürzt Und iren stolz und toben wider inen und die seinen ver- kürzt, Die sich so bös als der von Braimschweig immerraer

gedeucht Und letzlich im gründe des meres erseuft. Danunb sich wider got kein mensch legen wöUe^ Auch sein heilwertiges wort keiner verhindern solle: Es wirt im sonst gehn wie dem von Braunschweig Und verlaßen mußen sein gewalt und reich. Das zeig ich treuer meinimg wol an Und ein ieder erliebender wöU es zfim besten verstan, Auch den von Braunschweig dahin laßen hauen, Dem iez vor einem rauschenden blat thAt grauen, Und sich hüten vor brflder Veit: Das rat ich im zfl aller zeit.

Und der almechtige verleie uns allen sein gotseligkeit ! Amen.

xn.

WARHAFTIGE CONTRAFACTUR

HERZOG HEINRICHS DES lÜNGERN

VON BRAUNSCHWEIQ

UND SEINER GESELLSCHAFT.

Kenat oder haut nie gseben in Und nie von im gehört furliin: Dn lernst in wol kennen hierin. Vnrwar ich dir darfter gni bin.

Wolan, wolan und doch wolan! Ich contrafei hie einen man Der got dem herren fluchen thar Unverholen ganz offenbar,

r. Welcher sich vil mer thut verlan Auf menschen kinder wol gethan Dann daß er het die Zuflucht sein Zu got dem herm im himel fein. Vorwar es ist ein feiner man:

lu Wo ers doch mag gelemet han! Mich dünkt, so ichs sagen sold, Gar bald ich dirs anzeigen wold. David der prophet lobesan Der wlrt es in geleret han.

lu Das widerspil vemim! dann hör: Ir solt nicht han (ist Davids 1er) Hofihung auf irgent einen man. 80 sagt David, got wöls nicht han.

s\

Verlaßet euch Buf fürsten nicht ! 90 Höre wie David weiter spricht:

Sie sint menschen kinder wolan

Der keiner etwas helfen kan.

Wer wider dise lere thut,

Der machts so hin, er machts nicht gut. Im feilen stets die anschleg sein^ ^

So einer nicht von herzen fein

Vertrauet got im himel dort.

Merk und schleuß ins herz dise wort,

Heinz von Braunschweig^ lieber Worsthans ! 30 Du traute außerweite gans,

Hast den David wol gelesen.

Pfui, sich an dein gotloses wesen!

Lieber, was lestu dünken dich?

Ach, lieber, underrichte mich! 35 War nicht herzog Görg auch sterblich

Als ich und du, als du und ich?

War er nicht auch von menschen gborn?

la zwar, doch hatstu in erkorn

Nicht anders dann für ein got dein: 40 AI heil und Seligkeit gar fein

War dir gelegen an dem man.

Ich weiß, wirsts nicht wollen wort han.

Du kanst nicht darvon komen baß.

Sprich nur, es sei erlogen das, IS So habs der teufl geredt, wolan!

lür leit zwar sonderlich nichts dran.

Du hast wol ehe glogen frei.

Es ist mit dir heuer nicht neu:

Von lügen bist gar oben vol. &o Hör was ich dir izt sagen sol!

Werstu gstorben zum ersten an

Der ersten lügen (zweifl nicht dran)

Du weists gewis, o lieber got,

Wir weren alle mancher not &5 Überhaben, die ganz weit würd sich

Erfreuen des nur gewislich.

()

82 _

Du Heinz, werst Icngst dahin ins bad.

Auch wer verblibn manch böse that,

Darzu du rat gegeben hast, no Du Heinz, hansworstiseber fantast,

Wie wol dirs nie geglücket hat.

Da magst nu sein bös oder quat,

So^nstu doch kein rat darzu,

Mit wasser weis möchst komen du r.5 Auß disem unfletigen seubad.

Die warheit dich bezwungen hat:

Dein leugnen hie kein räum mag hau.

Da herzog Georg nu war darvan,

Alda man von dir hat gehört 70 Solch red. wer hat dich so betört?

Ach wie ist es ein ubelthat

80 bös weit über alles quat!

Was wars für red? sie lautet so:

Er wold lieber, got im himel do 75 Wer gestorben, daß nur alein

Herzog Görg möcht lebendig sein.

80 dises möcht geschehen so,

Dann wold er singen fro fro fro.

Dünket dich nicht daß solchem man Bu Die red hab wol gestanden an?

Wie sold er anders singen zwar

Dann wie im der Schnabel gewachsen war.

Pfui du gotloser bösewicht!

Sich was du gthan! schemstu dich nicht? »5 Darfstu im himel deinen got

So gar verachten ohne not

Und so setzen die hofihung dein

Auf menschen die all sterblich sein?

Was hat der prinz nu gholfen dir? 90 Ich bit dich, lieber, sag es mir!

Darfst nu nicht sterben gleich wie er.

O warlich mordio und zeter 1

Ist über dich zu schreien zwar, I

Daß du hast vergeßeu so gar

88

»5 Des edlen gots und schepfers dein Und dich zugethan so gar fein Der creatur. du großer nar, Vermaledeit bistu vorwar. Die heilig schrifl: die zeiget diß,

100 Da sie also spricht ganz gewis: Verdampt ewiglich sei der gar Der sein vertrauen setzen thar Auf einen menschen, man gleubs mir Daß diser Heinz Worsthans alhier

105 Sei auß des teufeis engein schar. We seiner armen seien dar, Weil er also, wie ich vermelt, Von got und seim wort wenig helt, Diso weit im zu aller frist

HO Vil vil und zehn mal lieber ist!

Freilich gunst und gnad, großes gelt, Des babsts und fürstn huld im baß gfeit, Vorwar im baß gfelt denn daß er Im himel wer ein einwoner.

115 Doch wer weiß, wie sichs noch dort helt. Wer hat uns von dort her vermelt, Ob im himl solch gut wesen sei? Hans Worst der helt es dafür frei, Daß nach disem leben sei kein leben :

120 Diß ist sein glaub, das merk man eben. Er gleubt vorwar kein ander weit Und hats auch drumb so hingestelt Nach aller gotlosn art und weis. Leicht glückts, die hell ist nicht so heiß isn Wie sie die pfaffen izt thun machen. Er 'gibt daran nichts dann ein lachen. Er denket so *het wir nur preis All lutherischen, wie würd da fleiß Angewendet werden!' vorwar ISO So es gieng nach seim willen gar, So würd er sagen 'reis nu, reis. Reis hau und stich mit allem ileiß

0*

84

Wer da kan und wu man weiß nur Die lüthrisch sein, ich sage dir,

135 Got geschichts zum großen preis, Zur grösten er, so ire weis Wirt ausgerottet überal: Got dir solches belonen sah Darzu wenn wir sie han als dann

140 Alle zugleich zu tod geschlan, Dann woUn wir gute tage han.' Ja SOS nicht reint, lieber Heinz Narr, Was wiltu mer thun? sag auß gar! 'Wir woUn den raub aufm mummen plon,

115 Ir laut und leut außteilen schon. Alle zwar die lutherisch sein Solu sehen was wir künnen fein. Wittenberg wolln wir schleifen lan, Es sal kein stecken bleiben stan:

loo AU Unglück ist komen darvan.'

Ach mein Heinz, laß doch bleiben ein, Dran du binst den weißen schelm dein! *Die chtlr wolln wir von Braunschweig han: Der chürfUrst der sol undergan.'

155 Du armer chürfiirst, gnad dir got! Du wirst komen in große not! ^Braunschweig die stat zum ersten an, Magdeburg, Zerbist wolgetan ' Es kost nicht mer dann nur ein wort.

luü Dann fert er immer weiter fort: ^Obs den steten gfall oder nicht, Dasselbig uns nicht ser anficht. Vorwar es leit uns nicht vil dran, Sie mügens gleich gut wißen han, -

165 Wir wollen sie fein nemen ein. Weil sie uns so gelegen sein. Wir wollen weidlich darein schlan, Es sol keiner komen darvan. Unser volk dajs setz wir drein,

170 Welches in sol bringen schwere pein.'

85

Sols denn also bleiben hierbei^ ^lieh dünket zwar, das so gnug sei. ^Ja ja solds bereit genug sein. Ander stete mer groß und klein

175 Mußen hernach auch herhalten: Ir aller sol der teufel walten. Sie soln uns all wol dienen nein In unser liebes küchelein.' Herr von Braunschweig, mein lieber herr,

i^o Ach seit doch nicht so gsch winde ser! ^Spot wie du wilt! du seist wol sehn Obs nicht gar balde werd angchn. Merk auf! vil ander fürsten fein, Die mit uns noch halten gemein,

1»^ Solln wol etwas bringen für sich:

Sol sie nicht reuen, als nemlich * Die bischof drauß am Mein und Kein Solln auch all guter nemen ein. Der luthrischn lender alle frei,

1941 Nach dems iderm gelegen sei.'

Wol an, mein lieber Heinz, hör mich! Du hast es traun ganz lustiglich Bedacht bei dir: doch dünkt mich das, Wiltu mich hörn, ich sag dir was.

195 Ich gleube nit^ht daß du alein Solches hast bedacht so gar fein, Sondern dein rete han gwislich Dir geholfh in der sach (dünkt mich) Und sich ser tief besimnen zwar,

tco Ungferlich (so ichs sagen thar) Etwan ein spanne under sich Vom nabel. ei ich versprach mich: Mein Hans Worst, verzeih mir das! Ich sag dir nu die rechte maß :

tvs Ein halbe meil wolt sagen ich In himel nein ganz über sich. Evangelmm, ich rat dir, Schau far dich imd folge du mir!

86

Bit deinen allerliebsten got,

210 Weil er dich außgesendet bot, Daß er für alle not scbtLtz dicb! Er sals wol thun, das boff ich, Daß er Steuer Heinzs bösen rat la ich hoff, der herr Zebaot

215 Sol dich verteidigen ganz wol. Er hats gethan zum oftem mal, Er thuts noch als ein warer got, Daß er dicb schütz für Heinzens rott. Eins wer mir wol not zu fragen,

220 So mirs Heinz wolt on spot sagen: Der herr der alls geschaffen bot, Lebt er noch oder ist er tot, Der liebe got im himelreich? Mein' Heinz, ich bit dich seuberleich,

225 Sage mirs doch! dergleichen ir, Ir lieben papisten, sagt mir Auch wie Heinze der fiirste reich! Wie wol ich bin euch gar ungleich. Ich bin ein luthriscb denk nur,

280 Doch lieben herren, saget nur: Meint ir daß got im himelreich Euch armen madensecken weich? Wen^laßt ir euch dünkn daß ir seit? Meint ir daß herkomn sei die zeit

235 Darein sein Uebs wort sol fiir euch Verzweifeln, welchs so gnadenreich? Ein guter anschlag wers vorwar Und ist auch bald gesaget zwar. Wolauf ! wir wollen hin mit braus,

240 Got sein biml einnemen mit strauß. Truz dem der uns solchs weren thar ! Wir wollen stracks die neue lar Nicht leiden under uns, wolan! Solt wir was anders setzen dran.

246 Wir habn an uns ein große schar: Unser ist mer dann irer zwar.

87

Wir wollen sie vertilgen bald, Wer dann daß got nicht haben wold. Ich gleub nicht daß der engel schar 2^0 Sei so groß als des Heinzen dar. Ein große gfar steht drauf gar wol Daß sie gestorben all zumal Und keiner ist im himel mer. Auch wol villeicht got selbs sich ser t':>& Ser furchten thut der gute man, Weil im sein diener so abgan Durch den tot und ^er mortbrenner Heinz Heinzichen so gar ser Dreuet und flucht dem lieben got 2«u Den tot und die aller gröst not. Vorwar weil er dises darf thun, So muß es sein ein fromer son, Und gleub nicht anders zwar dann er, Er, der liebe got, auß beschwer, »69 Auß großer kummernus, auß gram, Auß disen stücken allzusam Meinstu nicht daß in jamer ser, Auß großer furcht darzu, muß er Sterben? ja er ist gstorbn« bereit. t'iO Ach gnad im doch ein gute zeit Daß er mit wimn und freude fein Schreit wider auß dem grabe sein ! Hört mich! ich sag euch den bescheit. Got ist nicht tot, sondern er leit, 27:> Er lauscht und schleft sein zeit und weil, Wirt einmal (füjrcht ich) komn mit eil Zwar ehe dann man sichs versieht: Als dann er diso bösewicht, Dise so gar gotlose leut t^*) An zweifl recht nach gelegenheit Heimsuchen wirt. was gilts, wolan ! Es sol in drüber nicht wol gan. Wirt sie verstoßn in ewigkeit: Was gilts? es sol in werden leit.

88

285 O ir tollen narren, sagt nur,

Habt ir auch got im himl zu für

Gefraget ie mit einem wort,

Den großen got im himei dort?

Wiewol ich wil wol sagen schier 290 Daß euer got nicht ist, dann ir

Seiner nicht bedörft. sag an hier,

Habt ir in auch, ir wilden tier,

Ir giganten, gefraget ie,

Ich furcht, es sei geschehen nie 2U5 Ob ers auch von euch leiden wil

Daß ir nach euer maß und zil

Im seines schönen himels zier

Umbreißen wollet? gleubet mir, '

Ir wert so vil außrichten als nichts : 900 Doch künt irs enden, gschichts, man sichts.

Heinz, lieber Heinz, laß sagen dir,

Es gilt ein ochsen oder vier,

Darzu ein gute orten hier.

Du leist auf deiner nasen schier S05 Mit all deim häufen groß und klein.

Got (hoff ich) wirt den himel sein

Wol ftir dir und den dein allen

Schlitzen und fein verteidigen.

Welches dir sol sein ein pein groß. 310 Hans Worst, hör! verstehstu das?

Er thuts durch ein einigs wörtlein.

Eben durch das wort welchs muß sein

Der papisten aller zumal

Hon spot und schmach fr^ uberal. 315 Aber Heinzlein, liebs Heinzlein mein,

Heinzlein Koter, merk du mich fein!

Merk du mir den punct zu gefallen

Disen under andern allen!

So ir euch gleich auf drümlein klein 320 Zureißen thetet all gemein.

So wil doch unser got kurz um

Daß sein wort summa summarum

81)

Bleiben sol und kein mangel han

Zu sampt denen die gleuben dran, sis Die so haben ein reines herz

Und die sein wort lieben on scherz.

Got wil sie nimer mer verian,

Er wil in ewiglich beistan.

lustin Henger, du bösewicht, SSO Diß magstu doch ganz und gar nicht

Hör, Hans Worst! ich wil dir sagen schon

Vom churfurstn: gleub du künlich dran!

Got der herr ist sein freunt gar gut,

Er helt in stets in seiner hut. SS5 Für dir wirt er kein mangel han,

Dergleich sein treue underthan.

Du solt sie wol zu fride lan,

Solt des darzu kein dank nicht han.

Er ist ein fürst so lobesan. S40 Du bist nicht wert, du loser man,

Daß du in nur solt sehen an

Mit all deim papistischen gsind.

Du heillos loses teufeis kint,

Wiße daß die lutherischn sint S45 Frisch frei frölich. dein practik gschwind

Die du getriben, die zurint.

Und ob die ganze weit abbrint.

Doch die lutherischn getrost sint.

Ider sein wonung wider fint 360 Im himel als die lieben kint

Bei got dem vater, da sie sint

Angenem. ir aber so blint,

Unverstendiger dann ein kint,

Unvemünftiger dann ein rint, S55 Schlagets so gar dahin in wint.

Saget mir doch, ich frage euch,

Ir papisten alle zugleich.

Sonderlich Heinzman seuberleich,

Sag mir, du fürst so tugentreich, »^ Hat auch ie einer under euch

90

Gedacht, so solch geschrei im reich Außkomn würd, daß all stend zugleich Des reichs würden es also euch Gut laßen sein und seuberleich

365 Euch danken darzu alln zugleich? la gute derbe keulenstreioh, Wenn man darmit bezalet euch, Die het ir verdient all zugleich. Wer weiß was noch wirt thun das reich.

370 Zum andern thut mir den bericht: Meint ir, man würds erfaren nicht, Wer solches hette angericht? Got geb euch die nerrischen gicht, Ir mortbrennischen bösewicht!

375 Vorwar ider der nur mit icht Etwas verstehen kan, der spricht 'Diß spil hat kein mensch zugericht Dann die papistn das ottergzücht' Schempt euch in euer angesicht!

380 Ach ir heimischen bösewicht, Man sehe an all eure gschicht Was ir bißher habt angericht, Ir habt doch nit gedorft ans licht. Alzeit habt ir gebraucht solch stück,

385 Heimische böse neue tück, Die ir uns habt in unsem rück Gethan, wie wol got nie kein glück Darzu gegeben und die krück Nu gar im ofh leit. o welch stück

3D0 Habt ir gebraucht! kein augenblick Sein wir gewest für euerm strick Sicher: doch auß gotes geschick Haben solch euer meuchelstück Alle müßen gehen zu rück.

395 Wir achtens nu als nur ein blick. Got aber bitten wir umb glück, Daß er uns sein gnade zuschick, Daß er uns die nicht entzieh nur:

91

Alles wolln gerne leiden wir.

tot» Doch 80, Heinzman, ich red mit dir: So wir küunen kernen zufur Deiner Schelmerei, gleube mir, Nicht laßn solch ander wegen wir. Der gleichen muß man auch von dir

105 Sagen, was dein lieb im schilt fiir, Heinz Justine, das merk alhier. Mit warheit thut mans, gleub es nur, Auf daß man sich wiße für dir Zu hüten, zwar ich gleube schier,

410 Weil du dich nu, der du zufur Ein fUrste im reich warst alhier, Zxmi henger machst dich selber nu, So wirt ein ider sehen zu Daß er sich forthin des abthu,

415 Hab mit dir nichts zu schickn, weil du Dich selber machst zum henger nu. Lieber meister Just, hört nur zu Was ich euch izt zu wißen thu! Ich hab daheim ein tote ku

4to Und auch ein tote sau darzu.

Wolt ir sie holn und schinden nu? Heinz Just von Warheitsbrun, merk du! Da wtLrds anders schreien 'juch zu'. Wenn derselbige dein huhu

4S5 Ganz warhaftig wer, und so du Bestendiglich könts machen war Daß alles das welches du dar In deinem hengertractat klar Für warheit sagest offenbar,

430 Das auch darfur bestünde gar, Und auch dergleichen, so du war Rededest, lögest nicht 80 gar In deinen lesterschriften dar Wider den chürfärsten offhbar.

435 Aber iderman weiß es zwar, Ein iderman solchs sagen thar

92

Nicht heimlich y sondern bell und klar. Daß du nicht redest ein wort war. Ich gleub es traun auch selber zwar.

440 Du Heinz, mit deiner druckerei Drückst wol lügen für warheit frei. Ein idem wilt bereden frei Und meinst daß eins wies ander sei. Ein idem wilt bereden frei,

445 Daß solche deine schenderei Die lauter klare warheit sei. Sonderlich thut gar yil darbei Der namn an deiner hengerei, Nemlich wie meister Justin sei

450 Von Warheitsbrun. ei, der galg, eil Wer könts doch erdenken so frei, Wenns nicht so wer! es bleib darbei, Sag mir doch wus gelegen sei! Pfiii deiner Wulfenbuttelei !

455 Hört! Justinus heißt der meister, Als thet er recht, seht alle her! Als het sich der von Braunschweig des Alzeit geflißn (e ichs vergeß) Daß er der warheit stets nachtracht

460 In allen Sachen tag und nacht.

Er schreibet nichts nicht dann nur war, Ist ein fromer fürst, nein er zwar Mit eitler fromkeit uberschut Gleichwie mit muschln auß pilgrams hut.

465 In Heinzen gar kein böses ist,

Nur daß im fom und binden gbrist Von art ein schelm und bösewicht: Aber furm hut sihet maus nicht. Er kumt daher mit seinem thun

470 Dort weit weit her von Warheitsbrun. Diß ist sein hut und deckel schon, Darmit er meint wol auf dem plan Sig und triumph zu behalten. Got weiß all ding: der mags walten!

93

476 Bistu gerecht, mein lieber kneclit, Wolan BO bleibst on zweifei recht. Aber vorwar die zwelf knaben Die aber dich urteil haben Semptlich und sonderlich beschloHn,

4H0 Dieselbn sich anders hören laßn. Auch Satan dein oberstes heubt, Welchem dein herze vil mer gleubt Dann got dem hcrrn im himelreich. Mich dünket zwar, er lobet euch,

485 Euch papisten alle zumal.

Er wirt euch auch mit reichem schal Geben den Ion unverdroßen. Du, mein Heinz, wolst ja nicht laßen Auf seine bit zu nacht und tag,

490 So er anders etwas vermag Bei dir, du wollest mit triegen, Hit morden brennen und liegen, Mit allen bösen stücken dein In seinem dienst ganz treue sein,

495 Auch mit ftirstnschenden, anderm mer, Damit du bzichtigt so gar ser. Des du dich kanst erledign nicht: Must bleibn ein schelm und bösewicht. Dann warlich warlich one wan

500 Merk was ich dir iz zeige an! Wiltu sein ein aufrichtig man Und wilt furn reich iz wol bestan, (Wie dann eim forsten lobesan Geburt, daß man im nichts bös kan

505 Auflegen, feischlich mein ich) wolan So mustu mit warheit sagen schon, £s sei ja war was du hast lan Drücken, zwar ich dirs günnen kan: Furcht aber, es feil gar vil di'an.

510 O Heinz, du wirst ein blosen schlan. Ich wil dir aber wol ein man Anzeigen und nennen gar schon,

94

Sich, der darfs Heinzen zeigen an. Was erlichr thaten er gethan.

515 Heinz, sag, wie wiltu nu beBtan

Mit der warheit ganz hell und klar? Ja Heinz, merks! es ist alles war Und ist wol sehier zu wenig zwar. Doetor Martinus Luther dar

520 Der ists: die ganze weit vorwar Auch gar nieht anders sagen thar, Dann daß er dir sampt deiner schar, Deinen mortbrennischn gsellen dar, Hat gpreiset euer lob vorwar,

525 Dameben auch die selig lar

Des glaubens so gar herzlich zwar Verteidigt und sein fiirsten dar Verantwortet darzu. Heinz Nar, So hastu des fürsten buch dar,

530 Darbei und drauß magst erfam schier Daß der churfiirst auch noch papir Tint und federn hat, damit dir Dir imd deinem gewesch ist zwir Zwir und doppelt (gleub du mir)

535 Geantwort. darzu dann wir Vorwar zu Wittenberg alhier Leut haben welche feilen dir. Got lob und wer gleich deiner vier Und all teufl mit dir, doch wißn wir,

540 Daß ir all mit einander schier,

All papistn mit den teufln von hier Mußen dohin: dargegen wir Uns tröstn des schönen himels zier, Nach dem wir gleuben gotes gnad

545 Die uns sein wort verkündigt hat, Welch uns auch oft für euerm rat Beschüzt: wie wir dann mit der that Befinden, daß fast alles quat Welchs euer lieb uns bestelt hat^

550 Dasselbig feine reine bad

95

Habt ir außgebadet gar drat Ist also war, ein böser rat Schadt nur dem der in geben hat. Euer mortbrennische that

555 Wem bringet sie das meiste quat? Es ist war daB sie uns geschat Und yU armer leut gemacht hat. Wir wohis leiden geduldiglich, Es ist hie zeitlich (versteh mich) :

5C0 An zweifei got erbarmet sich, Er wirts vergelden ewiglich In jener weit schick aber dich Auf richtige antworte sag ich^ Was darzu hat verursacht dich

565 Nicht aleine hie zeitlich,

Dort dort wirt es erst machen sich. Wirt dirs geschenkt, so wunderts mich. Hie wirt dirs ja nicht (das weiß ich) Geschenkt, das hastu gewislich,

570 Augnscheinlich darzu. ach solt mich Mein gewißen so drückn als dich, Wie wer mir das ein marter schwer l Kein Fürst im reich kanstu sein mer, Bsondem du bist ein mortbrenner,

576 Ein verruchter junkfrauschender, Ein gotloser ehebrecher. Du heilloser linker schecher, Du giftiger böser meuchler, Du bist ein abgfeimbter mörder

580 Dort zu Warheitsbrun, du henker, la du unverschempter lügner. Der du wider got und all er Frome fursten, ander leut mer Sehendest und scfamehest so gar ser.

585 Die ganze weit schreit iz zeter Über dich schebniscben bösewicht. Sich, Heinz, so hastus außgericht: Dem gschrei kanstu entfliehen nicht.

96

Kein mensch auf erden anders spricht

f'Do Dann daß dir hierin recht geschieht. Bistu nu solch ein bösewicht Daß dich dises gar nicht anficht? Du meinst es soi so bleibn bericht Dein mortbrennen: ich weiß es nicht.

59a Hör! noch einer dich drumb anspricht. Der bischof von Hildesheim ficht, Ficht dich auch an und gar hart sticht Auf dich daher, er leuget nicht, Du, tyran, habst soichs zugericht.

coo Mich dünkt, es solt dir straf gnug sein, So dus bedöchst im herzen dein, Alhie von diser weit gemein Für ein solches fromes kreutlein Gescholdn werden von groß und klein.

605 Wirts traim dem reich gefallen fein Und der keiser leßts auch gut sein, So Bchreibs zu deim krausen herlein! Der herr aber im himel fein, Obs sonst verbleibt, er wirts alein

610 Bezalen nach dem willen sein. All henker auf der weit gemein, Derselben vil zu wenig sein Zu strafn die groß ubelthat dein. Got der herr der der sterkste ist,

615 Der biß hieher zu diser irist

Beschützet hat sein lieben Christ, Sein wort darzu. hör, du papist, Auch er anderen alle, wißt, Daß er nu schon geschicket ist,

630 Nach dem eure falsche list Offenbaret zu diser frist. Wißet daß im kein macht gebrist! Im augenblick er euch aufirißt. Heinz, du hast auß, du leist im mist,

625 Durch gotes gwalt schon verzert bist: Ein iderman der gleub nur dran.

97

Iz wenn du wirst herwider gan, Der liebe David zeigt dirs an: So du wirst ein nacfaforschung hau

cso Nach dem gotlosen (gedenk dran!), So ist er schon bereit darvan, Sein wesen das kan nicht besten. Die papistn, die meuchler (wolan), Es muß bekennen iderman,

635 Was sie bißher geratschlagt han, £s hat in nie wollen fortgan. Diß haben sie traun wol gethan. Mit großer furcht zum ersten an Habn sie erschrecket manchen man:

S40 Doch, lieber got^ lob dank und er Sei dir gesagt! wider dein 1er, Wider dein wort (was woUn wir mer?) Zu streiten, herr, es ist gar schwer. Hats doch der babst mit seinem her,

645 Die meuchlisch sect der mortbrenner, Der fledermeusische henger, Er imd auch irer ganz keiner Zu der helft nie gbracht. ach leider Was denken sie doch immer mer!

e&o Nu wir künnen nicht darwider. Er sizt im himel dort der herr, Vorwar nicht leßts ungerochn er. Diß sei dir gschenkt, Heinz! iz nicht mer. Den beschluß wil ich hengen an.

S55 Gleubs, der zu Hessen wolgethan Bleibet für dir wol ungeschlan Oleich dem churfursten lobesan, Auch dem von EQldesheim. wolan! Und bistu du denn so böser man,

cco Yerantwort dich fürs keisers krön Wes sie dich izunt klagen an. Sie thuns nicht auß eim losen wan, Wie du, Just Henker, hast gethan: Warheit bringen sie auf den plan,

7

98

üti.') Mit warheit zeigen sie all an, Wie du seist so ein loser man. Ich {urchty du mxist noch teuflisch dran. Hör! an zweifl dein Just Henker zart Der wirt sein teil in seinen hart

G70 Widerumb kriegen also fort

Hab sorg, wirt müßen über port: So du in kanst erretten frei Neben deiner mortbrennerei, Auch neben deinem lestem groß

675 Der fiirsten, welches one maß, Wolan, wolan! es ist fast zeit^ £ dich ein starker galge reit.

xni.

DREI NEUE UND LUSTIGE

GESPRECHE

WIE DER WOLF

SO ETWAN DOCH NICHT LANG EIN MENSCH

HEmZ WOLFENBÜTTEL GENANT

IN ABGRUNT DER HELLEN

VORDAMT SEL

REIMWEI8 AUSZ DEM LATEIN INS DEUTSCH GEBEN.

1542.

Das erste gesprech.

Die namen der Unterhändler Megera, Thesiphone, Minos, Charon, Lycaon.

Megera Bei Styge dem hellflnß ich schwer, I>jiß ich ein lange zeit anher Nichts hab gesehn das gschehen wer, l^elchs mich gelüstet het so ser. Als ich izt sah on alles gferd: Zu tod ich mich des lachen werd.

Thesiphone Eün schad ist gschehn, das feilt mir nicht, Weil die also ein glachts anrieht:

7*

100

Denn wir hellwütrin habn die art, 10 Man sieht uns lachen zu keinr fart. Es sei denn daß mit ach und we Was kleglichs und ser böses gscheh. Abr hör, Megera^ liebe, hör! Wo auß? wes lachstu doch so ser? Megera

if> Wer ich? ei solt ich lachen nicht? Für unser rachn ein gut gericht Uns abermals ist wordn zu teil, Doran wir uns (hoflF ich) ein weil Erlüsten wöUn. traun Charon war

20 Ein steifer held auf diß mal zwar. Vor lachen kan ichs schwerlich sagn, Was lustigs sich hat zugetragn Izt wie ich gangen war hinauß

Thesiphone Nu was denn? sags doch bald herauß! Megera

«5 Wie ich neulich außgangen war Spacieren hin zum heulfluß dar, Da wart von seien mancherlei Erhört groß jemerlich geschrei, So groß daß hart thet wider schalln

80 Auch auß den höln und ufern alln, In des zum ufer drangen dar Plüzling der sein ein große schar. Ich frag, wer doch die alle sint. Man sagt, ein fürst mit seim ^esind,

35 Der gerne über faren wolt.

Charon der ferman fant sich balt: Und wie er sein gewonheit helt, Er erstlich fordert sein fergelt, E denn er ein nam in sein kan:

40 Welchs sie im theten all abschlan. Er aber mant sie vest und hart Biß er auch drob erzürnet wart, Dreut in Plutonis ungenad.

101

Hierauf balt einer an dem stad^

45 Mer denn die andern all geziert.

Von grad und leibs sterk wol staffiert, Lang plänschlicht war sein angesicht, Schwarz augn er hat zur erdn gericht Und hangend wangn die (wie ich spürt)

so Gleich warn mit blutdurst vorglasiert, Totgel war seines angsichts färb, Nach dem der selbig sich bewarb Aufs höchst und best gegn dem Charon, Schwur ^er, die andern ghörtn in an

ib Und wem sein hofgesind; abr er Ir aller fürst und herzog wer. Auch fumemlich er das furwant. Er wer Plutoni wol bekant Und sein gar alter buntgenoß.

60 Drumb in vom Charon ser vordroß Daß er in uberßim nicht wolt: Mutt gleich mit gwalt daß ers thun solt, Denn im solchs billich widerfür. Charon hielt im hingegen für

66 Die alt gewonheit von vil jam, Daß auch die münch so uberfam Im stets habn müßen gebn sein Ion, Der gleichen vil bischof auch gthon, All könig die gwest sein auf erdn,

70 Habn sie wöUn ubergfliret werdn: Nam doch ins schif den herzog ein, Ließ stehn am stad das hofgsind sein: Welchs derhalbn thet der alt Charon Daß er sich geb Plutoni an. Thesiphone

7i^ Es ist ein wunder (sag ich wol) Daß diser geiz den Charon sol So hart anfechten, aber hör! Sag was sich hat begeben mer! Denn ich so args noch nicht veruiin,

so Derhalbn sich groß gelechter zun.

102

Megera Hör fort wes ich thet lachn so ser Daß ich auch schier zuprastet wer! Wie Charon izt abstößt, wil fam, Kund er sich nicht so wol bewam.

85 Der sich (wie ghort) ein herzogn nant. Bracht im ein büntlein alzuhant Heimlich ins schif : drin stak ein bejn, War mit Salpeter gfället fein, Doran ein zochen glimmend hieng

90 Der mit eim drum ins pulyer gieng, Hierzu künstlich so angericht (Wies denn auch het gefeilet nicht) Daß über etslich stund und zeit, Balt so der fürst wer komen bseit, 95 Das pulyer aufgefaren wer

Und het das schif und sonst was mer Mit feuer plüzling gzündet an. Und wer Charon verdorbn sein kan, Denn ers des orts hat underbracht

100 Da ''s schif mit pretem ist vormacht

Thesiphone Der künster uns wilkimi sol sein.

Megera Charon der alt den tuck markt fein. Und balt wie er zu Stade kam. Den bündel er zu banden nam,

105 Und wie er fant die Schelmerei,

Dem ftirsten ers ins gsicbt schlug frei. Zur gegenwer der ftirst sich stalt: Du gleubst nicht, wie keck war der alt. Ein dapfern kämpf du hetst gesebn,

110 Wie frei zusamen trafh die zwen. Charon (wiewol er schwach und alt) Sich erlich imder augn im stalt Und ritterlich im widerstunt. Der fürst sein tück braucht, wo er kunt.

103

115 Bei zweien stunden (ist gwis war) Der kämpf stont zweifelhaftig gar. Lezlich der ftirst wirt gschlagn und fleucht: Der Charon sich des rümlich. freut Abr schau! der Minos kümpt hieher. 120 Sich wunder, wie er eilt so ser! Megera Ich halt, er fragt dem fürsten nach.

Thesiphone Es sei gleich wie es wöU ein sach, VU tapfer teufet umb in seint: Drumb ists kein scherz welchs hieran scheint. Minos it5 Ir hellwütrin, wo seit ir nur?

Den neuen gast, denkt, stellt mir für Der hat den lermen angericht! Charon, ist der der bösewicht?

Charon Herr, ja.

Minos Wolan wer bistu denn? IM Das denk und gib mirs zu verstehn! Wenn denn? schweigstu izt, du unlustV Hörst nicht? sagn soltu, wer du bist.

Lycaon Ich bins.

Minos Wer denn? Megera, dran! Greif in mit schlangn und peitschen an ! 135 Was gilts, er leßt was schnapn. Lycaon

O we! Minos So recht, wilt dich nun nennen he?

Lycaon Ich bin ein färst.

Minos Wied heist, zeig an!

104

Lycaon Mit namen heiß ich Lycaon.

Minos Bifltu ein fUrst Lycaon gnaat? 140 Der nam ist mir vor auch bekant. Lycaon Vorwar, Minos, eins mich verdreußt, Daß mir solch mier wirt beweist. Alhie niemant wil kennen mich: So ich mich doch ganz sicherlich 145 Zu rümen hab, daß nur ser vil Hie seint der teufel die ich wil Auch überzeugen daß ich sie Bewirtet hab, und eben die, So hie auch nit die grinsten sein. Minos 150 Bistu denn, wie mir izt feit ein, Lycaon von Lycoperan? Lycaon Ja ebn bin ich der selbig man.

Minos Der welcher anher etslich jar Plutoni unserm hellhem zwar 155 Umb bsoldung hat gedient jerlich ? Lycaon Ja recht: der selbig fürst bin ich.

Minos Der du widr recht und billigkeit Dein bruder hast ein lange zeit Gefenglich ghaltn und tribuliert 160 Daß du nur hast alein regiert? Lycaon Traun ja : ich bin der selbig fürst.

Minos Der mit schandlastcrlicher turst, Auch mit dem unartigen lehn Zum tod hast große ursach gebn 165 Der erliohn muter dein?

105

Lycaon

Ja, herr. MinoB Bericht mich forti da bist ja der Der in der weit beschriben ist^ Daß da dorch heimlich tück and list Ein jongfraalein ganz lobesam, 170 Gebom von adelichem stam, Anß deinem fraaenzimer bracht Und sie ir em entsezt mit macht, In dem böslich dein elichs weib Vorschmecht und ir gestoln dein leib. 175 Hast auch ein leich geticht daher, Als ob die Jungfrau gstorben wer.

Lycaon Ich bin es, ja: ich laugn es nicht.

Minos Hör mer, gib mir auch des bericht! Du bist der hat genomen gelt 190 Von den tyrannen auf der weit Die gotes wort verdrückten gern, Hasts gebn den die dir musten schwem, Sie wolden mit feur und mit brant Verderben der rechtglaubign laut. Lycaon 195 Ja doch, ich bins.

Minos Du weist doch bscheit Umb £inbeck wo das ist und leit?

Lycaon Einbeck ist mir wol gwest bekant.

Megera Recht redt er daß ers hab gekant: Denn sein anschleg habn gmacht seiuther I90 Daß man es schier nicht kennet mer. Minos So sag mir mer! bistu der man Der im lang zeit hat treumen lan,

106

Du seist des reichs ein oberster, Und immer ghoffit, du werdst ein her

vjh Wider diejenign fiiren thun Die Christum izt bekennen nun Der etwan war ein zimerman. Die (wie ich mich entsinnen kan) Ir lutrisch heiBt und schelten thutV Lycaon

200 Ich bins und habs gehabt im mut. Minos Es steht noch recht mir wil uichs raer Zufalln, darnach zu fragen wer. Abr ubl hastu dich forgesehn. In großer ungnad thustu stehn

205 Beim herm Pluto.

Lycaon

Das hoff ich nicht. Minos Es ist wie ich dich hab bericht.

Lycaon Nun hab ich doch mein bests gethan.

Minos Hetstu (wie ich vormerken kan) Gehandelt recht^ so gieng dirs recht

210 Und werst izt nicht so gar vorschmecht. Dein sin dich ser betrogen hat. Falsch ist dein ho&ung und dein rat, Weil du auf deine list mer baust Denn auf Plutonis Weisheit traust

215 Der auch der oberst ubr uns ist. Und weil du gmeint zu diser frist, Mit deinem frevel und gewalt Wolst unserm rat vorkomen halt Und weist nicht daß man solche sach

220 Muß fordern weilich und gemach, Treibstu mit gar zu schwinder eil Auch nicht alein dein glück und heil Zurück, ja brengst uns alln auch zwar

107

Gegn den im himel in gefar.

nb Daromb, so ich recht sagen sol, Du hie zu hof nicht stehest wol. Ser übel hastu dich verdient« Was warstu doch so args gesint Daß du wolst gebn das fergelt nicht

tso Dem Charon, wie er hat bericht? Lycaon Ich hat sein nicht, denn wie wir all Vom tod erwischt warn dazumal Und auf die bam gelegt^ habn wir Die beutel und auch alle zier

»85 Gleich mit dem leben hingelegt. Minos Was hat dich abr hierzu bewegt Daß du dem guten alten man Sein schif mit feur wolst legen an?

Lycaon Vorzeih mir das ! bit ich mit vleiß :

»40 Denn solchs ist von natur mein weis:

Drum kunds vor mir nicht werdn vordeckt, Die weil er mich zu zom bewegt. Auch weistu freilich (wie man spricht) Daß art von art kan laßen nicht. Megera

S45 Er ist gelert und wie Ichs acht. Hat er daheim zu tag und nacht Gehort ein wolberedten man, Weil er die sprüch so hübschlich kan Anziehen, wie izt ist erhört.

Minos

ISO Künstlich du redst, es darf nicht wort. Ob aber deins wolredens kunst Werd hel£a daß du Plutonis gunst Bekomen magst, da sich du fürl Abr izunt ist befolhen mir

255 Daß ich dir bind all vier behend.

108

Drumb kurz! denk, reich mir her dein hend! Ir büttel, bint im seine fiißl Und daß er seinen frevel büß, Sezt in zn halber gürtel fein

260 Im nechsten feuerofo hinein Der auf das hertste sieden thut Mit öl und heißem Schwefel gut. Biß nur zeigt Pluto weiter an, Wie ers mit im wöll ghalten han!

265 Izt darf ich lenger warten nicht, Muß im des handeis gebn bericht.

Lycaon O Minos, halt ein wenig inn!

Minos Ich hör izt nicht, ich geh dohin.

Lycaon Verzeih, mein vaterl bit ich ser. Minos 870 Was ist es denn? sags balde her! Lycaon O lieber vater, weil ich steh In euer ungenad und seh Daß ich hab wider euch gethan (Wiewol ich stets geglaubet han,

876 Alls was ich thet gefiel euch wol), Bit ich, so ser ich immer sol. Durch aller feurign werkstet willn Die schwefeis voll seint in der helln Von allr gequelten seien wegn

280 Die jemerliches heulens pflegn.

Durch die menschliche lieb ganz ser Ich bit und was sonst sein kan mer: Hab ich iemals (dafür ichs acht) Durch mortbrant her zur hellen bracht

285 Etslich vil sein, so bit ich dich, Du wolst gegn dem Plutone mich Vorbiteu und mein beistant sein Und thun als mein sach selbs wer dein.

109

Was ich geirret hab so ser,

f9o Das kümpt nur aus furwar doher Daß ich euch hab geliebt so hart Und het euch gern zur steten fart Alls was ich kunt zu gfalln gethan. Solchs (bit ich) breng meinthalben an! Minos

s»5 So etwas dich kan helfen nun,

So kans furwar dein groß lieb thun, Der gleichen deine stete er Die du uns hast gethan bißher. Doch wil ich auch hie thun mein fleiß

300 Gewisy so vil ich kan und weiß. Lycaon Billich halt ich dich ewig, her. Abr izt noch eins bit ich dich ser: Du wolst auch uberfiiren lan Die ich am ufer glaßen han,

SOS Fumemlich wil ich zeigen an Mein großvogt von Lycoperan, Auch mein canzler und treuen rat Der wunder gnad zu reden hat. TJbr das bit ich dich weiter mer,

sio Du wolst mir laßen füren her Hein liebe preceptores bed Die mit yerstant und schöner red Mir alzeit tröstlich sein gewest Und mir geraten stets das best.

si» Denn unter den der eine zwar Im cammergricht saß etslich jar. War so enzückt in euerm geist Daß er euch hielt fürs best und meist, Hat so nach euch sein sin gericht

SSO Daß er nach keinem got fragt nicht. Auf erdn er auch keins menschen acht, Seins gfallns die recht yerkart und macht, Rieht auf nach seinem lust mandat Nor daß er euch zu gfalln was that.

110

325 Dem andern giengs so glücklich gar: Im reich er vicecanzler war, Wiewol von wegen vil untreu Und seiner schelmsvorreterei Wart er vom selben ampt entsezt

330 Und must mit großer schand zulezt Heimlich in eil sich stein darvan. Ich wil dir zeign ir namen an. Der erst heißt Braun, der ander Helt. Ich bit dich, schaff daß werd besteh

335 Daß sie Charon auch (lir hieher, Denn sie sich engsten wunderser, Wie ich an irem heuin thu spüm Welchs sie izt jenst dem waßer fum.

Minos Far hin, Charon, und breng sie her!

340 Was schimmert abr plüzling so ser Mit so gewaltigm hellem schein? Schwingt sich von obn ein geiet herein? Ei still! es ist der genius Nach dem sichs alles richten muß.

345 Der gute geist er gnant wirt sxmst Von den die mer tragn lieb und gunst Zu den die obn im himel sein Denn zu uns allen in gemein. Mich wundert gleichwol trefflich ser,

350 Was er uns brengt für neue mer: Denn wir uns nicht zu freuen han. Wenn er vom himel zeigt was an. Für angst und furcht ich zitter gar, Seint ich sein worden bin gewar.

111 Das ander gesprech.

Plato, Mioo8, Lycaon, Geniiu, Braun, Helt and der cansler etc.

Pluto

Es ist zwar wie du gibst bericht,

Minos. auch leugnen wir das nicht.

Ob er in unserm ampt wol war,

Daß wir auf in erzömt warn gar. 5 Ja nicht alein erzömt gwest seint,

Wir warn im auch aufs höchste feint.

Die ungnad hat im nichts erweckt

Denn daß sich hat in im erregt

Alzeit ein frech unbsunnenheit 10 Und forbündiger gschickligkeit

Sein selbs ein falsch vermeinter wan,

Darmit er oft widr uns gethan.

Denn het er hierauf geben acht

Und nur nach unserm willn gemacht t6 Die hendel so wir im befoln,

Die baß verdackt und auch verholn,

Auf sein selbs klugheit nicht stolziert

(Der doch an im wirt nichts gespürt)

Und hett sich nicht vornemen lan to Als ders uns gern zuvor het gthan:

So wer kein zweifei in meim mut, , Deutschbmt schwüm izt zum teil im blut.

Wer auch zum teil durch brant verwust

Und trug den schadn nach dem uns lust: £3 Wiewol wir das auch nemen an

Zu dank und uns des wol gehan,

So er uns was auß freveln mut

Vorschau jiiät das uns kümpt zu gut. Minos

Bei meinem eid er schweren thar, so Was er geirt, das sei furwar

Auß sonderlicher lieb geschehn

Zu uns und daß er sich versehn,

112

Er wolt uns habn hiermit verert. Nicht daß er het deins reiche begert. Pluto

3& Mit schwem redt er mir nichs in sin Der ich der lügen vater bin, Wil der auch bleibn und gnennet werdn^ Es sei im himel odr auf erdn. Zu dem sol er mir thun kein eit^

40 Seintmals ich kuntschafb hab kein meit Mit dem den man der grechtigkeit Ein brunn und Schützer nent alzeit. Wie weniger er aber weiß Von grechtigkeit und irem preis,

45 Je lieber er uns alln sol sein. Kein haß thu ich im aber zeihn: Thum frevel, ktin Verwegenheit Ich im schult geb zu diser zeit.

Lycaon O we mir gar vordampten man!

50 Ach ewig not ich für mir han! O ach und we der harten pein, Ach, ach! dorin ich stets muß sein! Ach, ach! mein glück imd Zuversicht Welchs sich so ganz uud gar fint nicht!

55 O strenge richter hat die hell: Hie jamert kein mein ungefell. Niemant het mich beredt auf erdn Daß hie mit mir also würd werdn, Daß auch eur freuntschafb ewiglich

60 Von mir solt mügen wenden sich Den ich so bin verbunden gwest, An euch mich auch gehengt so vest Daß ich mein sei, mein leib nnd lehn G^utwillig hab für euch dar gebn

65 Der hoffnung, alles was ich wolt, Von euch mir widerfaren solt, Bevor was mir möcht helfen ser Zu unterdrücktmg Christi er.

113

Gebt ir mir eurem felthaubtman

70 Fm* meine treu ein solchen Ion? Ist das also bei euch die weis Zu em ein der mit höchstem vleiß Und eur reich beid frü und spat Zu meren nicht alein furhat,

79 Besonder hat auch wol im sin Mit herskraft für den himel hin Zu ziehen und, so irs wolt han, Auch mit eim stürm zu laufen an? Ich bit euch, o ir heUwütrin,

HO &Ct underschüren haldet inn!

Macht nicht so heiß das siedend öl Welchs sunst hart gnug braust in der hell ! Ich fleh und bit nochmab, schont mein ! So euch mag anders wißen sein

fo Daß ich hab ie und ie mein lust Gehabt, so feur was hat vorwust, Und daß ich bin der erst 'gewest Der mit mortbrennen hat das best Gethan, darzu mit höchstem vleiß

»o Solch kunst aufbracht auf neue weis Daß leichtHch würdn verderbt mit braut Vil schöner stet, auch leut und lant. Abr, o zu Rom du leidigr babst, Ach we des trosts den du mir gabst!

»5 Ir treulosn bischof, we und ach!

Ist das mein Ion, mein ru und gmach, Wie ich mich hab euch ganz vortraut, Auch al mein thun hierauf gebaut ? Hab ich derhalben tag und nacht

i«H> Auf mancher reis mäsam zubracht Mit wachen reiten hin und her? Hab ich mich darumb gmüt so ser Und alls an allem end versucht, Kein weg mich laßen bschweren nicht?

lo:^ Hab ich der halbn von eurent wegn All tück zu brauchn mich laßn bewegn

8

n4_

Daß ich alhie in ewigkeit

Auch unaußsprechlich schmerzen leid,

Werd in die feuerflammen gsezt^

110 Schmerzlich geengstet und vorlezt? O leider, achl wo bista heut Der du warst primas gnant die zeit Under den andern aUn den ich Gefolget hab ser unweislich?

Darumb ich hie vorlaßen steh *— Wo bistu nun, Pyrobule, Der du hast alle weg und weis Gebraucht und mich mit höchstem vleif^ Hierzu vermocht, mir auch geredt

ito Groß gschenk der ich zu gwarten het? Ja auch durch dein instruction Ich gwilligt und gelemet hon, Wie ich der luterischen gwalt Solt schwechen und erlegen halt,

125 Der du hast gmacht mit deim vorstant Daß ich mit sampt meim ganzen lant Mich hab von in als ketzern gwent. Achl mochstu mir nicht sagn diß ent? O Pluto, gwaltigister herr,

130 Unilberwintlichster herscher, Auß des geheiß gutwilliglich Die bischof habn besoldet mich, Ich bit dich uberauß herzlich, Erbarm dich heut doch über mich

135 Und laß mir lindem meine pein! Gnad doch dem der ist eigen dein!

Minos Hörst nicht, Pluto, wie Lycaon Dich ruft und schreit so kleglich an, Wie er für schmerzlichr angst und quäl HO Sich rümpft imd wint gleich wie ein al?

Pluto Ich hab sein winseln lang gehört.

115

MinoB Meins achtens wer er gnaden wert, Weil er dein reich auf alle weis Het gern gemert mit höchstem vieiß,

145 Wenns müglich wer und künt gesein Daß eim erlaßen würd die pein Hie in der helln, da nach der streng Alls wirt gericht und nach der leng, Weil die strafiiemer gar kein meit

130 Nicht wißen von barmherzigkeit. Pluto Du sagst unsy Minos, recht und wor, Auch wie wir gmeldet haben vor, Daß bilfich werd ein ieder gliebt Von uns nach dem er hat geübt

ISS Der laster vil und mancherlei,

Seintmals man merken kan hierbei Daß sie uns gleich gesinnet seint. Weil der so gar denn unser freunt Ist gwest, wer recht und gieng wol hin

i6«i Daß man sein schont und welet in [Inder der unsem teufel stant, Daß er dest fiischer und ermant Durch alle pein sich wirken künt Und daß zu seinem willen stund

1«» Nach seinem lust auch andre sein Zu peinign martern engsten queln. Abr weil wir müßen ghorsam sein Dem den wir haßen ein und ein Als den wir ftirchten müßen hart

170 Und uns obleit zu steter fart,

Der nichs ungstraft auch leßt hingehn, So er was sieht das sei geschehn Zu wider im und uns zu gut, Ubr das mir auch zufallen thut,

17» Weil unsere natur und art

Wir laßen mügn zu keiner fart, Habn sonderlich vil lusts hiervan,

8*

1^

So wir nur mügen legen an

Die menschen ser vil angst und spot,

180 Es sei am leben oder tot:

So wil sichs keins wegs leiden zwar Daß man der quäl in freiet gar. Ob dirs abr gfelt und recht dünkt sein, Magstu im mildem seine pein. Genius

185 Truz euch! daß ir vorfluchten geist, Die ir ewig verdammet heißt, Thut anders denn got furcht imd soIumU Ewiglich und zu aller zeit! Ja dem almechtign herm und got

ii»o Der alles in sein henden hot, Für dem erschrecken zittern hart Sol ewiglich sein euer art, Und daß ir die diß habn verdient, Ewig zu plagn solt sein gesint,

195 So vil euch wirt von got nach gebn! Ubr das wißt ir auch wol hiemebn, Daß ir die frum gotselig sein Zu frid müßt lan mit solcher pein.

Minos Au! deshalb ist mir gwesen angst.

2üo Denn ich in gsehen hab vorlangst Daß er mit einem hellen schein Sich in die hell schwingt obn herein.

Pluto Mir wirt gar bang, erschrockn ich bin. Kum, laß uns irgent fliehen hin! Genius

:iü5 Bei gwalt der ewign maiestat

Und höchsten kraft des der als hat In gewalt, auch alls in allem ist, Gebiet ich izt zu diser frist Euch, ir unreinen geist, alln gleich,

sio Von hin daß keiner kein schrit weich, Und wil auch habn auf dises mal

117

Daß ir still seit und schweiget all, Macht kein getümmel noch gemor, Kein wemerleichen und geschnürt

Hie schweigts nnd wirt alles still.

?i5 Neulicher zeit (wie ir wol wißt) Zu euch anher bracht worden ist Auch einer auß der menschen schar Ganz ungeratner art iurwar, Ein herzog, gnennet Lycaon,

ito Der hof hielt zu Lycoperan.

Was der, wie er noch war am lehn, Nachmals als er sich euch ergebn Hat, ganz und gar für laster schaiid, *Unerlich auch fürstlichem stant,

2S5 Getriben hat im deutschem lant, Ist fireilich euch alln wol bekant Als den auß der anreizung er Im nichts hat laßen sein zu schwer Welchs er acht, das möcht fordern ser

tM\ Gar zu vorfinstem gödich er,

Daß er den leuten ja möcht wem Das recht erkantnus got des herm. Mort, ebruchy heßlich hurerei. Rauberei, meineit und dieberei,

2S5 Untreu und wer kans sagen alls Er hat alein mit dem dis falls All schand und bosheit Übermacht -- Das er so emsig hat getracht, Auf daß würdn außgerott im lant

240 Die Christum haltn für im heilant, Mortbrenner auch so vil bestelt, Dergleichn nie ghort ist in der weit So lang die selb gestanden ist. Alein durch in vor kurzer frist

245 Die höchst schand, mördrisch meuchlerei Getribn ist worden mancherlei, Daß auch die mit im ein vorstant

m

Hetten gemacht (wie er das nant),

In steten und in dörfern gmein tbo Feur allenthalben legten ein,

VorBchonten weder jung noch alt,

Wie sie denn warn von im bestalt.

Mit feur namen sie hin gar schwind

Haus hof gesindy ja weib und kint. i&ö Dieweil abr nun in solcher not

Der frumen gbet durchdrungen hot

Die himel und ist kernen dar

Für got, hat er vorschaffet «war

Daß sterben must der gotes feint X60 E denn ers selber dacht odr meint

Und wtird gejagt zur hellen zu

Ins tiefst zu ewiger unru.

Derhalbn ich als von got gesant.

Der alles hat in seiner haut ä65 Und was er wil im himel schafft.

Auch in der hell der bosheit straft^

Die frurobkeit und gotseligkeit

Höchlich belont zu aller zeit,

Zeig euch auß seim befel ich an, 270 Daß got gestrackts von euch wil han.

Daß ir nach groß und glegenheit

Der lastcr so bei seiner zeit

Lycaon böslich hat getribn,

Eum ganzen ernst und scherf solt übn, 275 Die pein denkt, im zuteilt und sprecht

Die er ewig verdient zu recht.

Minos Wir bitten so vil unser sint, Du wolst nicht fam so ernst und schwint: Denn wie ich hör, er seiner that 280 Rechtlich exceptiones hat

Genius Was sagstu mir von außred vil? Sag an! von dir ich« h^ren wil.

119

Mino8 Er hat Juristen hie mit im: Dieselbign magstu fragen drüm. Braun 1165 Ich bin drüm hie, wil man mich hörn. Genius Juristerei vor got dem herm In solchen Sachen wirt vorschmecht: Oot ist ubr alle gsetz und recht

Braun Harr^ recht ein stich muß ich im gebn. 290 Hör, wer du seist, und merk mich ebn! Wie kan der wider deinen got Vorbrechen was, der niemals bot Erkant sein namen, wie denn der Von seiner jugent biß anher ?95 Kein fursten hat erkant der weit Denn was im Pluto ist vermelt.

Minos Ei gar zu lam! mich speiert frei.

Braun Demnach so merk noch eins hierbei! Weil got eign herschaft hat und gricht, 34PO Welchs sich vorgleicht in keim ding nicht Mit des Plutoni unsers herm Herschaft, so mügn die in anghöm Seins grichtzwaugs brauchen imerdar. Dir abr wil nicht gebüren zwar 905 Ein endlich urteil hie zu felln.

Dein klag widr in du magst anstclin Zu recht: dir aber nicht gebürt Daß er von dir verurteilt wirt. Denn wie uns Baldus des bericht, 310 Sol kein beklagter werdn gericht Odr einigen richter gestraft, Denn dem er mit grichtszwang vorhält. Und so derselb dein got und herr Ja ist so klug und witzig ser

120

S1& Daß er aus was geschehen ist

Und noch wirt gschehn zu steter frist Kan wißen und nicht wirt betrogn, Warumb hat er nicht auch gepflogn Der Weisheit und zeitlich vorwart

s»o Daß in Lycaon nicht so hart

Het mügn betrübn, wie er izt klagt? Weiß er nicht, was das recht hie sagt? Wer schaden merkt, vorkömpt den nicht, Ob in der trifft, kein gwalt im gschicht.

»85 Denn weil ers weiß und schweiget still, Scheints gleich als ob ers haben wil.

Helt Wir wollen das izt laßen stehn Und der vommift nur stracks nach gehn. Drum erstlich: weil Lycaon gsehn

SSO Hat, wie auf erden all ding gehn On Ordnung durch einander her, Nur wie es kümpt on alls gefer, Etslich groß er erlangn auf erdu, Eins teils hiergegn zu betlem werdn,

S86 Ir vil treibn hin und her im lant Auch ungestraft all sünd und schand, Hinwider vil durch ir frumkeit Sich selber fiim in großes leit, Und daß auf erdn zu keiner frist

340 Nichts gwis in keinem handel ist, Ubr das ist er auch worden gwar, Wie daß fast alle menschen zwar Die (wie ir etslich träumen lan) Von got dem eingn ir urkunft han

S4A Und nach seim bUdnus all seint gmacht, Wie da ein ider denkt und tracht Nach seinem gfaln zu dienen got Und habn so manche sect und rott. Der götter vil und mancherlei

350 Sie eren thun mit vilerlei: Hat er mit uns geglaubt dis fais.

121

Daß not halbn so must gehen alU Odr aber gieng on alls gefer Plambshalbn so durcheinander her,

HDä Und wolt sein tag das nie in in, Daß nach eins einign gotes sin All ding regieret solden werdn, Weils geht so wunderlich auf erdn. Und wer ein solcher einigr got

3«o (Wie irs auß eurem träum fhrsclüaht) Der stets wer selber mit im ein: So sag mir doch, wie künds gesein Daß er solch unbestendigkeit Erdulden solt zu aller zeit?

365 Fürs anders: weil er vil gehört Und des von jugnt berichtet wart, Im auch oft het getraumbt hiervan, Wies in der helln ein ort solt han Genant campum Elisium/

370 Der 80 genennet wirt darum Daß er den ist alein besteh Die durch vil angst und der weit Als küne beiden bstendiglich Endlich durchdrungen ritterlich:

S75 Hat er alln fleiß gewant hieran, Daß er des möcht erfarung han, Wer doch des orts gewislich wer, Daß er sich in nach hielt dest mer. Derhalben weil im wart vormelt

3(M> Der einig und recht fürst der weit Pluto alhie (wie ich in kenn Und eren halben für euch nenn), Wie auch dohin kem keiner sunst, Es gscheh denn durch Plutonis gun^t:

:ift5 Hat er gedacht auf weg und weis, Wie er im dienen mocht mit fleiß, Darmit er auß armseligkeit Würd gnomen in die freuntligkeit Der ewign gselschaft der da pflegn

122

390 Die 80 sich deshalbn alla erwegn Hie in der hellen an dem ort Den ich hab neulich gmelt zu vort. Derhalben weil er deinem got Zu dienst noch nie gestanden hot,

395 Auch nie mit icht ist gwest vorwant In all seim wesen lehn und stant, Het got sein klag widr in mügn fäm: Abr urteiln wil im nicht gebüm.

Minos Dich lobt ich doch: du bist ein man

ioo Ders meisterlich furbrengen kan. Canzler Ermals erzaist du mancherlei Mort, ebruch, schendlich hurerei, ^ Schwechung der jungfraun^ weiß was als, Sam wer es vor erfam niemab

•105 Daß solche laster gschehen wern

(Obs laster sein, wezms thun solch herrn) Von den die auch zu irer zeit Seint gwest groß herrn und dapfer leut. Auch gleich sam spürt nicht iederman

410 Daß solchs den hangt am meisten an. Die zwingt und anficht Ynmder schwind. Die von natur was freuntlich sint. Ja auch wie serer ein solchs lüst, Je gleicher er eim menschen ist.

416 Wies abr mit euch im himel geht Die ir euch selber untersteht Und götter wolt genennet werdn, Hab ich nie mügn erfam auf erdn. Nun sag mir doch (ich bit dich drtun),

420 Wie achstu keiser Julimn, Augustum und vil andre mer, Bevor den großn Alexander Der auch von wegn vfl großer that Den namen ^groß' bekomen hat?

i2ö Warn die nicht auch zu irer zeit

123

Frei beiden und recht dapfre leut? Habn sie in nicht durch krieges macht Ein ewign nun zu wege bracht? Wie vil habn abr die ersten zwen

4S0 (Wie ir mir all des mußt gestehn) Erlicher weibsbild umb ir er Wol bracht? ich schweig« sonst anders mer Vom Alexander merkt hierbei. Nicht wil ich sagn von hurerei:

435 So blutdürstig er aber war

(Wie denn gebürt eim beiden zwar) Daß er eins, wie er hatt ein trank. Auch sein selbs nicht war mechtig guunk, Clitum nur umb etsliche wort

440 Sein gheimsten freunt selb selbs ermort. Wer hat abr lobs erhalten mer Bei den gschichtschreibem alln bißher Denn Hercules und Achilles Den ir zeit niemant war gemeß ?

445 Doch Achilles Briseidam

Durch gwalt zu seinem lust bekam, Dei^leichen Diomedam zwar Die des Phebantis tochter war. Also auch schriftlich wirt gemelt,

450 Daß Hercules der teure helt Pyrenem und Augen hab bracht Zu seinem willn durch zwang und macht. Auch neben dem hastu vermelt, Vil dieberei und raubs vorzelt,

455 Kirchen beraubung und darbei

Bds heimisch tück und groß untreu, Gleich als sein künt ein regiment Darein sich solchs nicht flecht behent Und wie auf erden izt nicht mer

iif0 Dei^leichen zu befinden wer. Arsaces (wie ir all wißt zwar) Des Parther volks ein k5nig war: Jedoch die alt^n gschribnen gschicht

124

Von im uns geben den bericht, 465 Daß er der dieb und rauber frei

Ein unterweiser gwesen sei.

War nicht ein herlichr könig auch

Der Amesis? doch war sein brauch

Daß er sich stelens gar nicht schembt, 470 Dieblich umbschlich, frembds guts gerembt.

Nero, als der zu Rom regiert,

All kirchen in der stat spoiiert.

Dergleichen er durch Asiam

Und fort durch ganz Achaiam 475 Die bilder auß den tempeln nara,

Weil er vil schmuks doran bekam.

Dergleichen man bekennen muß,

Das auch thet Dionisius

Der könig in Sicilien. 480 Und wie uns mer gibt zu vorstehn

Der Cicero, so hat solchs auch

Cajus Verres gehabt im brauch:

Drum er in Dionisio

Vorgleicht, weil er auch thet also. 4t(5 Abr denkt, wie das auch waren leut

Und wie ir lob bißher zur zeit

Bei menniglich bleibt groß und hoch.

Was aber thut belangen noch

Verschlagne tück und listigkeit, 4t)o Hat auch sein sonderlichen bscheit.

Wer kan billich verachten drum

Pisistratum, Sartorium,

Ulissem und auch andre mer

Der vil hie anzuzeigen wer, 495 Der doch von wegn ir gschickligkeit

Vorgeßen wirt zu keiner zeit?

So denn nun die erworben han

(Wie wir gwis gein und zweivels an)

Daß sie am gmelten freuden ort 500 Der freuntlichn gselschaft fort und fort

Sich brauchen bei irs gleichen mer

12Ö

In allen frenden last und er, Was künd denn das zu izger zeit Geachtet werden für ein neit,

f^& Daß diser, der nichts gringer ist Denn die ich gmelt hab diser irist, Solt so mit unerhörter pein Stets ewiglich gequelet sein? Was wers auch für unbilligkeit

öio Daß unter der botmeßigkeit Seins ordentlichen richters der Solt werden bracht zu ewign gier Durch frembder richter Urteils gwalt? Das hett ie gar kein form noch gstalt. G-enius

515 Wer Satans ist und mit im helt. Der redt auch stets was im gefeit. Ich gbiet euch abr, ir ottergzücht, Halts maul! kein wort redt weiter nicht! Eur tugent wol verdienter Ion

5io Izunder vor der tür thut ston.

Den hunden sol nach rechter maß Wol geben werdn ir rechtes aß. Ir hellschirganten, aber was Drukst ir und laust on unterlaß?

T>ib Ja auch ir richter allesampt. Wie laß seit ir in euerm ampt? Es sol euch nicht zu gut außgehn, Hart ir und thut die schanz vorsehn, Daß ich euch fort muß zeigen an,

530 Was ich ubr euch befelchs mer han.

Drum schleift den schelm nur her geschwind Mit sampt sein reten und gesind! Für gricht mit urteil und nach recht Ewig vordampt zur helln in sprecht!

SS5 Ach ach! wie ists ein elend sach Daß die verderbt natur so schwach Muß seini die seint von irer art Sunst hart und vest zu steter fart

126

Geneigt, daß sie all schand und plag

f>4o Volnbrengen sollen nacht und tag. Sie hettens auch nicht nnderlan, Ob ich in schon kein gbot' gethan, Sie hetten den auch ungeaoht Daß er in gleich all schand vorbracht

54r> Darmit er in het gern behagt,

Auf ergst teuflisch und hart geplagt. Weil ich sies abr geheißen hab Und sie nicht dürfen stehen ab Götlichem gwalt und müßen dran,

550 Woldn sie den hunt gern hinken lan. Abr dise meinung hats hiermit: Ein böser sin und teuflisch gblüt, So mans seins gfallens handeln leßt, Denn ists gefreut und thut das best.

555 So halt es aber zwank thut füln,

Obs schon zu schadn sunst het ein willn, Jdoch fumemlich es sich stelt Wies im am besten selbs gefeit.

Das dritte gesprech.

Alecto, Mcgera, Minos, Pluto, Rhadamantiis , Oerichtskneoht, Lycaon, Genins, Aeacns.

Alecto Ins halseisn mit der alten glatzn Die nichts mer kan denn unnütz schwatzn ! Der gnippend grubensucher der! Im hals er hat kein zan nicht mer. 5 Was hat er nur für recht hie hin Daß ers wil habn alls nach seim sinV Wes darf er pochn und schäm also Und solchen lermen machen do?

127

Oehts im so hin als wie ers macht?

10 Die ganze hell er hat aufbracht

Noch nie ist ghort wordn in der helln Ein solch geschwürm von allen sein, Anch gedenkt solchs auflanfs nicht mer Der schwerlicher zu stilin gwest wer.

if> Niemant wil stehn zu frid und ru, Sie laufen mit haufii alle zu: Und die so auch in tausent jam Niemant gesehen hat hievom, Sie tummeln schreien schnum daher,

io Sie grimgranen ie lenger mer. Diß alls wohin ichs deuten sol, Kan ich bei mir nicht finden wol. Es wer denn daß sichs ziehen wolt Zu aufrur die halt folgen solt. Megera

s3 Billich uns thut verdrießen hart Der sein ungwönlich stolz unart. Denn so sie hörn daß unser herrn So werdn gehaltn in gringen em, Wie in denn hie der alt erweist

30 Den du ein grubenkticker heist, Dann nemen sie in iren sin, Als was sie thun, das geh wol hin Und sonderlich wenn der hie ist.

Alecto Was ist die irrung diser frist? Megera

S5 Man kans nicht sagen so behent. Den genium sich diser nent. Ich weiß nicht, wo irgnt sei ein got, Des diener sei er und sein bot. Drumb wil er daß man alzuhant

4o Hie einen der Lycaon gnant,

Der den im himl ist gwest entgegn Auf unsers herrn Plutons anregn, Den sol man zu der höchsten pein

128

Vonirteiln und stracks ziehen ein.

4fi Demnach man tu hat disputiert Und beiderseits scharf red gefiirt: Doch bleibt der stets auf seinem wert. Man Bol kurz mit der scherf fam fort. Drum Pluto gleich hat i^uß eim zwang

50 Die ratsherm heischen lan on lang. Darauf ist ghalten worden rat Und kurz, wies der begeret hat, Also das urteil ist gefeit Und wider Ljcaon gesteh.

»5 Drumb hie auch auf die linkhant halt Zu disem handel ist bestalt Plutonis der groß feurig sal, Da publicierct werden sal Das urteil über Lycaon

Go Der klag nach die ubr in gcthan. Die grichtsbenk auch gesetzet sein, Die schöpfen halt werdn sezen ein. Minos auch auß dem türm gar halt In fürs gericht wirt fum mit gwalt.

B5 Abr trit hieher baß! sichstu nicht, Wie Minos gfurt bringt für gericht Ein ganzen häufen die all seint Beklagt als Lycaonis freunt, Sein diener und sein treue retV Alccto

70 Ich sehs. wer ist der mitten geht Gleich zwischen Minos drabanten Die man für feur kan nerlich sehn?

Megera Der selbig ist der Lycaon.

Alecto Bei all mein schlangn! er ist wolan

75 Ein feiner hübscher weidlicbr holt. All sein geberd mir wol gefeit. Sein gstalt, sein trit, sein angesieht Ist alls heroldisch abgericht.

129

Wie daß er aber nicht auch wirt so Oebmiden wie die andern gfärt?

Megera Weil er ein fürst geboren ist, Oschicht im die er zu diser frist.

Alecto Wie daß er abr sein angesicht So nider schlecht nnd nicht aufriebt? 85 Ist im selbs leit bei seiner sach?

Megera Ich glaub nicht daß das selbig mach. Denn wie mir sunst von im gesagt, Hat ers wol e frisch gnug gewagt. Ich halt daß er so schamhaft sei,

w> Weil er sich nicht umbsicht recht frei, Odr wirt in gdanken gwislich gehn, Wie er dem handel möcht furstehn Und sich nach not vorantworten, Der klag für gricht hie zu entgehn :

»& Denn auch die red von im sunst geht, Er sei vorstendig und beredt, Daß in die sein vergleicht oi% han Ulisse dem gescheiden man.

Minos Ho ho! was sol das gtümel sein? i«o Wie daß die sein so dringn herein So frach gleichsam mit einer gwalt? Ir hellwütrin, treibt sie wol halt Von dan! peitscht zu! macht räum dem gricht! Schafft daß man kein geheims hört nicht!

Pluto ' i«& Bereit ists aus: es feilt nichts mer. Minos bereit auch kümpt daher. Ir schöpfen, balt daselbs euch sezt! Radamantfaus sei nicht der lezt! Auf disen stul setz dich daher!

130

RhadamantuB

110 Microphlegon, geh her und hör! Den seepter tunk mir dreimal fein In hellpfui Stygium hinein I Ubrzogn mit schwefl und angezunt Bring mir den wider auf der stimt! Megera

115 Wie dringen sie sich alzumal So ungestüm ins richters sal? Für rauch abr und vor dicker loh Wir nichts recht künnen sehen do. Was härm wir denn und gehen nicht

120 Auch mit hinein baß fürs gerioht? Ich seh abr wol, es feilt nicht fem Daß wir zu langsam komen wem. Der grichtsknecht zwir außgschrien hat Der klag nach seiner laster that. Qerichtsknecht

185 Herr richter^ aller gstrengster herr, Wenns dein geheiß und wille wer, So wolt ich Schrein zum dritten mal

Rhadamantus Du hast mein laub in disem fal.

Gerichtsknecht Zum dritten mal ich zeter schrei

130 Über den Lycaon hierbei, Den herzogn von Lycoperan, Und klag in peinlich ewig an, Daß er der meuchelbrennerei Ein heubt und erster Stifter sei.

135 Seins Vaterlands ein feint er ist,

Welchs er gern lengst het gar vorwüst. Gemeinen frid und ru im lant Er hat zurütt gesohweeht geschant. Er ist ein mörder, kirchenreubr,

140 Hat bracht zu fal vil fromer weibr, Hat jimgfraun auch an em geschont Am leben und nach irem end,

131_

Der auch getriben hat hierbei Mit blutvorwanten hurerei.

145 Ein briefvorfelscher ist er auch,

Schelmstreu und rauben ist sein brauch. Vorleumbdens hat er vil gemacht, Auch got im himel selbs voracht.

Rhadamantus Was sagstu hierzu, Lycaon?

IM) Auf daß man kernen mag darvon. Ljcaon Herr richter, ja es ist nicht an: Ich hab das alb und gern gethan. Denn ich bißher hab gsweifelt nicht, All «chand die ich hab angericht

J&5 Sei euch gereicht zu gfalln und dank, Dieweil ich auch mein leben lang Solchs alls nach euerm willn und gheiß Hab aiißgericht mit höchstem vleiß. Denn Pluto, gwaltigister herr,

i6o Bei meinem höchsten eid ich schwer, Bei disem herlichn scepter dein, Bei den gestüln die umbher sein, Bei all dem hellsehen loh und feur Ich nochmals schwer auch tief und teur,

165 Daß ich dir hab zu em und gfalln Nichts underlaßen in dem alln Darmit verdunkelt würd die er Des gotes der sol (wie ich hör) Im himel ubr uns sein, ja mer

170 Was mich dünkt das möcht helfen ser, Daß menschlieh freuntschaft würd vorwüst, Hab ich mieh gvleißt zu steter firist. Und wie d6r Xerxes hatt ein art, Daß er Neptuno dreuet hart,

m Er wolt in gfenglich nemen an, Welt auch die sonn verfinstern lan (Wie mir noch ist ser wol bewust, Daß ichs oft hab gehört mit lust

J32

Von meinen treuen reten gut)^

180 So hatt ich auch